Die digitalisierten Hackgeräte stiessen bei den Besuchenden des BAT auf grosses Interesse. Foto: Adrian Krebs, FiBL
Sie gingen den Herausforderungen für den Bioackerbau anlässlich eines Medienanlasses auf den Grund: Philipp Wyss, CEO von Coop, Urs Brändli, Präsident von Bio Suisse und Jürn Sanders, Geschäftsleitungsvorsitzender des FiBL (v.l.). Foto: Adrian Krebs, FiBL
Referent Christoph Felgentreu sorgte mit seinem Vortrag über gesunden Boden als Basis einer zukunftsfähigen Landwirtschaft zweimal für einen vollen Saal. Foto: Adrian Krebs, FiBL
Die Rinder von OK-Präsident Daniel Vetterli bearbeiten anlässlich des Ackerbautags eine Gründüngung mit Roggen. Foto: Adrian Krebs, FiBL
Seit dem Jahr 2012 werden die Bio-Ackerbautage mit grossem Erfolg durchgeführt. Bei der diesjährigen Ausgabe auf der Domäne Katharinental von Nadine und Urban Dörig haben rund 2000 Personen den Jahreshöhepunkt der Bioackerbaubranche im thurgauischen Diessenhofen besucht. Co-Organisator*innen waren Bio Suisse, das Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL, das Bildungszentrum Arenenberg und Bio Ostschweiz.
Austausch stand im Zentrum
Die Schweizer Bio-Ackerbautage haben zum Ziel, die Techniken von morgen zu präsentieren, den Austausch zwischen den Produzent*innen und den verschiedenen weiteren Akteuren der Branche zu fördern und so zur Ausdehnung der Bioackerbaufläche beizutragen. Besucher*innen konnten sich an beiden Tagen an 16 Themenposten, an zahlreichen Ständen sowie bei Referaten mit dem Fokusthema Bodenfruchtbarkeit auseinandersetzen.
Anbausysteme wie Streifen- und Dammanbau, vielfältige Sorten und Systemansätze für die Pflege der Bodenqualität und für die Unkrautkontrolle wurden praxisnah vorgestellt. Fachpersonen aus Beratung und Forschung standen dabei an den Feldposten zu den jeweiligen Themen Rede und Antwort. Bei den Maschinendemos lag der Fokus auf der digitalisierten Hacktechnik.
Ein Netzwerkanlass als Politforum
Am Freitagabend fand erstmals ein Netzwerkanlass statt, an dem rund 200 Personen aus der Branche und der regionalen Politik teilnahmen. Höhepunkt des Anlasses war das hochkarätige Podium mit Walter Schönholzer (Volkswirtschaftsdirektor des Kantons Thurgau), Philipp Wyss (CEO Coop), Urs Brändli (Präsident Bio Suisse) und Urban Dörig (Betriebsleiter des Gastgeberbetriebs).
Im Zentrum der Diskussion standen die Mehrwerte von Bio und welche Stakeholder entlang der Wertschöpfungskette wie stark in die Verpflichtung genommen werden sollen. Urs Brändli sieht hier auch die Politik in der Verantwortung: «Würde die Thurgauer Regierung in ihren Institutionen wie Schulen, Kitas oder Altersheimen nur schon 20 Prozent Biolebensmittel einsetzen, hätte das einen grossen Impakt auf die lokale Landwirtschaft.»
Kanton sieht kaum Spielraum für Bioförderung
Der angesprochene Regierungsrat Walter Schönholzer sieht hier allerdings kaum Spielraum: Der Kanton habe relativ wenig Möglichkeiten, den Absatz zu beeinflussen. «Meine Überzeugung ist, dass der Markt dies regeln muss», sagte er. Zuallererst brauche es Konsument*innen, die in den Läden konsequent Schweizer (Bio-)Produkte kauften. Die Verantwortung des Kantons sieht er vor allem in der Ausbildung und in der Forschung. Dagegen hält er Vorschriften für Bioquoten in öffentlichen Kantinen nicht für geeignete Mittel zur Erhöhung des Bioanteils.
Urban Dörig hat Absatzschwierigkeiten für gewisse Kulturen wie aktuell Frühkartoffeln und Soja für Speisezwecke (Tofu). «Deshalb werden die Produkte teilweise deklassiert, was dann wiederum dazu führt, dass mir um die Ohren geschlagen wird, dass ich auf meine Äckern zu viel Tierfutter produziere», so der Gastgeber.
Coop will die ganze Fruchtfolge anschauen
Philipp Wyss hingegen sprach von einem «Riesenboom» bei inländischem Tofu, hier habe man soeben in eine weitere Produktionslinie investiert. Beim Biobrot wolle man alle Zutaten aus der Schweiz beziehen. «Wir brauchen etwa 10 000 t Bioweizen», so Wyss. Man wolle nun auch bei Hafer, Sonnenblumenöl, Hirse und weitern Produkten immer mehr umstellen.
Urban Dörig begrüsst die Anstrengungen von Coop, der Ansatz, die ganze Fruchtfolge anzuschauen sei sehr wichtig. Er hoffe einfach, dass dann auch die Preise so sein werden, dass der Aufwand bezahlt ist. Wir werden in einem weiteren Artikel vertieft auf die Coop-Initiative eingehen.
Friedliche Stimmung und hohes Interesse
Anschliessend sorgte am Freitagabend ein kräftiger Wolkenbruch für vorübergehende Abkühlung. Trotz Hitze war der Zuspruch des Publikums auch am Samstag gross. An den 16 Feldposten wurde engagiert diskutiert und die Maschinenvorführungen sorgten für grosses Interesse. Ein Teil der Teilnehmenden profitierten auch von der Möglichkeit, im nahen Rhein, ein kühlendes Bad zu nehmen.
Die Bio-Ackerbautage wurden unterstützt von: Coop Fonds für Nachhaltigkeit (Hauptsponsor), Agrar Landtechnik AG (Co-Sponsor), Alb. Lehmann Bioprodukte AG (Co-Sponsor), Biobäuerinnen und Biobauern sowie weiteren Partnerorganisationen.
Medienmitteilung von Bio Suisse, ergänzt von akr
Weiterführende Informationen
Webseite des BAT (bioackerbautag.ch)
