Obwohl das laufende Jahr in vielen Regionen durch eine ausgeprägte Trockenheit gekennzeichnet ist, lassen sich deren Auswirkungen nicht pauschal beurteilen. Die Reaktionen der Bestände unterscheiden sich je nach Artenzusammensetzung, Nutzungsintensität und Standortbedingungen deutlich. Insbesondere die Wasserspeicherkapazität des Bodens und die Artenzusammensetzung bestimmen, wie stark sich Trockenperioden auf den Ertrag auswirken. Der wichtigste direkte Effekt ist eine Ertragsminderung mit einer Verstärkung der Sommerdepression, wobei Ertragsverluste durch spätere Herbstaufwüchse teilweise kompensiert werden können.
Wie reagieren die verschiedenen Pflanzenarten?
Leguminosen sind oft robuster
In Versuchen, bei denen Bestände während zwei Monaten keinen Tropfen Niederschläge erhielten, reagierten die Futterarten sehr unterschiedlich. Das englische Raigras erlitt Ertragsverluste von rund 70 Prozent, während Weissklee und Rotklee deutlich geringere Ertragsverluste aufwiesen. Leguminosen zeigen sich als widerstandsfähiger gegenüber Trockenstress als viele Gräser. Besonders trockenheitsresistent sind tiefwurzelnde Leguminosen wie Luzerne, Esparsette und Rotklee. Diese Arten können Wasser aus tieferen Bodenschichten erschliessen und überstehen Trockenperioden besser. Allerdings reagieren Luzerne und Esparsette empfindlich auf Staunässe und sehr feuchte Bedingungen.
Diese Gräser gelten als trockenheitstolerant
Bei den Gräsern gelten Rohrschwingel und weniger ausgeprägt Knaulgras und Wiesenfuchsschwanz als trockenheitstolerant. Speziell der Rohrschwingel mit seinem tiefgreifenden Wurzelwerk kann unter trockenen Bedingungen seine Vorteile entfalten. In der Züchtung sind mittlerweile mehrere Sorten erhältlich, die deutlich feinere Blätter aufweisen als die auf extensiven Weiden häufig auftretenden Ökotypen. Sie werden in den Standardmischungen SM442 und SM462 verwendet.
Nach Regen erholen sich viele Bestände erstaunlich schnell
Die Versuche zeigen aber auch, dass sich Graslandbestände nach einer Trockenperiode oft rasch erholen. Nach der Wiederbefeuchtung zeigte das englische Raigras während der sechswöchigen Erholungsphase einen deutlichen Aufholeffekt und erzielte zeitweise rund 70 Prozent höhere Erträge als die nicht trockenheitsgestressten Kontrollbestände. Ein wichtiger Grund dafür liegt im Stickstoffhaushalt des Bodens. Während Trockenperioden ist Stickstoff für die Pflanzen nur eingeschränkt verfügbar. Nach Niederschlägen kommt es dagegen häufig zu einem starken Mineralisationsschub. Die Stickstoffverfügbarkeit kann dabei bis auf das Vierfache ansteigen und das Wachstum der Gräser stark fördern.
Während Trockenperioden: Bestände schonen
Auf Düngung verzichten
Stickstoffdünger sollten während Trockenperioden nicht ausgebracht werden. Die Pflanzen können den Stickstoff kaum aufnehmen, weshalb die Wirkung gering ist. Nach der Trockenheit steht häufig bereits viel pflanzenverfügbarer Stickstoff im Boden zur Verfügung.
Übernutzung verschärft die Probleme
Trockenheitstoleranz beginnt bei der Bestandesführung. Häufige und tiefe Nutzung schwächt die Pflanzen langfristig. Werden Bestände regelmässig übernutzt, investieren die Pflanzen weniger in das Wurzelwachstum. Das Wurzelsystem wird kleiner und die Trockenheitsresistenz nimmt ab. Zudem werden mit der Zeit wertvolle Futtergräser von geringwertigen Arten verdrängt. Zurück bleiben häufig wenig produktive Filzgräser, die oberflächig wurzeln und so anfällig auf Trockenheit sind.
