Shamonda-Virus (Orthobunyavirus)
Im Sommer 2026 erkrankten zahlreiche Rinder durch die Infektion mit einem neuen Virus. Die Tiere erholten sich meist gut. Ein grosses Risiko bleibt jedoch die mögliche Übertragung auf den ungeborenen Fötus.
Das neue Virus gehört zu den sogenannten Orthobunyaviren und trägt mittlerweile den Namen Shamonda-Virus (SHAV). Es erreichte 2026 erstmals Europa. Entdeckt wurde es bereits in den 1960er Jahren in Nigeria (Westafrika). Das Shamonda-Virus wird von Gnitzen übertragen (wie das Schmallenberg- und das Blauzungenvirus). Für den Menschen ist es nicht gefährlich.
Symptome einer Infektion mit dem Shamonda-Virus
Bei Kühen wurden folgende Symptome beobachtet:
- Fieber (über 40°C während 1 bis 2 Tagen),
- Durchfall,
- Fressunlust,
- starker Rückgang der Milchleistung.
Nach zwei bis drei Wochen erholten sich die Tiere in der Regel wieder.
Auch bei einigen Pferden wurde das Virus nachgewiesen. Bei den betroffenen Tieren wurden Störungen des Nervensystems beobachtet, wie Gang- und Gleichgewichtsstörungen. Diese Symptome können auch auf andere Erkrankungen hinweisen, darum immer mit der Tierärztin/dem Tierarzt Kontakt aufnehmen.
Mutter kann Virus auf den Fötus übertragen
Schwere Folgen kann die Infektion während einer Trächtigkeit haben: Wenn sich ein trächtiges Tier erstmals mit dem Shamonda-Virus infiziert und erkrankt, kann das Virus auch auf den Fötus übertragen werden. Mögliche Folgen sind Aborte/Frühgeburten oder Missbildungen.
Die Virusübertragung auf den Fötus verläuft vermutlich ähnlich wie beim Schmallenberg-Virus, mit dem das Shamonda-Virus nah verwandt ist. Beim Schmallenberg-Virus, das seit 2012 in der Schweiz vorkommt, gibt es eine besonders gefährdete Phase der Trächtigkeit. Wenn sich das trächtige Tier in dieser Zeit erstmalig infiziert, ist das Risiko für einen Abort oder Missbildungen beim Fötus besonders hoch:
- Beim Rind circa während der 8. bis 14. Trächtigkeitswoche,
- beim Schaf circa während der 4. bis 8. Trächtigkeitswoche.
Es ist jedoch kaum möglich, alle Trächtigkeiten so zu legen, dass sich diese riskante Phase nicht mit der Flugzeit der Gnitzen überschneidet. In der Schweiz fliegen die Gnitzen meist von März bis November. Auch Insektizide schützen nicht vollständig vor einer Infektion durch Stechinsekten. Die für Knospe-Betriebe erlaubten Mittel finden sich auf der FiBL-Betriebsmittelliste.
Nicht alle Untersuchungen sind kostenlos
Während der Infektionswelle im Sommer wurden Blutproben von erwachsenen Tieren kostenlos am Institut für Virologie und Immunologie (IVI) auf das Shamonda-Virus getestet. Das ist ab Oktober 2026 nicht mehr möglich, der Test für ausgewachsene Tiere wird neu kostenpflichtig (100 Franken).
Kotenlos bleibt der Shamonda-Virus-Test bei Abort-Proben oder Blutproben von Jungtieren, die mit Missbildungen geboren werden. Der Tierarzt/die Tierärztin sendet diese Proben ans IVI, die Kosten trägt das BLV (Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen).
Meldung von Aborten ist Pflicht
Fehlgeburten können auch auf andere Erkrankungen oder Tierseuchen hinweisen. Tierhaltende müssen darum alle Aborte bei Klauentieren (Rinder, Büffel, Ziegen, Schafe, Schweine) der Tierärztin/dem Tierarzt melden. Dieser kümmert sich um die Einsendung von Proben, sobald Aborte gehäuft auf einem Betrieb vorkommen (spätestens ab dem zweiten Abort innerhalb von 4 Monaten).
Die Überwachung von Aborten ist eine Massnahme von Bund und Kantonen, um Tierseuchen früh zu erkennen. Die Untersuchungskosten übernimmt der kantonalen Veterinärdienst.
Immunschutz durch Antikörper
Nach einer überstandenen Infektion bildet das Immunsystem Antikörper gegen das Virus. Hat ein Rind ausreichend Antikörper, wird es bei einem erneuten Kontakt mit dem Virus daher mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht wieder erkranken. Im Falle einer Trächtigkeit ist dann auch der Fötus in der Regel geschützt. Dies gilt jedoch nur, wenn sich das Virus nicht zwischenzeitlich verändert hat.
Jungtiere, die noch keinen Kontakt mit dem Virus hatten, sind für die Krankheit empfänglich. Über das Kolostrum gibt die Mutter zwar ihre Antikörper an das Kalb weiter, doch diese passive Immunisierung hält nur etwa vier bis acht Wochen an. Danach muss das Jungtier sein Immunsystem aktiv selbst aufbauen – durch den Kontakt mit Krankheitserregern oder auch durch Impfungen. Gegen das Shamonda-Virus gibt es bisher keinen Impfstoff.
Verena Bühl, Bioaktuell Magazin
Weiterführende Informationen
Infoseite zum Shamonda-Virus in der Schweiz (Institut für Virologie und Immunologie, IVI)
Steckbrief Shamonda-Virus (Friedrich-Löffler-Institut, Deutschland; Stand 3.9.2026)
Überwachung von Aborten (BLV)
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 29.09.2026
