Daniel Böhler betrachtet die gestressten Blätter seiner Kürbisse, sie sind trotz Bewässerung eingerollt. Foto: Adrian Krebs, FiBL
Der Treffpunkt war einfach zu finden: «Parkiere einfach dort, wo der Tankwagen am Strassenrand steht», sagte Daniel Böhler am Telefon. Dieser Tank, der einst dem Milchtransport diente, ist im Moment zentral für Böhler. Je nach Wasserbedarf der Kürbisse füllt er die 10 Kubikmeter Volumen täglich oder alle zwei Tage zweimal mit Wasser vom Hydranten. Dann fährt er an den Feldrand und startet die kleine Pumpe. Diese versorgt die Hauptleitung mit Wasser und die abzweigenden dünnerenTropfschläuche sorgen für die Feinverteilung. Sie dienen der Tröpfchenbewässerung im Kürbisfeld.
Gute Zusammenarbeit mit der Abnehmerin
Seit 10 Jahren produziert Böhler Kürbisse für Imhofbio im zürcherischen Schwerzenbach. Die Zusammenarbeit beschreibt er als sehr kollegial und unkompliziert, ohne Vertrag aber basierend auf mündlichen Abmachungen. «Gemeinsam mit der Firma Imhof versuchen wir neu auch assoziatives Wirtschaften umzusetzen», so Böhler. In diesem System werden alle Partner*innen entlang der Wertschöpfungskette gleichberechtigt entschädigt.
Weil Daniel Böhler vor fünf Jahren mit der Legehennen-Haltung aufgehört und die Anzahl Weiderinder auf dem Betrieb reduziert hat, kauft er auch ausserbetrieblichen Dünger zu. «Wir arbeiten mit Steinmehl, Biochampignonkompost und organischem Handelsdünger», sagt Böhler. Seit diesem Jahr verwendet er zudem ein Abgangsprodukt aus der Lebensmittelherstellung von Eiweisserbsen, damit die Stickstoffversorgung gewährleistet ist.
Wasser war schon immer ein Thema
Das Wasser ist laut Böhler beim Kürbisanbau schon immer ein Thema gewesen, weil die Gegend am Rhein zwischen Bad Zurzach und Fisibach ohnehin eine eher trockene ist. Der Landwirt, der auch als FiBL-Berater tätig ist, baut zwei Sorten Speisekürbisse an, Butternut und Hokkaido, also eher kleinere Modelle. Jedes Jahr gelte es von neuem zu entscheiden, ob und wann die Investition für die Tröpfchenbewässerung nötig und lohnenswert ist.
2024 war Bewässerung nicht nötig, da es regelmässige Niederschläge gab. «Dafür hatten uns die Schnecken herausgefordert», erinnert sich Böhler, «2025 haben wir die Bewässerung eingerichtet, insbesondere bei den gesetzten Kürbissen war es nötig, bei den gesäten Kürbissen wäre es wohl ohne gegangen mit einer leicht geringeren Erntemenge». Im laufenden Jahr sei dann von Anfang an klar gewesen, dass die Schläuche ausgelegt werden müssen. «Wir mussten bereits nach der Saat mit Druckfass bewässern, immer drei Reihen auf einmal, dies war dank GPS möglich», sagt Daniel Böhler.
6,6 Kilometer Tropfschläuche pro Hektare
Anschliessend folgte die Verlegung der Tröpfchenbewässerung. «Wir müssen pro Hektare ca. 6,6 km Tropfschläuche auslegen», berichtet er. Die Kosten für die Tropfschläuche belaufen sich auf rund 1100 Franken pro Jahr. Böhler empfiehlt eine rechtzeitige Bestellung im Vorjahr. Die Versorgungsschläuche am Rand der Parzelle können wiederverwendet werden. Die dünneren Tropfschläuche in der Reihe hingegen überstehen nur eine Saison, da sie stark einwachsen. Das Recycling ist aber organisiert.
Abgesehen von diesen Wermutstropfen – etwas höhere Kosten und Einmal-Gebrauch der Schläuche – hat das Tropfsystem laut Böhler gegenüber klassischer Beregnung fast nur Vorteile. Da ist in erster Linie der sehr sparsame Umgang mit den Wasserressourcen. Böhler schätzt, dass mit Tröpfchenbewässerung gegenüber klassischer Beregnung Einsparungen von 30 bis 50 Prozent möglich sind. Da die Bewässerung in Bodennähe unter den Blättern der Kürbisse erfolgt, ist die Effizienz dank tiefer Verdunstungsrate sehr gut.