Horstgräser wie das Knaulgras oder Rohrschwingel bleiben dagegen länger leistungsfähig und wachsen auch unter trockenen Bedingungen noch weiter. Zudem entstehen unter Trockenstress Lücken im Bestand, die später von Unkräutern besiedelt werden können. Versuche auf der Alp La Frétaz (1200 Metern über Meer) zeigten während einer simulierten Sommertrockenheit von zwölf Wochen deutlich höhere Verluste bei intensiver Nutzung. Auf Weiden betrugen die Ertragseinbussen bis zu 50 Prozent. Dies unterstreicht die Bedeutung einer zurückhaltenden Nutzung während Trockenperioden.
Praxisempfehlungen während Trockenperioden
- Nutzung möglichst reduzieren oder ganz aussetzen
- Auf Düngung und Striegeln verzichten
- Schnitthöhe erhöhen
- Überweidung vermeiden
- Genügend Restaufwuchs stehen lassen, damit die Vegetationsknospen beschattet werden und nicht überhitzen und absterben
Mehr dazu im Video «Umgang mit Trockenheit im Naturfutterbau» der AGFF (Youtube)
Weitere Sofortmassnahmen
- Tiere gezielt zufüttern
- Je nach Situation ist es sinnvoller, die Tiere im Stall zu füttern, um die Grasnarbe zu schonen
- Futterzukäufe frühzeitig planen
- Weideintensität anpassen
- Stehender Mais als Notvorrat (Bei Bedarf «eingegrast» und grün verfüttert zur Überbrückung von Futterengpässen im Spätsommer)
Was ist nach einer Trockenperiode zu tun?
Über- und Ansaat erst nach klarem Wetterumschwung
Eine Über- oder Ansaat bei zu trockenen Bedingungen oder nach nur geringen Niederschlägen erhöht das Risiko für ein ungleichmässiges Auflaufen. Im Extremfall keimen die ausgesäten Arten mit der Restbodenfeuchtigkeit, sterben dann aufgrund zu trockner Bedingungen wieder ab. Deshalb sollte eine Ansaat erst stattfinden, wenn im Boden genügend Feuchtigkeit vorhanden ist bzw. ein deutlicher Wetterumschwung absehbar ist. Ab Mitte August kühlen die Nächte in der Regel schon deutlich ab und der Tau am Morgen hilft auch gegen das Austrocknen.
Ist eine Übersaat überhaupt nötig?
Aufgrund der fehlenden Niederschläge und der hohen Temperaturen der letzten Wochen können Bestände auf Extremstandorten vollständig abgestorben sein. Ob die einzelnen Pflanzen wieder austreiben, überprüft man am besten, indem man die Stoppeln ausgräbt und auf einzelne noch grüne Triebe kontrolliert. Falls sämtliche Triebe braun und ausgetrocknet sind kann davon ausgegangen werden, dass die Pflanzen abgestorben sind und nicht mehr neu austreiben können (siehe Bild).
Bei einem grossflächigen Auftreten muss eine Übersaat bzw. Neuansaat ins Auge gefasst werden, da sich sonst schnell unerwünschte Arten ausbreiten können. Aufgrund der intensiven Nutzung der Wiesen ist im Boden kaum genügend Samenvorrat für eine natürliche Regeneration vorhanden. Anders ist die Situation auf extensiv genutzten Wiesen, wo die artenreicheren Bestände durch die spätere erste Nutzung absamen können. Eine Übersaat dürfte hier kaum notwendig sein.
Fehlendes Futter kompensieren
Zwischenfutter für den Herbst
Wer die Möglichkeit hat, Zwischenfutter anzubauen, kann einen Teil des fehlenden Futters im Herbst mit etwas Wetterglück kompensieren. Hierzu eignen sich rasch auflaufende und spätsaatverträgliche Mischungen wie z.B. Westerwoldisches Raigras mit Alexandriner- und Perserklee (SM 106) sowie Wick-Hafer-Erbsen (SM 101). Bei einer Ansaat bis Mitte August kann mit einem Ertragspotenzial von rund 30 Dezitonnen pro Hektare gerechnet werden. Alle diese Zwischenfutter haben aber gemeinsam, dass die Futterqualität nicht sonderlich hoch und eine Konservierung (Silage) aufgrund des hohen Wassergehaltes in den Herbstmonaten sehr erschwert ist. Meist steht Eingrasen oder eine Beweidung im Vordergrund.
