«Superfood des Jahres» - diese Auszeichnung hat die Stiftung Biovision, die sich für nachhaltige Ernährungssysteme einsetzt, neu geschaffen. Damit sollen Lebensmittel ins Rampenlicht kommen, bei denen es sinnvoll wäre, sie würden künftig in unserer Ernährung eine grössere Rolle spielen.
Warum die Süsslupine ausgewählt wurde, begründet die Organisation damit, dass sie viele positive Eigenschaften für die menschliche Gesundheit, für die Landwirtschaft und die Biodiversität vereint. Unter anderem
- stärkt sie die Böden und trotzt Frost und Trockenheit
- enthält sie bis zu 40 Prozent Eiweiss und alle essenziellen Aminosäuren
- ist sie reich an Ballaststoffen und enthält kaum Kohlenhydrate
- hält sie Stickstoff im Boden und mobilisiert Phosphor, was gut für das Pflanzenwachstum ist
- blüht sie im Hochsommer und bietet dann pollenreiche Nahrung für Wildbienen und Hummeln
Nicht zu verwechseln sind Süsslupinen mit der Gartenlupine, die mehrjährig und bitter ist, und mit der Vielblättrigen Lupine, die als Zierpflanze eingeführt wurde und inzwischen als invasiver Neophyt gilt. Auf dem Acker angebaute Süsslupinen können sich mit diesen beiden Arten nicht kreuzen und stellen daher keine Gefahr für die heimische Flora dar.
Landwirtschaftlich genutzte Arten
In Europa gibt es drei Lupinenarten, die landwirtschaftlich genutzt werden – in der Schweiz bisher die Weisse und die Schmalblättrige Lupine. Die dritte im Bunde, die Gelbe Lupine, eignet sich mehr für trockene Bedingungen und sandige, saure Böden.
Die breitblättrige, wüchsigere Weisse Lupine ist generell besser für die schwereren Schweizer Böden geeignet als die Schmalblättrige Lupine. Sie ist aber anfälliger auf die Pilzkrankheit Anthraknose, die zu totalem Ertragsausfall führen kann. Deshalb wird zurzeit hauptsächlich die tolerantere Schmalblättrige Lupine in der Schweiz angebaut.
Resistenzzüchtung gegen Anthraknose
Damit auch das Potenzial der Weissen Lupine genutzt werden kann, hat die Gruppe Pflanzenzüchtung am FiBL in Frick 2015 ein komplett biologisches Resistenzzüchtungsprogramm für diese Lupinenart begonnen, seit 2017 in Zusammenarbeit mit der Getreidezüchtung Peter Kunz (gzpk). Ziel dabei ist, Sorten zu entwickeln, die gegen Anthraknose resistent sind, was – wie alle Züchtungsarbeit – ein langwieriger Prozess ist.
Die Züchtung findet on-farm auf zwei Biobetrieben statt. Das FiBL unterstützt die Selektion auf dem Feld durch diagnostische molekularbiologische Methoden, die in Übereinstimmung sind mit den Richtlinien von Bio Suisse. Die Registrierung erster Sorten aus diesem Programm ist bis spätestens 2030 vorgesehen.
Herausforderung Lupinenalkaloide
Aus Deutschland gibt es bereits zwei relativ resistente Sorten, bei denen in den letzten Jahren jedoch zunehmend erhöhte Gehalte der toxischen und bitteren Lupinenalkaloide festgestellt wurden. Dies hat den Anbau der Weissen Lupine zurückgeworfen. Auch mit diesem Aspekt befassen sich das FiBL und die gzpk bei ihrer Züchtungsarbeit. Einige Zuchtlinien, die hinsichtlich des Alkaloidgehalts vielversprechend sind, werden 2026 in einem Feldversuch mit internationalen Partnern auf Anbaueignung geprüft.
Zudem führen das FiBL und die gzpk seit 2015 Sortenversuche mit Lupinen durch, von 2015 bis 2023 wurden zusätzlich verschiedene Mischkulturen getestet.
Webinar zur Lupine für alle Interessierten
Um die positiven Eigenschaften von Lupinen bekannter zu machen, arbeitet das FiBL aktiv mit an der Entwicklung der gesamten Wertschöpfungskette: von Züchtung über Anbau, Verarbeitung und Vermarktung bis hin zur Zubereitung.
Für die interessierte Öffentlichkeit bietet das FiBL am 25. Februar 2026 das Webinar "Samen des Wandels – Den Teller der Zukunft mit Agrobiodiversität und nachhaltigen Lebensmittelsystemen gestalten" an. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist erforderlich (Link siehe Weiterführende Informationen).
Theresa Rebholz, FiBL
Weiterführende Informationen
Webinar «Samen des Wandels» (fibl.org)
Superfood des Jahres (biovision.ch)
Biolupinen (Rubrik Ackerbau)
Podcast «Bohne gut - alles gut» (fibl.org)
