«Es ist wichtig, dass man weiss, was am Markt läuft»: Nina Bohn am Neuheitenstand an der Biofach. Foto: FiBL, Adrian Krebs
An der Biofach geht es zu und her wie im sprichwörtlichen Bienenstock. Mitten im Messetrubel unterwegs ist auch Nina Bohn, Leiterin Verarbeitung und Handel bei Bio Suisse. Gleich zu Beginn besuchen wir mit ihr die Neuheitenausstellung, wo unter anderem ein Müesli mit reduzierter Süsse vorgestellt wird. Darin enthalten ist auch eine neue Ersatzschokolade namens THIC, die aus Nebenströmen von Bier- und Hafermilchproduktion hergestellt wird. Nina probiert das Produkt – und findet es durchaus gelungen. Frisch gestärkt starten wir unser Interview.
Nina, was machst du genau bei Bio Suisse?
Nina Bohn: Ich leite seit zweieinhalb Jahren den Bereich Verarbeitung und Handel (V&H). Wir sind ein Team von zwölf Personen und befassen uns mit allem rund um die Lizenzierung von Knospe-Produkten. Will eine Lizenznehmerin ein neues Produkt mit der Knospe vermarkten, reicht sie uns die ganzen Unterlagen ein und wir prüfen, ob Rezeptur, Herstellungsprozess und Verpackung unseren Richtlinien entsprechen. Sofern das der Fall ist, geben wir grünes Licht, informieren die Lizenznehmerin und schicken die Freigabe inklusive aller relevanten Unterlagen an die Zertifizierungsstelle zur Zertifizierung.
Was habt ihr sonst noch für Aufgaben?
Wir sind auch zuständig, wenn es Probleme mit Rohstoffverfügbarkeiten gibt sowie für die Weiterentwicklung der Richtlinien von V&H. Wenn beispielsweise Lizenznehmer*innen ein neues Verfahren einsetzen wollen, dann bereitet mein Team das Geschäft für die Markenkommission V&H vor und diese entscheidet dann darüber. Zudem versuchen wir, für die Lizenznehmer*innen administrative Erleichterungen zu erreichen. Wir planen unter anderem ein Portal, über das alles zentral eingereicht werden und darin kommuniziert werden kann. Heute passiert das noch alles über E-Mail und eine alte Software.
Was ist dein beruflicher Hintergrund?
Ich bin Lebensmittel-Ingenieurin und habe zuvor in der Industrie bei Lizenznehmenden gearbeitet. So war ich bei der Milchverarbeiterin Hochdorf in der Produktentwicklung tätig. Später arbeitete ich bei der Fredag, einer Firma, die von Tofu über Fleischersatzprodukten bis zu Burger-Patties und Poulet-Convenience ein sehr breites Sortiment hat. Es hilft mir in meiner Funktion sehr, dass ich auch immer wieder die Lizenznehmenden-Brille aufsetzen kann, und ihre Bedürfnisse, Herausforderungen und Abläufe kenne.
Was gefällt dir an deinem Job am besten?
Bei Bio Suisse ist mein Aufgabengebiet sehr abwechslungsreich und ich kann, mein technologisches Fachwissen aus der Produktentwicklung und mein Wissen über die Bedürfnisse und Herausforderungen der Lizenznehmenden aktiv einbringen. Auf der Geschäftsstelle arbeite ich eng mit Kolleg*innen aus verschiedensten Fachgebieten zusammen. Diese Vielseitigkeit schätze ich sehr. Besonders toll finde ich auch die enge Zusammenarbeit mit der Markenkommission und die gute Diskusssionskultur, die wir in den Sitzungen der Markenkommission haben.
Gibt es manchmal auch Produkte direkt vom Hof, die ihr anschauen müsst?
Wenn du Knospe-Produzent bist, dann musst du deine Produkte nicht lizenzieren. Dass heisst du brauchst für die Vermarktung keine Lizenz von uns, aber musst natürlich auch alle Vorgaben der Richtlinie einhalten. Dies wird bei der Kontrolle überprüft. Als Dienstleistung bieten wir an, Produkte und Etiketten zu prüfen. Für Anliegen und Fragen von Produzent*innen zur Hofverarbeitung haben wir mit Mirjam Grüter auch extra eine Spezialistin im Team. Und je besser wir die Lizenznehmenden betreuen und unterstützen, je mehr sie wissen und je erfolgreicher sie sind, desto stärker profitieren die Produzent*innen als Rohstofflieferant*innen.