Als Notlösung für späte Saaten bis Anfang September bietet sich die Aussaat von Grünschnittroggen an. Hier gilt zu beachten, dass das Futter einseitig strukturreich ist und der Roggen im Winter nicht abfriert.
Wenn die Bedingungen es zulassen, sind auch überwinternde Mischungen in Betracht zu ziehen, um im Frühjahr zusätzliches Futter vor einer Frühjahrskultur zur Verfügung zu haben. Eine weitere Option ist, auf Flächen, die mit einer Kleegrasmischung belegt werden, eine Kombination aus einer Ganzpflanzensilage-Mischung (GPS-Mischung) und einer überwinternden, integrierten Kleegras-Untersaat auszubringen. Dies ergibt im Frühjahr einen höheren TS-Ertrag und die Kleegras-Untersaat kann sich im Schatten der GPS-Mischung bereits etablieren.
Stoppelrüben
Eine Extremvariante für Betriebe mit der Möglichkeit zur Weide bieten Stoppelrüben. Vor einigen Jahren an der HAFL durchgeführte Versuche haben gezeigt, dass Stoppelrüben bei einer Ansaat bis Mitte August von allen Zwischenfuttern das höchste Ertragspotenzial aufweisen. Nach Ausbildung des Rübenkörpers werden sowohl das Kraut als auch die Rübenkörper nach einer Angewöhnungsphase von den Tieren gefressen. Die Flächen werden am besten als Portionenweide genutzt. Eine nasse Witterung im Herbst kann allerdings limitierend in Bezug auf den Bodenschutz wirken und die Verschmutzung der Tiere erhöht das Risiko einer Kontamination der Milch mit anaeroben Sporen. Auch Sommerrübsen und Futterraps können als Zwischenfutter genutzt werden. Wie bei den Stoppelrüben gilt es zu beachten, dass der Anteil in der Ration für Milchkühe limitiert werden sollte (maximal 30 Prozent) und die Arten nicht kompatibel mit Raps in der Fruchtfolge sind.
Bei der Verfütterung von sämtlichen Zwischenfuttern gilt zu beachten, dass ein Risiko für Blähungen besteht.
Melassiertes Stroh
Ein weiterer Ansatz zur Bewältigung von Futterengpässen ist die Nutzung von melassiertem Stroh. Da das Stroh in diesem Jahr von sehr guter Qualität ist, kann ein Teil davon gezielt als Futterreserve zurückbehalten werden. Eigenes Biostroh lässt sich mit Zuckerrübenmelasse aufwerten und als Heuersatz für Weiderinder in der Anfütterungsphase oder als Ergänzungsfutter während der Weidesaison einsetzen. Dieses Vorgehen eignet sich auch für Milchviehbetriebe mit Galtkühen und wird auf einzelnen Mutterkuhbetrieben bereits praktiziert. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass rechtzeitig genügend Biostroh als Futterreserve reserviert wird.
Wiesen und Weiden sehr zurückhaltend düngen
Verschiedene Versuche aus den letzten Jahren haben gezeigt, dass nach längeren Trockenphasen nach dem Wiedereinsetzen des Wachstums im Boden sehr viel Stickstoff mineralisiert wird. Die Bestände sollten nach Einsetzen der Niederschläge deshalb sehr zurückhaltend mit Hofdünger versorgt werden, da sich die Pflanzen mit dem im Boden vorhandenen Stickstoff sehr gut versorgen können. Eine zusätzliche N-Düngung erhöht die ohnehin hohen Rohproteingehalte des Futters im Herbst zusätzlich. Der wertvolle Dünger sollte besser in anderen Kulturen eingesetzt werden.
Überständige Samenstände entfernen
Als Überlebenskünstler mit seiner tiefen Pfahlwurzel ist auf den ausgetrockneten Flächen die Blacke gut sichtbar. Die ausgebildeten Samenstände sollten vor dem Absamen unbedingt vorsichtig entfernt und fachgerecht entsorgt werden.
Weitere Massnahmen nach einer Trockenperiode
- Geduld haben und nicht sofort übersäen. Zunächst die natürliche Erholung des Bestandes abwarten.
