Diese Website unterstützt Internet Explorer 11 nicht mehr. Bitte nutzen Sie zur besseren Ansicht und Bedienbarkeit einen aktuelleren Browser wie z.B. Firefox, Chrome
FiBL
Bio Suisse
Logo
Die Plattform der Schweizer Biobäuerinnen und Biobauern

Verluste bis zu 100%: Trockenheit und Rüssler setzen Zuckerrüben zu

Meldung  | 

Ob den Diskussionen um den Futtermangel im Dürresommer geht zuweilen vergessen, dass auch die Ackerkulturen stark betroffen sind vom Wassermangel. Bei Kartoffeln und Zuckerrüben wird mit markanten Ernterückgängen gerechnet, bei den Biorüben gibt es auch Totalausfälle. Die Lage ist regional sehr unterschiedlich.

Zuckerrüben mit Wassermangel, aufgenommen Mitte August im Kanton Solothurn. In der Westschweiz sehen die Rüben grossmehrheitlich noch deutlich schlechter aus. Foto: Thomas Alföldi, FiBL

Ein Westschweizer Produzent präsentiert Schäden der Larve des Rübenrüsslers. Das Insekt verursacht Fäulnis, die durch Bewässerung noch verstärkt werden kann. Foto: Screenshot Léman Bleu TV

«Die anhaltende Trockenheit und die aussergewöhnlich hohen Temperaturen setzen den Schweizer Zuckerrübenbeständen signifikant zu. Nach heutigem Stand ist leider davon auszugehen, dass mehrere hundert Hektaren Rübenfelder nicht mehr zu Zucker verarbeitet werden können», heisst es in einer gemeinsamen Mitteilung des Verbands der Zuckerrübenpflanzer, der Fachstelle für Zuckerrübenbau und der Schweizer Zucker AG. 

Keine Biobekämpfung gegen Rübenrüssler

Gemäss einem Beitrag von SRF rechnet man bei den Zuckerrüben mit Ausfällen von mindestens 10 Prozent, bei Kartoffeln muss gar mit Ausfällen von 30 bis 40 Prozent gerechnet werden. Laut der Mitteilung der Zuckerbranche zeigen die ersten Proberodungen, dass neben der Trockenheit insbesondere der Rübenrüssler (Lixus juncii) regional zu deutlichen Schäden führt. Besonders betroffen ist das westliche Anbaugebiet. 

«Während gegen die anhaltende Trockenheit nur wenige wirksame Massnahmen zur Verfügung stehen, hat sich die Notfallzulassung zur Bekämpfung des Rübenrüsslers als wirksam erwiesen», heisst es in der Mitteilung. Diese Notfallzulassung gilt allerdings nur im konventionellen Anbau. «Wie üblich bei Insekten gibt es hier keine biologischen Bekämpfungsmethoden oder zugelassene biologische Produkte», sagt Raphaël Charles, Leiter des Departements Westschweiz des FiBL.

Kunstwiese statt risikobeladene Zuckerrüben ernten 

Gemäss Charles hat der Rüssler tückische Eigenschaften, die in einem heissen und trockenen Jahr besonders negative Auswirkungen haben. Nur bei hohen Temperaturen und starkem Wassermangel verlagert er seine Aktivitäten vom Blattwerk, das er gerne intensiv punktiert, in die Rübe. Dort kann die Larve Fäulnis verursachen. Diese Entwicklung wird durch Bewässerung oder nachfolgenden regelmässige Niederschläge begünstigt. Besonders betroffen ist die Westschweiz, wo der Rübenrüssler schon deutlich weiter verbreitet ist, als in zentralen und östlichen Lagen.

Christian Streit aus Aubonne am Lac Léman musste seine gesamten sieben Hektaren Rüben schon sechs Wochen vor der Ernte aufgeben. Das Risiko, die Biorüben für viel Geld nach Frauenfeld transportieren zu lassen, um schlussendlich deren Ablehnung in Kauf nehmen zu müssen, sei ihm zu gross. Auf den Rübenfeldern hat er unterdessen Kunstwiese angesät, um Futter für die Mutterkuh-Herde zu produzieren, die demnächst von der Alp zurückkehrt. Für ihn hat der Ausfall massive finanzielle Folgen. Die Gesamtkosten pro Hektare beziffert er auf rund 10 000 Franken, wobei alleine die Pflanzung der Rüben mit 5000 Franken zu Buche schlägt.

140 000-Franken-Loch und Aufgabe des Rübenanbaus 

Er müsse nun nicht nur 70 000 Franken Anbaukosten abbuchen, sondern auch auf den ebenso hoch veranschlagten Erlös für die abgelieferten Zuckerrüben verzichten, sagt Streit. Insgesamt entstehe ihm in der Buchhaltung eine Differenz von 140 000 Franken. 

