Schwefelversorgung von Ackerkulturen
Die Schwefelversorgung ist stark vom Standort und vom Bedarf der Kultur abhängig. Auf vielen Flächen gibt es ausreichend Schwefel, aber wenn ein Mangel herrscht, kann das deutliche Auswirkungen haben. Risikofaktoren, Mangelsymptome, Schätzverfahren und Analysemethoden helfen dabei, einen möglichen Schwefelmangel zu erkennen.
Das Risiko einer unzureichenden Schwefelversorgung ist unter anderem abhängig vom Standort. Risikofaktoren sind:
- durchlässige, sandige, skelettreiche und flachgründige Standorte,
- Böden mit einem geringen Gehalt an organischer Substanz,
- hohe Niederschläge im Winterhalbjahr (Oktober bis März) und dadurch erhöhte Sulfat-Auswaschung,
- fehlender oder geringer Einsatz von Hofdüngern,
- intensive Stickstoffdüngung.
Mangelsymptome und Unterscheidung zum Stickstoffmangel
Ein Schwefelmangel zeigt sich visuell durch hellgrüne Bestände, die meist nesterweise, flächig und unregelmässig im Schlag verteilt sind. Das Wachstum und die Entwicklung sind verzögert oder gehemmt. Bei Raps kommt es beispielsweise zu Nachblühern.
Die Mangelsymptome von Schwefel sehen ähnlich wie bei einem Stickstoffmangel aus. Wegen der abnehmenden Chlorophylldichte sind die Blätter aufgehellt. Im Gegensatz zum Stickstoffmangel treten die Aufhellungen bei Schwefelmangel aber überwiegend an den jüngeren Blättern auf, während ältere Blätter grün bleiben und nicht frühzeitig absterben.
Neben den Aufhellungen sind auch Blätter zu beobachten, die starr und senkrecht nach oben stehen. Beim Raps können auch rötliche Verfärbungen, löffelartig nach oben gewölbte Blattränder und eine weissgelb aufgehellte Blütenfarbe Hinweise auf Schwefelmangel sein.
Beurteilung der Schwefelversorgung
Zur Beurteilung der Schwefelversorgung stehen verschiedene Methoden zur Verfügung.
Mit einer Bodenprobe lassen sich Standorteigenschaften wie Humus- und Tongehalt bestimmen, die bei der Einschätzung des Schwefelmangelrisikos benötigt werden. Zudem kann auch der Sulfatgehalt (Smin) im Boden ermittelt werden. Fotos: FiBL, Aline Dallo
Schätzmethoden
Das Risiko für einen Schwefelmangel wird anhand von Angaben zu Standort, Bewirtschaftung und Witterung eingeschätzt. Dies ist ein bewährtes, einfaches und kostenloses Instrument. Es gibt die Punkteskala zur Beurteilung des Schwefel-Angebots aus der GRUD 2017 sowie den Schwefel-Schätzrahmen, entwickelt in den 90er Jahren vom BASF Agrarzentrum Limburgerhof (unter diesem Artikel verlinkt).
Bodenanalyse
Für eine Smin-Analyse werden im zeitigen Frühjahr Bodenproben in einer Tiefe von 0 bis 60 cm entnommen und sofort gekühlt ins Labor gesendet. Das Vorgehen entspricht dem der Nmin-Analyse und auch die Kosten pro Probe sind vergleichbar. Die Smin-Analyse ist nur eine Momentaufnahme und misst das pflanzenverfügbare Sulfat im Boden zum Zeitpunkt der Probenahme. Die Ergebnisse sind nur eingeschränkt nutzbar, da Schwefel aus tieferen Bodenschichten oder durch kapillaren Aufstieg nachgeliefert werden kann und fortlaufend weiterer Sulfatschwefel mineralisiert wird. Deshalb sind Bodenanalysen nur bedingt hilfreich.
Pflanzenanalyse
Diese Analyse bestimmt den Gesamtschwefel in der Pflanze und gibt genau Auskunft über den aktuellen Ernährungszustand. Bei akutem Mangel kann eine sofortige Düngung ausgebracht werden (vor allem über eine Blattdüngung). Die Nachteile der Pflanzenanalyse sind die hohen Kosten und die, für eine wirkungsvolle Düngungsmassnahme, relativ spät vorliegenden Resultate.