- Nur bei dauerhaften Lücken eine Übersaat durchführen (mehr als 15 % offene Bodenfläche). Ziel ist es, erwünschte Futterpflanzen gegenüber Löwenzahn, Hirtentäschel, Gemeinem Rispengras, Blacken oder Disteln zu fördern. Vor der Übersaat sollte die Narbe intensiv gestriegelt werden.
- Besonders geschädigte Bestände gezielt sanieren.
- Die Wahl der Übersaattechnik ist überlegenswert. Es lohnt sich, eine Einsaat mit einer Direktsämaschine mit optimaler Rückverfestigung durchzuführen, anstatt einfach nur die Säwalze zu verwenden. Das Schlüsselwort lautet «Bodenschluss». So kann die geringe Bodenfeuchte optimal genutzt werden.
Mittel- bis langfristige Strategien
Die Anpassung an Trockenperioden gewinnt durch den Klimawandel zusätzlich an Bedeutung. Bereits heute beginnt die Vegetationsentwicklung früher als noch vor wenigen Jahrzehnten. Das Rispenschieben des Knaulgrases erfolgt im Tal rund vier bis sechs Tage früher als vor 20 Jahren, und der Schnittbeginn hat sich um etwa zwei Wochen nach vorne verschoben. Gleichzeitig könnten höhere Lagen künftig von längeren Vegetationsperioden profitieren. Diese Veränderungen erfordern eine standortangepasste Weiterentwicklung der Bewirtschaftung.
- Weidesystem anpassen (Umtriebsweiden sind Trockenperioden meist besser angepasst als Kurzrasenweiden).
- Trockentolerante Mischungen auf einem Teil der Flächen einsetzen (Faustregel ein Viertel der angesäten Wiesen).
- Zwischenfutterkulturen nutzen (Hafer-Wicken-Erbsen, Alexandriner-Perserklee und Raigras, Sandhafer und Alexandrinerklee, Sorghum und Moah mit Leguminosen (anspruchsvolle Konservierung, unterschiedliche Futterqualität)
- Untersaaten in Getreide
- Fruchtfolge anpassen oder so gestalten, dass Untersaaten oder Zwischenkulturen bei Bedarf gut eingeplant werden können
- Futterreserven aufbauen.
- Tierbestand an das Futterpotenzial des Betriebs anpassen.
Futterreserven als zentrale Strategie
Die AGFF empfiehlt Futterreserven von mindestens 2 Tonnen Trockenmasse pro Hektare beziehungsweise 1 Tonne Trockenmasse pro Grossvieheinheit.
In ertragreichen Jahren sollten Überschüsse möglichst eingelagert und nicht verkauft werden. Aus futterbaulicher Sicht überschreitet eine Wiederkäuerherde ihre Leistungsgrenze dann, wenn regelmässig grosse Mengen betriebsfremdes Futter zugekauft werden müssen.
Fazit
Die aktuelle Trockenperiode verdeutlicht die Herausforderungen, auf die sich die Landwirtschaft künftig vermehrt einstellen muss. Extreme Wetterereignisse werden häufiger auftreten, gleichzeitig bleibt die Schwankung zwischen den Jahren gross. Die niederschlagsreichen Jahre 2024 und 2025 haben gezeigt, dass gute Futterbaujahre trotz des Klimawandels weiterhin möglich sind. Diese zunehmende Variabilität muss deshalb bei der Wahl von Samenmischungen für Über- und Neuansaaten von Kunstwiesen berücksichtigt werden. Ebenso wichtig sind eine angepasste Nutzung der Bestände, der Verzicht auf Stickstoffdüngung während Trockenphasen sowie langfristige Strategien wie artenreiche Wiesenbestände und ein standortangepasster Tierbesatz. Die wirksamste Vorsorgemassnahme bleibt jedoch der Aufbau ausreichender Futterreserven, um wetterbedingte Ertragsschwankungen abfedern zu können.
Beat Reidy und Julie Klötzli AGFF/HAFL, Daniel Böhler, FiBL
Weiterführende Informationen
Agripedia: Massnahmen-Katalog bei Trockenheit (agripedia.ch)
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Weitere betroffene Kulturen:
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