Ein solches Risiko könne er künftig nicht mehr tragen, deshalb werde er nächstes Jahr keine Rüben mehr pflanzen, sagt der Bioackerbauer. Raphaël Charles ist nicht überrascht. «Die Frage ist, ob die Pflanzung angesichts des Risikos von Trockenheit und des Rüsslerdrucks für die meisten Produzent*innen künftig noch in Frage kommt», so der FiBL-Forscher.  Zudem sei davon auszugehen, dass viele auch nicht mehr zur Saattechnik zurückkehren werden. 

«Wir empfehlen Körnerleguminosen zu Futterzwecken»

Wir haben bei Bio Suisse nachgefragt, was mögliche Alternativen zum Anbau von Zuckerrüben wären. Darauf gebe es keine allgemein gültige Antwort, sagt Camille Sammali, Co-Zuständige für Ackerkulturen bei Bio Suisse. Jeder Betrieb habe andere Grundvoraussetzungen. «Aber grundsätzlich empfehlen wir den Anbau von Körnerleguminosen zu Futterzwecken», sagt Sammali.

Stets gesucht seien namentlich Futtersoja, Ackerbohnen, Lupinen und Eiweisserbsen.  Auch Brotgetreide habe unter den diesjährigen trockenen Bedingungen durchschnittliche bis gute Erträge gebracht, wobei die Resultate nicht ganz das Niveau des Topjahres 2025 erreichten. Für Umstellbetriebe sei Mahlweizen (Vertragspflicht sowie zusätzliche Anforderungen bezüglich Sorten, Saatgut und Übernahmebedingungen) oder Futterweizen eine Möglichkeit, so Sammali.

«Die letzten zwei Wochen haben wehgetan»

Deutlich besser als in der Romandie, ist die Lage in der Ostschweiz. Daniel Vetterli, der mit seiner Familie einen Betrieb im thurgauischen Rheinklingen bewirtschaftet, geht davon aus, dass er die Rüben mit einem kostendeckenden Ertrag über die Runden bringt. Einbussen gebe es aber auch hier: «Die letzten zwei Wochen haben richtig wehgetan», sagt er. Insgesamt können man aber nicht zu stark jammern. Statt 75Tonnen pro Hektare wie in üblichen Jahren rechne man heuer maximal mit 60 Tonnen. 

Damit liegt er deutlich über den Erwartungen in der Westschweiz: «Ich rechne mit Erträgen zwischen 0 und in den besten Fällen 40 Tonnen», sagt Raphaël Charles. 

Anbauverträge nach Möglichkeit einhalten 

Die Zuckerbranche gibt unterdessen Anweisungen, wie mit den serbelnden Rüben umzugehen sei. Grundsätzlich müssten die bestehenden Lieferverträge eingehalten werden, heisst es in der Mitteilung. «Gleichzeitig zeigt die Branche Verständnis, dass dies unter den aktuellen Bedingungen nicht in allen Fällen möglich sein wird und einzelne Parzellen aufgrund von zu grossen Schäden nicht mehr geerntet werden können». Dieses Verständnis teilt man auch in mehreren Kantonen, so etwa Waadt und Genf. Die Einzelkulturbeiträge und die Produktionssystembeiträge werden dort auch für nicht geerntete Parzellen ausbezahlt. 

Die Verarbeitbarkeit der Rüben könne nur durch Aufschneiden festgestellt werden, so die Mitteilung der Zuckerbranche. Als obere Grenze gelte ein Nassfäule-Anteil von 15 Prozent. «Dazu sollen 100 Rüben pro Feld längs halbiert und auf Fäule im Kopfbereich untersucht werden». Parzellen, welche mehr als 15 Prozent faule Rüben aufweisen, können von der Schweizer Zucker AG zurückgewiesen werden», schreibt die Branche. Und wichtig: «Die durch eine Rückweisung entstehenden Unkosten werden den Pflanzern zugewiesen». 

Unterstützung bei Einschätzung und Meldung von Schäden 

Ein frühzeitiger Abbruch des Anbaus müsse zwingend per E-Mail der Schweizer Zucker AG gemeldet werden, damit die Planung für die Kampagne angepasst werden könne (rueben@zucker.ch). Bei Unsicherheiten stehe der Aussendienst der Schweizer Zucker AG zur Verfügung. «Eine Ablieferung der Rüben zur Zuckergewinnung und die anschliessende Verfütterung der Rübenschnitzel ist in jedem Fall einer direkten Verfütterung der Rüben vorzuziehen und für alle Beteiligten ökonomisch interessanter», so die Branche weiter.

Adrian Krebs, FiBL

Weiterführende Informationen

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

Möchten Sie die Website zum Home-Bildschirm hinzufügen?
tippen und dann zum Befehl zum Home-Bildschirm hinzufügen nach unten scrollen.