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Betriebe im Aargau geben Impulse für Agroforst-Neulinge

Meldung  | 

Der Förderpreis Agroforst Aargau bot vier Betrieben Starthilfe beim Aufbau ihrer neuen Agroforstsysteme. Die Aufbauphase dauerte von 2023 bis 2026. Wie geht es den Systemen jetzt, insbesondere nach diesem trockenen Sommer? Und was können interessierte Betriebe von ihnen lernen? Das ist der aktuelle Stand mit einer ausgewählten Sammlung ihrer spannendsten Praxistipps.

Viele Jungbäume sind erstaunlich gut und mit grünem Laub durch diesen Sommer gekommen. Foto: Ziegenhof Elfingen, Karin Wüthrich

Die Weizenernte auf dem Bözberg war gut. Die hangparallelen Erdwälle könnten zu einem besseren Wasserhaushalt beigetragen haben. Foto: Wald und Tier, Jonas Treier

Die Limousin-Rinder auf dem Hof Adlerzart haben sichtlich Freude an den Futterhecken. Foto: Hof Adlerzart, Pirmin Adler

Die Bodenmikroben beeinflussen den Geschmack des Weins und werden ihrerseits durch Gehölze positiv beeinflusst, erklärt Hoss Hauksson. Foto: FiBL, Simona Moosmann

Der Förderpreis Agroforst ist Teil von dem Entwicklungsschwerpunkt Klima des Kantons Aargau. In diesem Dürresommer sind innovative Ideen zur Klimaanpassung wichtiger denn je. Die Agroforstpraktikerinnen und -praktiker berichten wie folgt zu ihren Erfahrungen mit den Gehölzen unter den extremen Wetterbedingungen. 

Erfahrungen mit der Trockenheit 

«Jetzt ist alles braun. Aber den Bäumen und Sträuchern, die wir 2023 gepflanzt haben, geht es erstaunlich gut», erzählt Karin Wüthrich vom Ziegenhof Elfingen. «Wir haben wirklich schwierige Bodenverhältnisse hier, am Südhang mit Lehm. Aber jetzt konnten wir genau sehen, welche Baumarten sich bewähren und welche nicht.» Laut Wüthrich sehen zum Beispiel Feldahorn, Hainbuche und die Dornsträucher immer noch sehr grün aus. Auch Birken und Zitterpappeln haben den Härtetest bestanden. 

Rolf Treier vom Bözberg berichtet über rund 10 Prozent Ausfälle in seinen Baumreihen, die er teils der Trockenheit, teils aber auch den Mäusen zuschreibt. Um zu verhindern, dass das Wasser bei der Bewässerung in den grossen Bodenrissen verschwindet, hat er neuen Mulch verteilt. «Das hat sehr geholfen, die Bäume feucht zu halten und die Risse zu schliessen», lautet Treiers Fazit. 

Pirmin Adler aus Oberrütti betont, wie stark seine Futterlaubhecken im Gegensatz zum Gras auch in der heissen Zeit noch gewachsen sind: «Das Gehölz ist, vor allem bei dieser Trockenheit viel leistungsfähiger als das Grünland. Standortangepasste Arten sind deshalb umso wichtiger.» 

Hoss Hauksson hat einige Bäume in seinen Rebbergen rund um Rüfenach aufgrund der Trockenheit verloren. Für ihn ist besonders die aufwendige Bewässerung im Sommer, also während der Arbeitsspitzen, schwierig zu bewältigen. Trotzdem ist seine Motivation ungebrochen: «Ich will weiter Bäume pflanzen. Denn die Reben brauchen die Unterstützung», ist Hoss Hauksson überzeugt. «Die Weinrebe ist eine Waldrandpflanze, sie wuchs ursprünglich in Kombination mit Gehölzpflanzen». 

Pflanzmaterial entscheidend 

Mareike Jäger, Agroforstspezialistin bei Silvocultura und an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) ordnet diese Erfahrungen ein: «Bei den Jungpflanzen war es dieses Jahr schwierig. Aber es gab auch da Beispiele, die sehr gut durchgekommen sind». Bei Extremwetter komme es umso mehr darauf an, die Pflanzung gut vorzubereiten, rät sie. Zum Beispiel mit der schon von Rolf Treier erwähnten, dicken Mulchschicht. «Hier sollte nicht gespart werden, eine dünne Mulchschicht bringt wenig», betont sie. 

«Wir stellen ausserdem fest – nur beruhend auf Erfahrungswerten – dass wurzelnackte Ware oft besser funktioniert als Topfware», erklärt Jäger weiter. Sie führt das auf ein besseres Verhältnis von Wurzel zu Spross zurück. Daneben rät Mareike Jäger von sehr kleinen Pflanzen ab: «Sehr kleine Pflanzen haben bei solchen Bedingungen oft ein Problem. Sie haben noch sehr wenig Wurzelmasse und wachsen nicht schnell genug, um in tiefere Bodenschichten zu gelangen.» 

Karin Wüthrich kann das bestätigen: «Im Herbst 2025 haben wir Schwarzerlen und andere Laubhölzer gesetzt. Die sind uns in grossen Teilen eingegangen. Es waren Pflanzen mit relativ kleinen Wurzeln. Die haben sehr gelitten.» 

