Daniel Böhler führt in Mellikon im Schweizer Kanton Aargau einen biologisch-dynamischen Landwirtschaftsbetrieb. Auf 25 Hektaren hält er Zweinutzungsrassen-Rinder zur Weidemast und Aufzucht und betreibt Ackerbau. Neben seiner Tätigkeit als Landwirt arbeitet Daniel Böhler am FiBL als Praxisberater in der Gruppe Anbautechnik Ackerbau, mit einem Fokus auf Bodenbearbeitung, Untersaaten und graslandbasierte Rindfleischproduktion.
Wie tangiert der Klimawandel deine Arbeit auf dem Betrieb?
Grundsätzlich richte ich mich immer nach den Gegebenheiten. In diesem Sinne betreffen der Klimawandel und die Witterung jeden Betriebszweig. Bei den Kürbissen installieren wir bei Bedarf seit 2023 eine Tröpfchenbewässerung. Dank Untersaaten im Getreide können wir im Sommer grösstenteils auf Bodenbearbeitung verzichten und diese in den Herbst verlegen. Aufgrund der Hitze haben sich in diesem Jahr viele Untersaaten nicht wie gewünscht entwickelt, weshalb wir im Sommer trotzdem den Boden bearbeiten müssen.
Auch bei der Rindviehhaltung spielt der Klimawandel eine Rolle. Ein Teil unserer Tiere geht im Sommer auf die Alp, das entlastet uns. Abgesehen von kurzen Phasen im Frühling weiden unsere Rinder ausschliesslich in der Nacht. Wir haben stets einen Futtervorrat für circa zwei Monate, um bei Trockenheit von diesen Reserven zu zehren. Aber in diesem Sommer wird dies nicht ausreichen. Ich hoffe, dass wir im Herbst nochmals Zwischenfutter ernten können. Für den Fall, dass die Trockenheit jedoch anhalten sollte, haben wir vorsorglich Raufutterpellets bestellt, um die Wintervorräte zu ergänzen.
Gibt es viele Dinge, die du neu angefangen hast, weil sich das Klima verändert hat?
Als Ersatz für Silomais haben wir uns vor zehn Jahren unter anderem für Speisekürbisse entschieden, da sie eine wärmeliebende Kultur sind. Aufgrund der Bedingungen in diesem Jahr erhöhen wir zudem den Anteil Luzerne in den Futterbaumischungen nochmals. Bei der aktuellen Diskussion über Hitze und Trockenheit darf aber nicht vergessen gehen, dass kürzlich ein äusserst nasses Jahr vorkam. Der Klimawandel bedeutet für mich nicht nur Trockenheit, sondern auch niederschlagsreiche Perioden. Die Herausforderung besteht darin, diese Extreme, egal in welche Richtung, abzufedern und betriebliche Lösungen zu finden. Für mich gehört eine gewisse Diversifikation auf dem Betrieb zu einer nachhaltigen und klimatoleranten Lebensmittelproduktion.
Du gehst oft auf andere Betriebe. Sind diese deiner Einschätzung nach gewappnet für den Klimawandel?
Das ist schwierig zu sagen. Bei der Frage, wie wir mit solchen Wetterextremen umgehen wollen, sind alle gefordert: die Bäuerinnen und Bauern, die Forschung, die Beratung und schliesslich die gesamte Gesellschaft – auch um faire Preise zu gewährleisten. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir jedes Jahr gleich viel ernten können – wenn der Regen fehlt, geht das einfach nicht. Die Bewässerung, sofern überhaupt möglich, ergibt nur bei Kulturen mit einer hohen Wertschöpfung Sinn. Es braucht das Verständnis vom Markt, bei den Einkaufsbedingungen den Spielraum zu erhöhen. Und bei Kulturen mit Lager- oder Verarbeitungsmöglichkeit gilt es, Lösungen anzubieten, um Schwankungen abzumildern.
Die Tierhaltung ist für dich ein wichtiges Element in den Kreisläufen. Kannst du dir auch vorstellen, ohne Tiere zu produzieren?
Nein, für mich gehören Wiederkäuer, und insbesondere Rinder, dazu. Auf den ackerbaulich nutzbaren Flächen bauen wir Kulturen an, die direkt zur menschlichen Ernährung beitragen. Aber Kleegras, das soll und muss Platz haben. Es ist wichtig für die Bodenfruchtbarkeit und kann über das Raufutter der Tiere für die menschliche Ernährung veredelt werden.
Hast du das Gefühl, die Rindviehhaltung kommt jetzt schon an ein Limit?
Tierhaltung wird nach wie vor eine Zukunft haben. Das Gras, welches von Natur- und Kunstwiesen her anfällt, sollte in tierisches Protein umgewandelt werden können. Speziell das Rind ist und bleibt Teil der Bodenfruchtbarkeit. Bei anderen Tierarten wie Schweinen und Geflügel, die direkt mit der menschlichen Ernährung konkurrenzieren, muss man sich Gedanken machen, welchen Anteil wir uns leisten wollen. Es braucht in der Zucht robuste Tiere, sei es für die Milch- oder die Fleischproduktion, die mit extremeren klimatischen Bedingungen umgehen können. In der Haltung sind auch Massnahmen notwendig, etwa bei Stallbauten.
Damit wir uns bei den Tieren und Pflanzen anpassen können, sind Forschung und Beratung gefordert. Das ist auch unsere Aufgabe am FiBL und an allen anderen Instituten, die sich mit solchen Fragen beschäftigen. Sich beschweren bringt nichts. Wir müssen nach vorne schauen und Lösungen entwickeln. Aber die Tierhaltung und insbesondere die graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion in der Schweiz einfach aufgeben, kommt für mich nicht in Frage. Wo Potenzial ist, müssen wir es nutzen. Und dort, wo die Tierhaltung kritisch ist, muss man sie hinterfragen. Aber um diese Entscheidungen für die zukünftige Lebensmittelproduktion sauber zu treffen, braucht es wissenschaftlich fundierte Grundlagen.
Interview: Ursina Wolleb, FiBL
Weiterführende Informationen
Stimmen zum Klima (FiBL.org)
