Versteckte Kosten des Landwirtschafts- und Ernährungssystems
Unser Landwirtschafts- und Ernährungssystem verursacht hohe Kosten, die nicht auf dem Preisschild der Lebensmittel stehen, aber trotzdem von der Gesellschaft getragen werden müssen.
Was kostet unser Essen wirklich? Versteckte Kosten entstehen durch Umweltbelastungen, Gesundheitsfolgen und soziale Auswirkungen der Landwirtschaft. Foto: FiBL, Corinne Obrist
Die Preise im Supermarkt spiegeln die tatsächlichen Kosten der Lebensmittelproduktion nur unvollständig wider. Die sogenannten versteckten oder wahren Kosten entstehen durch Umweltbelastungen, Gesundheitsfolgen und soziale Auswirkungen der Landwirtschaft. Diese werden derzeit nicht von den Verursachern bezahlt, sondern von der gesamten Gesellschaft getragen. Zu den versteckten Kosten zählen unter anderem Treibhausgasemissionen, der Verlust der Biodiversität, Umweltschäden durch den intensiven Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden sowie gesundheitliche Folgen einer unausgewogenen Ernährung.
Gemäss Berechnungen für die Schweiz belaufen sich diese externen Kosten auf jährlich mindestens 30 Milliarden Franken (de Luca und Muller 2025; davon 17 Milliarden Gesundheitskosten aufgrund der Ernährung, 8 Milliarden Kosten des Biodiversitätsverlusts und je etwa 3 Milliarden Kosten aufgrund von Treibhausgasemissionen und Gesundheitsfolgen von Ammoniak und anderen Stickstoffemissionen). Die Ermittlung dieser Kosten ist jedoch äusserst komplex. Viele Auswirkungen der Landwirtschaft, etwa der Verlust von Biodiversität, die Verschlechterung der Bodenfruchtbarkeit oder langfristige Gesundheitsfolgen durch Pestizide, lassen sich nur schwer oder gar nicht in Geldwerten ausdrücken. Zudem fehlen für zahlreiche Bereiche belastbare Daten. Die Höhe der berechneten Kosten hängt deshalb stark davon ab, welche Faktoren berücksichtigt und welche Bewertungsmethoden angewendet werden. Trotz dieser Unsicherheiten sind solche Berechnungen von grosser Bedeutung, da sie die gesellschaftlichen Folgen der Lebensmittelproduktion sichtbar machen und verdeutlichen, in welchen Bereichen grosser Handlungsbedarf besteht.
Bio erbringt vielfältige Umweltleistungen
Bio spart verschiedene dieser versteckten Kosten ein. Durch den geringeren Einsatz von Pestiziden und Mineraldüngern sowie einen standortangepassten Tierbesatz erbringt der ökologische Landbau Umweltleistungen, die sich im Verkaufspreis bisher kaum widerspiegeln.
Ein Bericht des FiBL zeigt beispielsweise, dass auf Biobetrieben im Durchschnitt 30 Prozent mehr Arten und 50 Prozent mehr Individuen vorkommen als auf konventionell bewirtschafteten Betrieben. Dadurch trägt der Biolandbau zu wichtigen Ökosystemleistungen wie natürlicher Bestäubung oder Schädlingsregulation bei.
Die verbreitete Annahme, dass Biolebensmittel "zu teuer" sind, greift demnach zu kurz. Während Bioprodukte im Durchschnitt im Laden etwa 20 Prozent mehr kosten als vergleichbare konventionelle Lebensmittel sind deren versteckte Kosten wegen dieser verminderten Umweltauswirkungen tiefer. Andere Lebensmittel wirken deshalb oft nur scheinbar günstig, weil ein erheblicher Teil ihrer tatsächlichen Kosten nicht im Verkaufspreis enthalten ist. Diese werden aber indirekt trotzdem von der Gesellschaft getragen.
Grosser Handlungsbedarf
Die Forscher Adrian Müller und Kevin De Luca vom FiBL betonen in einem Bericht von 2026, dass die heute verfügbaren Erkenntnisse bereits ausreichen, um konkrete Handlungsfelder zu identifizieren. Für Industrieländer wie die Schweiz sehen sie insbesondere im Bereich Gesundheit, Nährstoffmanagement und Klimaschutz den grössten Handlungsbedarf.
Dazu gehören unter anderem:
- ein geringerer Konsum tierischer Produkte
- die Reduktion von Tierbeständen und Futtermittelimporten
- ein sparsamerer Einsatz von Mineraldüngern zur Verringerung von Nährstoffüberschüssen
- Massnahmen gegen Lebensmittelverschwendung
- eine Reduktion von Pflanzenschutzmitteln
Auch wenn sich viele dieser Effekte nicht vollständig monetär erfassen lassen, zeigen die verfügbaren Daten deutlich, dass bereits heute zahlreiche Massnahmen bekannt sind, um die versteckten Kosten unseres Landwirtschafts- und Ernährungssystems zu senken.
Weiterführende Informationen
Hidden costs of the Swiss Agrifood System (De Luca und Müller, 2025)
Auf den Punkt gebracht – gesellschaftliche Leistungen des ökologischen Landbaus (Sanders et al. 2023)
Wenn fehlende Daten heikel sind (Bericht von Müller und De Luca, 01/2026)
Ernährung und Umwelt (BAFU)
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 25.08.2026