Reduzierter Verbrauch wird am Markt nicht abgegolten
«Der reduzierte Verbrauch wird am Markt leider nicht abgegolten, aber ich habe aufgrund des moderaten Verbrauchs kein schlechtes Gewissen, Wasser von der öffentlichen Wasserversorgung zu beziehen», sagt Böhler, «wir bezahlen den gleichen Betrag wie jeder Haushalt für das Trinkwasser». Durch die Aufgabe der Legehennen-Haltung und die Alpung der Weiderinder sei der Wasserverbrauch in der Tierhaltung zudem geringer, «dafür setzen wir in trockenen Jahren das Wasser bei den Kürbissen ein».
Weitere Vorteile sind, dass mit der Tröpfchenbewässerung die Blätter gesünder bleiben, weil sie nicht nass werden, dass die Beikräuter nur punktuell, aber nicht grossflächig wachsen, dass es keine Erosion gibt und auch eine Verschlämmung des Bodens ist nicht zu befürchten ist.
Zwei Güllelöcher werden neu Wasserbehälter
Natürlich sei er auch schon angesprochen worden auf den Wasserverbrauch durch Bewässerung, sagt Daniel Böhler, «das finde ich voll verständlich, aber letztlich stellt sich die Frage, ob wir bewässern, oder die Kultur verdorren lassen, und wo wir eigentlich unsere Nahrungsmittel produzieren wollen».
Böhler will nun versuchen, die Abhängigkeit vom Trinkwasser zu reduzieren, indem er zwei nicht mehr benötigte Güllenlöcher als Auffangbecken für Regenwasser vom Dach umnutzt, das sind immerhin 180 Kubikmeter. Dass die Güllelöcher frei werden, hat auch damit zu tun, dass Böhler auf seinem Betrieb die Tierhaltung reduziert hat, um die Produktion vom Acker primär für menschlichen Konsum zu nutzen.
Mit Homöopathie gegen Hitzeschäden
Am Wasser für die Kürbisse mangelt es zwar nicht, trotzdem sind diese noch nicht über den Berg. Die ganztägige intensive Sonneneinstrahlung über Wochen setzt dem Blattwerk sichtlich zu. «Es ist unsicher, ob wir die Kürbisse unter diesen Bedingungen bis zur Ernte durchbringen», sagte Böhler anlässlich unseres Besuchs Ende Juli.
Der Demeter-Landwirt setzt im Moment via Tröpfchenbewässerung auch homöopathische Mittel ein: «Aktuell verwenden wir China officinalis C30 und wenn sie Sonnenbrand kriegen auf den Blättern Belladonna C200». Er hoffe nun, dass das Blattwerk der Kürbisse keinen Sonnenbrand kriegt und die Blätter die Früchte möglichst lange beschatten, damit es sie nicht «verjagt», sagte uns Böhler kurz vor dem Abschied.
«Bis jetzt leben sie noch»
Gestern Montag haben wir ihn nochmal gefragt, wie die Situation aussehe. «Bis jetzt leben sie noch», sagt Daniel Böhler, «aber trotz Bewässerung sind die Kürbisse am Leiden». Die Temperaturen über 30 Grad seien eine grosse Herausforderung. Dazu schickt er ein Bild, auf denen die Blätter trotz unveränderter Bewässerung stark hängen lassen.
Während der Nacht erholt sich das Blattwerk im Moment wieder. Die Ernte auf seiner zweiten Fläche beim Betriebsgebäude werde voraussichtlich in zwei Wochen beginnen. Für die Butternuts im Tal brauche es sicher noch weitere vier Wochen bis zur Reife. Für Daniel Böhler ist es so etwas wie ein Endspurt.
Adrian Krebs, FiBL
Weiterführende Informationen
Website des Betriebs (bioboehler.ch)
Betriebsspiegel Familie Böhler, Mellikon AG
25 Hektaren, Voralpine Hügelzone, Demeterbetrieb
Tiere: Weidemast mit 25-30 Zweinutzungs-Tieren von zwei Partnerbetrieben, die Milch produzieren, die Tiere gehen mit einem Alter von 900 bis 1000 Tagen an Hans&Wurst, Rheinau ZH.
Ackerbau: Getreide (Waldstaudenroggen, Hafer, Dinkel, Weizen), Kleegras, Spezialkultur Speisekürbis, 25-30 Prozent ökologische Ausgleichsflächen.
Arbeitskräfte: Vater, Sohn und Tochter bei Arbeitsspitzen und bei der Kürbisernte zusätzliche Erntehelfer*innen.
