Praxisbeispiele für die Hoftötung von Schafen und Ziegen
Bekannte Artgenossen, das Verbleiben in der Herde und eingespielte Prozesse – mit guten Arbeitsabläufen kann das Tierwohl bis zu Schluss verbessert werden. Wenn Betäubung und Entblutung direkt am Hof stattfinden, entfallen stressreiche Transporte, unbekannte Umgebung und neue Gruppenzusammensetzungen. Zugleich behalten Landwirt*innen den Kontakt zu ihren Tieren bis zur letzten Minute und kontrollieren Ablauf, Hygiene und Vermarktung. Die folgenden Best‑Practice‑Beispiele zeigen zwei praxiserprobte Konzepte, die sich in unterschiedlich grossen Betrieben bewährt haben: vom komplett eigenständig durchgeführten Verfahren bis hin zur Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Dienstleister.
Hof Silberdistel – Hoftötung von Ziegen durch den Bauern
Auf dem Hof Silberdistel von Lena und Cäsar Bürgi in Holderbank, SO werden für die Direktvermarktung regelmässig Burenziegen auf dem Hof getötet. Dabei führt Cäsar Bürgi mit der Unterstützung weiterer Personen die Hoftötung eigenständig durch. Pro Schlachttag werden zwei Ziegen auf dem Hof getötet.
Die zwei Ziegen werden in einer Gruppe mit bekannten etwa gleichalten Tieren einige Tage vor der Hoftötung in die Wartebucht gebracht, die entsprechend mit einer Trink-, Fress- und Schlafgelegenheit ausgestattet ist. Die Ziegen werden während dieser Zeit an die Nähe zum Menschen gewöhnt und mit einem Holzstück, das an ein Bolzenschussgerät erinnert, regelmässig an der Betäubungsstelle berührt. Dass die Tiere innerhalb der bekannten Herde verbleiben können hat einen positiven Einfluss auf das Tierwohl, da sich Ziegen und Schafe in vertrauten Herdenverbund bestehend aus mehreren Tieren am wohlsten fühlen.
Direkt vor der Tötung müssen die Ziegen auf dem Hof Silberdistel keinen Weg zurücklegen, müssen also nicht vorgängig mit Futter gelockt oder an das Führen am Halsband gewöhnt werden. Sie verbleiben bis zur Betäubung in der Wartebucht mit ihren bekannten Artgenossen und erfahren so bis zum Schluss keine Vereinzelung, was den Stress der Tiere zusätzlich reduziert. Der elektronische Aufzug mit Führungsschiene ist direkt über der Bucht fix installiert, das Bolzenschussgerät kann in Griffnähe platziert werden.
Während dem gesamten Ablauf werden den Ziegen Äste zum Knabbern angeboten. Nach der Betäubung wird die Ziege an einem der Hinterläufe mit Hilfe des elektronischen Aufzuges zum Entbluten hochgezogen. Die Entblutung geschieht so schnell wie möglich direkt nach dem Aufziehen, das Blut wird aufgefangen.
Der Schlachtkörper wird nach dem vollständigen Ausbluten an der Führungsschiene zum angepassten T-Trailer transportiert und anschliessend zur weiteren Verarbeitung in den Schlachthof gebracht. Der Hof Silberdistel verfügt über einen eigenen Fleischverarbeitungsraum. Nach dem Ausnehmen werden die Schlachtkörper zur weiteren Verarbeitung wieder zurück auf den Landwirtschaftsbetrieb gebracht.
Hofgut Wildenstein – Hoftötung von Schafen und Ziegen durch ein Dienstleistungsunternehmen
Auf dem Biobetrieb Hofgut Wildenstein von Dominic und Rahel Sprunger in Bubendorf BL werden jedes Jahr Schafe und Ziegen für die Direktvermarktung direkt auf dem Hof getötet. Durchgeführt wird die Hoftötung von einem Dienstleistungsunternehmen, welches nach der Tötung die Schlachtkörper in die nahegelegene Metzgerei fährt. Dominic Sprunger sowie eine weitere Person unterstützen beim Durchführen der Hoftötung.
Die Tiere werden einige Tage vor der Schlachtung in der ursprünglichen Herde in der bekannten Umgebung eingestallt, diese Wartebucht verfügt über eine Trink-, Fress- und Schlafgelegenheit. In dieser Zeit werden die Tiere an das Tragen eines Halsbandes gewöhnt und werden mit der Nähe zum Menschen vertraut gemacht. Für das Tierwohl ist es positiv zu werten, dass die Tiere nicht in einer kleineren Herde eingestallt werden, sondern im bekannten Herdenverbund verbleiben können. Dies verringert den Stress der Schafe und Ziegen nachweislich.
Auf dem Hofgut Wildenstein ist es aus logistischen Gründen nicht möglich, die Tiere direkt in der Wartebucht zu betäuben. Aus diesem Grund werden sie an einem Halsband zum Ort der Betäubung direkt auf dem Hofplatz geführt. Die Tiere müssen dafür nur einige wenige Meter zurücklegen, es wird auf schonendes Führen geachtet.
Nach einer kurzen Fixierung am Halsband, werden die Tiere betäubt und mit dem Frontlader zum Entbluten hochgezogen. Nach dem vollständigen Entbluten werden die Tiere auf die Transportvorrichtung des Dienstleistungsunternehmens geladen, fixiert und in den nahe gelegenen Schlachthof zur weiteren Verarbeitung transportiert.
Dank der langjährigen Erfahrung in der Direktvermarktung, können die Produkte ab Hof verkauft werden.
Weiterführende Informationen
Hof Silberdistel (silberdistel-kost.ch)
Hofgut Wildenstein (hofwildenstein.ch)
Übersicht Hoftötung Kleinwiederkäuer (Rubrik Tierhaltung)
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Kleinwiederkäuer (Rubrik Tierhaltung)
