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Die Regenfleckenkrankheit im Bioapfelanbau:

Erreger, Infektion und Bekämpfung

Die Regenfleckenkrankheit ist zu einem der Hauptprobleme im Bioapfelanbau geworden. Verursacht wird sie nicht durch einen einzelnen Pilz, sondern durch einen Erregerkomplex aus zahlreichen saprophytischen Pilzarten. Welche Arten auftreten, hängt von Region, Witterung, Management und Jahr ab. Ausschlaggebend für die Krankheitsentwicklung ist eine langanhaltende Feuchte. Besonders low-input Bioanlagen, Spätsorten und regenreiche Standorte mit schlecht durchlüfteten Baumkronen sind gefährdet.

Die Pilze bilden einen Biofilm auf der Fruchtoberfläche, der als schwarzer, russiger Belag zu erkennen ist. Betroffen sind neben Äpfel auch andere Obstarten mit glatter Schale, beispielsweise Birnen, Pflaumen, Quitten, Heidelbeeren. 

Neuere Untersuchungen zeigen, dass Regenflecken- und Fliegenschmutzkrankheit keine zwei eigenständigen Krankheiten mit je einem Erreger sind. Vielmehr handelt es sich um einen gemeinsamen Erregerkomplex mit unterschiedlichen Symptomausprägungen je nach Pilzart, von punktförmigen bis zu geflechtartigen Strukturen. Bisher wurden über 100 Arten identifiziert, welche die Regenfleckenkrankheit hervorrufen können, wobei die Erreger je nach Region, Jahreszeit und Bewirtschaftung variieren können.

Der Erreger Peltaster cerophilus gilt in Mittel- und Westeuropa als einer der wichtigsten Verursacher der Regenfleckenkrankheit im Apfelanbau. Versuche zeigten, dass der Pilz lediglich eine geeignete Oberfläche benötigt und sich sogar auf Wachspapier etablieren kann. Alternative Wirte sind zum Beispiel Heidelbeere, Hundsrose, Kürbis, Wildapfel, Pflaume, Quitte, Hagebutte, Esche, Hartriegel, Weissdorn.

Langanhaltende Feuchtigkeit begünstigt Infektionen

Peltaster cerophilus überwintert auf Fruchtmumien, abgestorbenen Pflanzenteilen oder Rinde. Im Frühjahr werden Sporen freigesetzt, die durch Wind und Regen verbreitet werden und die Früchte während der Wachstumsperiode infizieren. Bereits kurz nach der Blüte können die Früchte besiedelt werden, auch wenn Symptome erst Wochen später sichtbar werden. Voraussetzung ist eine ausreichende Blatt- oder Fruchtnässe (verursacht durch Regen oder eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit von über 90 Prozent). Sichtbare Beläge entstehen erst nach einer bestimmten Anzahl Feuchtestunden. Nach dem Modell «Sutton» sind dafür zwischen 240 und 285 Feuchtestunden notwendig. Dafür werden Nässephasen über vier Stunden ab Ende Blüte bis zum Erscheinen erster Symptome gezählt. 

Der Pilz hat gegenüber Temperaturen einen breiten Toleranzbereich (etwa 5 bis 30 Grad), wobei die Entwicklungsgeschwindigkeit beeinflusst wird, nicht aber die Infektionsauslösung. Nach der Erstinfektion können auch einige Pilzarten wie Peltaster cerophilus Sekundärkonidien bilden und sich direkt von Frucht zu Frucht verbreiten. Es gibt keine Hauptinfektionsperiode, vielmehr können neue Infektionen fortlaufend über die gesamte Saison stattfinden.

Symptomentwicklung: je früher die Erstinfektion, desto höher der Endbefall

Ab dem Auftreten der Erstinfektionen entwickeln sich die Symptome bei regelmässigen Nässephasen in etwa linear. Lange Trockenphasen führen lediglich zu einer temporären Pausierung der Symptomentwicklung. 

Je früher die Erstinfektion stattfindet, umso länger haben die Pilze Zeit, sich zu entwickeln und desto grösser ist der Befall bei der Ernte. Dasselbe gilt für einen späteren Erntezeitpunkt, weshalb Spätsorten oft mehr Befall aufweisen als Frühsorten. Nebst dem Erntezeitpunkt spielen auch physikalische Eigenschaften der Fruchtoberfläche eine Rolle: Sorten mit Berostung oder Beduftung werden weniger besiedelt. Da eine langanhaltende Feuchtigkeit für die Symptomentwicklung ausschlaggebend ist, ist der Befall in weniger gut belüfteten Zonen, etwa im Bauminneren oder im unteren Baumbereich, grösser.

Krankheitsmanagement

Indirekte Massnahmen

Kulturtechnische Massnahmen zielen darauf ab, die Feuchtedauer im Bestand zu reduzieren und den Befallsdruck zu senken. 

Dazu zählen: 

  • eine luftige Baumarchitektur (durch gezielte Schnittmassnahmen)
  • Fruchtausdünnung zur besseren Durchlüftung
  • das Gras kurzhalten

Auch Hygienemassnahmen wie das Entfernen von Fruchtmumien können den Befall deutlich reduzieren. Mit der Wahl früher reifender Sorten oder weniger anfälliger Sorten, lässt sich die Krankheit ebenfalls vorbeugen.

Eine Überdachung kann den Befall durch konsequente Vermeidung von Nässe nahezu vollständig unterdrücken, selbst bei stark reduziertem Fungizideinsatz. Allerdings ist diese Massnahme technisch und wirtschaftlich nicht überall umsetzbar.

Direkte Massnahmen

Aufgrund der kontinuierlichen Infektionsgefahr ist im Bioapfelanbau in niederschlagsreichen Regionen eine wiederholte direkte Bekämpfung notwendig. 

Die wirksamsten Strategien basieren derzeit auf:

  • Kaliumhydrogencarbonat in Kombination mit Netzschwefel
  • Kaliumhydrogencarbonat allein (formulierte Hydrogencarbonatprodukte wirken besser)
  • Schwefelkalk

Entscheidend ist dabei nicht nur die Mittelwahl, sondern vor allem die Behandlungsstrategie:

  • Behandlungsbeginn bereits während oder kurz nach der Schorf-Primärsaison, um frühe Infektionen und den Befallsaufbau zu verhindern beziehungsweise zu verzögern,
  • durchgehende Behandlungen von Juni bis zur Ernte, insbesondere lange Nassperioden beachten,
  • kurze Spritzintervalle bei hohem Befallsdruck.

Versuche zeigen deutlich, dass nur kontinuierliche Behandlungen über die gesamte Risikoperiode zu einer deutlichen Befallsreduktion führen. Einzelne Behandlungsfenster sind nicht ausreichend.

Nacherntebehandlung durch Bürsten

Der Regenfleckenbelag lässt sich durch gezieltes Bürsten der Früchte entfernen, wobei sich der Belag in der Stielgrube sich schwieriger entfernen lässt als auf der restlichen Fruchtoberfläche. Versuche zeigen, dass das Bürsten bei einem Befall von bis zu 25 Prozent der Fruchtoberfläche effektiv ist; bei höherem Befall sei das Ergebnis nicht zufriedenstellend.

Clémence Boutry, FiBL

Weiterführende Informationen

Meldung «Neues Produkt gegen Schorf und Regenflecken» (Rubrik Aktuelles)
Biokernobst: Pflanzenschutzmassnahmen ab Juli (Rubrik Kernobst, Krankheiten und Schädlinge)
Merkblatt «Pflanzenschutz im Biokernobstanbau» (FiBL-Shop)
Betriebsmittelliste (FiBL-Shop)

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