Habt ihr auch viel mit dem Detailhandel zu tun?
Wir haben bezüglich spezifischer Themen immer wieder mit dem Detailhandel zu tun, aber hier sind auch die die Abteilungen Märkte sowie Marketing & Kommunikation sehr aktiv. Wir bei V&H sind hauptsächlich mit den produzierenden Lizenznehmenden in Kontakt, welche die verarbeiteten Produkte herstellen aber auch mit Händlern, Importeuren und Hofverarbeitern.
Gibt es Trends, die du Produzent*innen empfehlen könntest?
Das hängt natürlich immer auch ein bisschen vom Portfolio ab, dass sie anbieten. Aber ich habe jetzt hier auf der Biofach das Gefühl, Pilze oder Pilzprodukte sind ein relativ starker Trend. Und zwar nicht nur Champignons, sondern auch «exotischere» Pilze und Produkte daraus. Auch fermentierte Gemüseprodukte habe ich hier viele gesehen. Was hingegen eher rückläufig ist, sind Milch- und Fleischalternativen. Stark präsent sind auch Produkte, bei denen der klassische Rüben- oder Rohzucker durch Datteln oder Süsse aus Früchten ersetzt ist. Vielleicht könnte das für das eine oder andere Produkt von Hofverarbeiter*innen auch interessant sein.
Tiefere Zuckergehalte, ist das ebenfalls ein grosser Trend
Ja, ich würde sagen, dass das weiter ein grosser Trend ist, wobei der Detailhandel mit den Herstellern stark auf die Akzeptanz der Kundschaft schaut. Da wird langsam reduziert, weil sich die Konsument*innen ja auch erst daran gewöhnen müssen. Wer seinen süssen Joghurt gewöhnt ist, kauft vielleicht schon mal die Low Sugar-Alternative. Falls diese ihm dann aber nicht schmeckt, dann bleibt es beim klassischen Produkt.
Gibt es auch neue Verpackungstrends?
Ja, Verpackungsthemen gibt es auch, dass man beispielsweise zurück zum Glas geht oder generell Richtung Mehrweg. Das kann für Hofverarbeitende teilweise auch interessant sein, nicht nur für Milchprodukte, sondern auch beispielsweise für Nussmischungen mit hofeigenen Kräutern im Glas. Durch die Nähe zur Kundschaft sind Mehrwegsysteme hier eventuell auch einfacher umzusetzen als in der Industrie, wo man mit grossen Herausforderungen kämpft, Mehrwegsysteme gut umzusetzen.
Was machst du auf der Biofach?
Hier auf der Biofach gehe ich aktiv auf die Pirsch nach neuen interessanten Produkten. Es ist wichtig, dass man nicht nur wartet, bis die Anfragen kommen, sondern dass man weiss, was läuft am Markt. Wo sind die Herausforderungen, was gibt es für neue Produkte, wo liegen Potentiale für Produkte mit der Knospe? Die Biofach ist mich wie ein Schaufenster, wo du alles betrachten kannst, wo ich zum Beispiel auch schauen kann, was die Herstellerinnen deutscher Verbände an Neuigkeiten im Angebot haben. Und ich treffe mich mit Lizenznehmenden.
Wir haben soeben die «Nicht-Schokolade» degustiert und du hast einen recht zufriedenen Eindruck gemacht, was machst du jetzt mit diesem Testergebnis?
Ich werde die Mitarbeiterin informieren, welche im Team die Schokoladenprodukte betreut und sie bitten anzuschauen, ob sich das Herstellungsverfahren des Produkts mit unseren Richtlinien grundsätzlich vereinbaren lässt. Wahrscheinlich wird das in näherer Zukunft noch kein Knospe-Produkt werden, aber für uns ist es wichtig, dass wir diese neuen Ansätze kennen.
Adrian Krebs, FiBL
Weiterführende Informationen
Verarbeitung und Handel auf der Bio Suisse-Website (knospe.bio-suisse.ch)
Team Verarbeitung und Handel (knospe.bio-suisse.ch)
Informationen über das Schokolade-Ersatzprodukt THIC (barnhouse.de)
Kontakt der Spezialistin für Hofverarbeitung: mirjam.grüter(at)bio-suisse.ch