Düngefenster
Für einen einfachen Düngungsversuch kann auf einer kleinen Fläche Schwefeldünger von Hand gestreut werden (zirka 6 g S/m2). Dies eignet sich insbesondere für Kunstwiesen. So kann die direkte Reaktion des Bestandes (Grünfärbung, Pflanzenhöhe, Kleeanteil) beurteilt werden. Liegt bereits ein Mangel vor, kann das Düngefenster auch umgekehrt angelegt werden, indem ein Bereich bei der Düngung ausgespart wird.
Schwefelbedarf der Kulturen
Der Schwefelbedarf variiert zwischen den Kulturen stark. Besonders schwefelbedürftig sind Winterraps, Kleegras und Leguminosen mit hoher Biomasseleistung. Die Schwefel-Abfuhr liegt zwischen 20 und 80 Kilo Schwefel pro Hektar. Bei der Düngung werden Schwefelmengen zwischen 0 und 40 Kilo pro Hektar empfohlen (Raps bis 60 kg/ha).
Die schweizerische Düngungsnorm aus der GRUD unterscheidet sich bezüglich Mengenempfehlung von der deutschen Düngungsnorm der VDLUFA. Im Gegensatz zur VDLUFA empfiehlt die GRUD eine Schwefeldüngung nur dann, wenn das Schwefel-Angebot mit einer Punkteskala eingeschätzt und für nicht ausreichend befunden wird.
| Kulturen | S-Entzug (kg/ha) | S-Düngung (kg/ha) | Zeitpunkt | |
| GRUD | VDLUFA | |||
| Winterraps | 80 | 0 - 60 | 20 - 40 | Vegetationsbeginn, evt. Teilgabe im Herbst |
| Zucker-/Futterrüben | 35 | 0 - 25 | 10 - 20 | zur Aussaat |
| Kunstwiese | 20 - 35 | 0 - 25 | 20 - 40 | Vegetationsbeginn |
| Luzerne | 30 | 0 - 20 | 20 - 40 | Vegetationsbeginn |
| Mais | 28 | 0 - 20 | 10 - 20 | zur Aussaat |
| Winterweizen | 23 | 0 - 20 | 10 - 20 | Vegetationsbeginn bis 1-Knoten-Stadium |
| Gerste | 20 | 0 - 10 | 10 - 20 | Vegetationsbeginn bis 1-Knoten-Stadium |
| Kartoffeln | 20 | 0 - 10 | 10 - 20 | zur Pflanzung |
Quelle: GRUD/VDLUFA
Vegetationsstart entscheidend
Kulturen wie Mais, Kartoffeln oder Zuckerrüben, die erst ab Juni grössere Nährstoffmengen aufnehmen, können die im Mai einsetzende Sulfat-Nachlieferung aus dem Boden gut nutzen und benötigen daher nur selten eine zusätzliche Schwefeldüngung.
Kulturen mit einem frühen Vegetationsstart (Winterraps, Wintergetreide, Grünland) können diese Nachlieferung häufig nicht ausreichend nutzen. Bei diesen Kulturen ist es daher besonders wichtig die Schwefelversorgung am Standort zu überprüfen. Eine allfällige Schwefeldüngung sollte dann zu Vegetationsbeginn erfolgen, um die Angebotslücke bis zur verstärkten Sulfatmineralisierung im Mai zu überbrücken.
Risiko der Überdüngung
Eine Überdüngung mit Schwefel sollte unbedingt vermieden werden, da Sulfat leicht ausgewaschen wird. Dabei können auch ans Sulfat gebundene Kationen wie Calcium und Magnesium aus dem Oberboden verloren gehen, was neben deren Verlust zusätzlich zu einer Versauerung führt. Bei grösseren Düngemengen ist daher eine Aufteilung der Schwefelgaben sinnvoll.
Aline Dallo, FiBL
Weiterführende Informationen
Schwefel-Schätzrahmen (12.4 MB) (Risikobeurteilung für Schwefelmangel an einem Standort)
Schwefel (Rubrik Nährstoffversorgung)
Projekt Schwefelversorgung im Bioackerbau (FiBL Projekte)
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 02.02.2026