Umgekehrt können die Pflanzen auch zu gross sein. «Gerade bei den Linden und Elsbeeren waren die Bäume, die wir gepflanzt haben, viel zu gross. Hier hatten wir die schlimmsten Ausfälle», teilt Rolf Treier seine Erfahrungen. Das würde er zukünftig anders machen. Mareike Jäger bestätigt: «Sehr grosse Bäume wurden für die Verpflanzung unterschnitten, was das Wurzelvolumen verringert. Das löst auf jeden Fall Stress aus – besonders in diesem Sommer.» 

Einen echten Aha-Effekt hat Jäger bei den Baumarteneigenschaften erlebt: «Nur weil eine Baumart als trockenheitsresistent gilt, heisst das noch lange nicht, dass sie es auch als Jungbaum ist». Ihre Erfahrungen zeigen, dass es viel entscheidender ist, wie schnell sich der Baum etablieren und in tiefere Bodenschichten gelangen kann. 

Geduld ist gefragt 

Neben der Pflanzung bleibt die spannendste Frage jedoch noch offen: Profitieren die Betriebe schon von den Gehölzen? 

Dafür braucht es viel Geduld, erzählt Karin Wüthrich: «Ich würde gern mal an den Pflanzen ziehen, damit sie schneller wachsen». Um die Pflanzen nach dem Trockenstress zu schonen, habe sie die Gehölzstreifen noch nicht zum Füttern geöffnet. «Nächstes Jahr ist es dann so weit», hofft Wüthrich. 

«Einen wirklichen Mengeneffekt durch das Laubfutter hatte ich noch nicht, dafür war es noch zu wenig und die Pflanzen waren noch zu jung», sagt Pirmin Adler. Er setzt sich grosse Ziele: «Für einen grösseren Beitrag zur Futterration braucht es auch viel Gehölzmasse. Ich würde sagen, so 200 bis 300 Sträucher pro GVE». Einen direkten Effekt stellt Adler beim Tierwohl fest: «Ich sehe, dass sich die Tiere in den Parzellen, wo es Gehölze hat, wohler fühlen und dort gerne länger bleiben als auf anderen Flächen.» Seine Nachtweide konnte er aufgrund des zusätzlichen Schattens am Morgen und am Abend ausdehnen. 

Auf dem Bözberg wuchs dieses Jahr Weizen zwischen den Baumstreifen. «Die Weizenernte war gut. Wir haben die richtigen Zeitpunkte fürs Striegeln und Ernten erwischt und sehr viel Kompost ausgebracht», sagt Rolf Treier. Die im Zuge des Agroforstsystems angelegten, hangparallelen Erdwällen bewertete Treier positiv: «Da glaube ich schon, dass die einen Einfluss hatten und dadurch etwas mehr Wasser auf der Fläche geblieben ist». Die Bäume seien vermutlich noch zu klein für einen wesentlichen Effekt.

Wasser nach oben ziehen 

Agroforst und Wasserhaushalt – dieser Zusammenhang ist in diesem Sommer besonders interessant. An der ZHAW untersucht ein Team rund um Mareike Jäger den viel diskutierten «Hydraulic Lift», also die Fähigkeit der Bäume, Wasser aus tieferen in höhere Bodenschichten zu verlagern. Ein erstes Ergebnis: Der Hydraulic Lift reicht über den Wurzelradius hinaus. Zu Beginn der Trockenphase konnten die Bäume so dazu beitragen, Wasser in für Acker- und Grünlandkulturen erreichbaren Bodenschichten zu bringen. 

Dieser Sommer war jedoch so extrem, dass irgendwann auch in tieferen Bodenschichten das Wasser ausging und schlichtweg keine Feuchtigkeit zum Verlagern mehr da war. «Unter diesen extremen Bedingungen kommen auch die Agroforstsysteme an ihre Grenzen», stellt Jäger klar. «Bei derart limitierter Wasserverfügbarkeit gibt es auch mehr Konkurrenz zwischen Baum und Unterkultur.» Hier könnten Optimierungen greifen, zum Beispiel ein konsequenter Wurzelschnitt. 

Neben dem Wasserhaushalt gäbe es ausserdem viele weitere Faktoren zu berücksichtigen. Agroforstsysteme könnten Windschutz, Schatten und Futterergänzung bieten, wie auch die Eindrücke der Praktikerinnen und Praktiker zeigen. «Letztendlich», sagt Jäger, «sind die Systeme in der Schweiz mit 5 bis 10 Jahren noch sehr jung und haben noch nicht ihr volles Potential entfaltet». 

Kein Ende in Sicht

Es ist spannend zu sehen, dass die Begeisterung bei den Betriebsleitenden ungebrochen ist. Alle planen, ihre Gehölzpflanzungen zu erweitern oder haben schon damit angefangen, so wie Karin Wüthrich, Pirmin Adler und Rolf Treier. «Zukünftig will ich die Koppelabgrenzungen auf den extensiven Weiden als Futterhecken gestalten», lautet einer von Treiers Plänen. Auch Hoss Hauksson geht noch weiter: Er denkt über einen kombinierten Anbau von Rebstöcken und Olivenbäumen nach. 

Simona Moosmann, FiBL 

Weiterführende Informationen 

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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