Futterbau und Trockenheit: Massnahmen im Natur- und Kunstfutterbau
Sommer mit anhaltender Dürre wie 2026 bringen Betriebsleitende an ihre Grenzen. Im Naturfutterbau sind gezielte Pflegemassnahmen und eine angepasste Nutzung wichtig. Zwischenfutteranbau und Untersaaten bieten zudem die Möglichkeit, Ertragseinbussen auszugleichen, Anbaurisiken zu verringern und Reserven aufzubauen.
In der folgenden Übersicht finden Sie Informationen und Links zu FiBL-Videos, Beratungsartikeln und weiteren Unterlagen.
Naturfutterbau: Grasland angepasst bewirtschaften
Nach weniger ausgeprägten Trockenphasen erholt sich das Grasland in der Regel sehr gut, sobald wieder ausreichend Wasser zur Verfügung steht. Insbesondere Gräser können die Ertragseinbussen in den folgenden Aufwüchsen manchmal vollständig kompensieren. Nach extremen Dürrephasen ist jedoch vor allem in Raigras-dominierten Beständen mit einem hohen Lückenanteil in der Grasnarbe zu rechnen. Bettina Tonn, Graslandexpertin am FiBL, gibt Tipps zur Pflege und Nutzung der Wiesen und Weiden nach Trockenheit:
- Lückige Bestände nur bei ausreichend trockenem Wetter beweiden, um Trittschäden zu vermeiden.
- Letzte Nutzung nicht zu spät im Herbst: Pflanzen sollen mit einer Bestandeshöhe von acht bis zehn Zentimetern in den Winter gehen. Dann haben sie ausreichend Reservestoffe für einen guten Wiederaustrieb im Frühjahr.
- Keine Herbstdüngung nach der letzten Nutzung. Diese könnte die Pflanzen zu neuem Wachstum anregen, was die Einlagerung von Reservestoffen behindert.
- Um Lücken zu schliessen, kann eine Übersaat notwendig sein; ab einem Lückenanteil über 50 Prozent ist eine komplette Neuansaat sinnvoll. Bei hoher Deckung von abgestorbenem Pflanzenmaterial dieses vor der Aussaat mit Striegel entfernen.
- Saatzeitpunkt: Böden müssen ausreichend feucht sein. Ist dies erst nach Mitte September der Fall, ist es oft besser, mit der Ansaat bis zum Frühjahr zu warten. In höheren Lagen liegt der späteste Zeitpunkt für eine erfolgreiche Ansaat entsprechend früher.
- Keine Düngung vor der Ansaat; keine Düngung im ersten folgenden Aufwuchs.
- Praxistipp von Stefan Jegge, Biolandwirt im Fricktal (Aargau): In sommertrockenen Lagen sind Herbstsaaten oft aussichtsreicher. Die Jungpflanzen können die Winterfeuchtigkeit nutzen und setzen sich im Folgejahr besser durch. Bei später Herbstansaat kann es aber notwendig sein, Leguminosen wie Klee im Frühjahr nachzusäen.
Ausführliche Infos zum Futterbau vor, während und nach der Trockenheit sind in diesem Artikel nachzulesen.
Trockenheit im Grasland: Empfehlungen für die Praxis
In diesem Video gibt Andreas Lüscher (Agroscope/AGFF) Empfehlungen zum Umgang mit Trockenheit im Naturfutterbau:
Umgang mit Trockenheit im Naturfutterbau (Youtube)
Die AGFF (Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaus) gibt im Merkblatt 5 (Wiesenverbesserung) Empfehlungen für Übersaaten oder Neuansaaten:
Merkblatt Wiesenverbesserung AGFF (866.1 KB)
Anbau von Zwischenfutter
Der Anbau von Zwischenfutter kann helfen, einen Teil der Ertragseinbussen vom Grünland auszugleichen. Reine Grünlandbetriebe können dafür auch mit viehlosen Partnerbetrieben zusammenarbeiten. Als Zwischenfutter eignen sich verschiedene abfrierende oder überwinternde Kulturen, die je nach Art und Saatzeitpunkt noch im gleichen Jahr oder im folgenden Frühjahr genutzt werden können. Neben der futterbaulichen Eignung ist es entscheidend, dass die Zwischenkultur in die Fruchtfolge der Hauptkulturen passt.
FiBL-Merkblatt zum Anbau von Zwischenfruchtkulturen:
Zwischenfrüchte im biologischen Acker-und Gemüsebau (FiBL Shop)
FiBL-Beraterin Anja Viehweger zu den Vorteilen von Sandhafer als Zwischenkultur im Gemüsebau, die auch futterbaulich genutzt werden kann:
Sandhafer - eine fruchtfolgeneutrale Gründüngungspflanze
Untersaaten in Getreide und anderen Kulturen
Untersaaten bieten die Option, in den zunehmend trockenen Sommermonaten die risikoreiche Ansaat einer Zwischenfrucht zu umgehen. Mit der Untersaat ist eine futterbauliche Nutzung relativ rasch nach der Ernte der Hauptkultur möglich. Dabei gilt es einige Erfolgs- und Risikofaktoren zu beachten.
FiBL-Berater Jeremias Niggli zeigt Untersaatenmischungen, die er auf seinem Betrieb ausprobiert hat:
Probier mal Untersaaten aus! (Youtube)
Praxisvideo zu Untersaaten auf dem Betrieb von Biolandwirt Dieter Weber:
Untersaaten im Getreide – ein Schlüssel zum klimaresilienten Ackerbau (Regenerative Landwirtschaft) (Youtube)
Infos zur Einsaat von Kunstwiesenmischungen in Getreide von FiBL-Berater Hansueli Dierauer:
Einsaat in Getreide
Alternative zum Silomais: Getreide-Leguminosen-Mischung als Ganzpflanzensilage
Bei grosser Trockenheit leidet auch der Maisanbau. Eine interessante Alternative können Getreide-Leguminosen-Mischungen sein. Sie werden im Herbst gesät, im Frühsommer geerntet und als Ganzpflanzensilage genutzt.
FiBL-Video zu Getreide-Leguminosen-Mischungen an den Bio-Ackerbautagen 2024:
Getreide-Leguminosen-Mischungen – Eine Alternative zu Silomais in trockenen Lagen (Youtube)
Von anderen lernen
Wie gehen andere Betriebsleitende mit den Herausforderungen des Klimas um? Roland Nussbaum berichtete im FiBL-Podcast, mit welchen Strategien er gut fährt.
Weiterführende Informationen
Fachpersonen am FiBL für weitergehende Beratung: FiBL Beratung und Praxisforschung
Team Landwirtschaft Bio Suisse: 061 204 66 05; landwirtschaft(at)bio-suisse.ch
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 17.08.2026
