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MeinHofKompass: Nur ein Nachhaltigkeitscheck von vielen oder eine App mit Potenzial?

Meldung  | 

Simon Bircher bewirtschaftet in Malters einen klassischen Luzerner Betrieb in der voralpinen Hügelzone. Auf 20 Hektaren Land hält er 27 Milchkühe und 2000 Legehennen und betreibt vor allem Futterbau. Er hat die vom FiBL und Bio Suisse entwickelte Plattform MeinHofKompass getestet und teilt seinen Eindruck.

Simon Bircher bewirtschaftet mit seiner Frau Jessica 20 Hektaren Land mit 2000 Legehennen...

... und 27 Milchkühen in der voralpinen Hügelzone. Fotos: Simon Bircher

Der Hof der Familie Bircher. Foto: Simon Bircher

Wie hast du von MeinHofKompass gehört?

Mein Vater ist im Vorstand von Bio Suisse (Josef Bircher, Ressort Strategische Projekte & Forschung im Bio Suisse Vorstand, Anm. d. Red.) und hat das Projekt darum von Anfang an mitbekommen. Als ich dann angefragt worden bin, ob ich die Online-App ausprobieren will, habe ich gerne zugesagt.

Was hast du dir von MeinHofKompass erwartet?

Ich habe mir ein Tool erhofft, das zeigen kann, wie ich bei den verschiedenen Eckpfeilern der Nachhaltigkeit abschneide und allenfalls auch, wo sich noch etwas verbessern lässt.

Warum war es für dich interessant, den HofKompass zu testen?

Im Moment gibt es viele neue Tools, also ging es mir darum, den HofKompass einfach mal anzuschauen und auszuprobieren.

Es geht oft um das Gleiche bei diesen Nachhaltigkeitschecks. Manche Sachen sind sicher gut, aber bei gewissen Sachen merkt man auch, dass es für Betriebe, die wegen ihrer Lage schon mehr Spielraum haben, bei den Checks dann auch mehr Möglichkeiten für bessere Resultate gibt.  Für klassische Futterbaubetriebe kommen manche Ansätze gar nicht in Frage oder wären nicht sinnvoll.

Beziehst du dich damit jetzt auf die Auswertung, die du nach dem Ausfüllen des Nachhaltigkeitscheck bekommst?

Ja genau. Mir ist klar, dass man schauen muss, dass so ein Check nicht zu aufwändig wird, aber ich habe das Gefühl, dass unsere betrieblichen Gegebenheiten zu wenig in die Resultate einfliessen. Es ist nicht alles in der Praxis auf unserem Hof so umsetzbar.

Hast du ein konkretes Beispiel, bei dem dir das aufgefallen ist?

Die Biodiversitätsflächen: Beim Biodiversitätscheck von Bio Suisse stehst du mit gleich vielen Prozenten schon besser da in den Resultaten. Mit unseren 11 Prozent Ökoflächen zum Beispiel erreichen wir nur die tiefste Stufe in der Bewertung von MeinHofKompass. Ein Betrieb mit 20 Hektaren kann nun mal nicht 30 Prozent BFF haben, wenn er noch davon leben will. Gerade bei Betrieben, die Kühe halten. Da sind die BFF oft dort, wo es praktischen Sinn macht – an Waldrändern oder an felsigen Stellen, die schwer zugänglich sind für die sonstige Nutzung. Wenn man sich darauf fokussiert, in dem Bereich besser abzuschneiden, bedeutet das zwar vielleicht weniger Arbeit auf dem Betrieb, aber auch weniger landwirtschaftliches Einkommen.

Was hat dich beim Nutzen der Plattform besonders angesprochen?

Ich fand es gut, dass man beim Selbstcheck viele Sachen angeben konnte und positiv dafür bewertet wurde, an die man sonst gar nicht so denkt. Zum Beispiel die Weiterbildung: Viele nehmen regelmässig an Seminaren teil, sehen das aber gar nicht als Teil der Nachhaltigkeit. Auch Energiemanagement ist ein Thema, das manchmal vergessen geht, für das es aber gute Methoden zur Verbesserung gäbe. Jetzt wo die Energiepreise steigen, ist es für viele Betriebe wichtig, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Dank der Infoblätter, die einem direkt unter den Fragen vorgeschlagen werden, wird einem die Auseinandersetzung mit dem Thema nahegelegt.

Es sind zwar viele Daten, die man für den Selbstcheck eingeben muss, aber es wird einem immer gesagt, wo man die Daten in seinen Unterlagen findet. Das fand ich super.

Und was könnte an der Plattform noch verbessert werden?

Wir machen auch beim Projekt Klimastar Milch mit. Dort gibt es das Tool Nahrungsmittelkonkurrenz. Da wird berechnet, wie viel tierisches Eiweiss, also Milch und Fleisch, du mit Flächen produzierst, die sich nicht für Ackerbau eignen. Dieser Aspekt fehlt mir bei MeinHofKompass.

Eine Unterteilung in Zonen und damit Möglichkeiten der Betriebe fehlt mir auch. Die Betriebe, die mehr auf Biodiversität ausgelegt sind, werden gut bewertet – und das ist ja auch gut so. Aber vielleicht sollten andere Aspekte auch noch mehr angeschaut werden – zum Beispiel, wie viel ein Betrieb auch tatsächlich produziert

Bis jetzt haben wir vor allem über den Nachhaltigkeitscheck gesprochen, aber MeinHofKompass bietet ja auch noch andere Funktionen. Hast du davon auch schon welche ausprobiert?

Bis jetzt habe ich vor allem den Check genutzt. Aber die «Graswachstumsberichte», die bei den Chats aufgeführt sind, werde ich mir sicher noch anschauen.

Hast du dir etwas von dem Infomaterial auf der Plattform angeschaut?

Beim Ausfüllen des Checks habe ich mir kein Infomaterial angeschaut, aber bei den Ökoflächen, bei denen ich wusste, dass wir uns verbessern könnten, hatte ich mir vorher schon Material angeschaut. Für mehr hatte ich bis jetzt noch keine Zeit. Aber es ist auf jeden Fall gut, dass es direkt dasteht, wenn man die Resultate durchgeht. Wenn dich ein Thema interessiert, drückst du direkt darauf und musst es nicht suchen.

Was ist dein Eindruck vom Beratungsangebot auf MeinHofKompass?

Ich habe mich noch nicht stark damit auseinandergesetzt. Wir haben mit unserem Betrieb in den meisten Bereichen gut abgeschnitten, also würde ich wohl keine Beratung anfragen. Bei den Bereichen, wo die Resultate weniger gut sind, weiss ich, dass wir die Grenzen unserer Möglichkeiten schon erreicht haben und nicht unbedingt Verbesserungspotenzial haben.

Gibt es deiner Meinung nach noch etwas, was der Plattform fehlt?

Ich finde es wichtig, dass es nicht plötzlich drei verschiedene Tools gibt, die man ausfüllen muss. Mir geht es jetzt schon so, dass ich die bestehenden nicht immer auseinanderhalten kann. Wenn die alle obligatorisch für die Biokontrolle werden, dann wird es kompliziert. Für einen jungen Landwirt, der das in der Schule gelernt hat, geht das ja, aber für die ältere Generation wird es dann schwierig und kann Frust auslösen. Das Ziel muss sein, die existierenden Tools zusammenzubringen und zu kombinieren.

Ich würde mir wünschen, dass man mit so einer Plattform zeigen kann, was alles freiwillig gemacht wird - zusätzlich zu dem, was in den Richtlinien steht. So kann man dann auch aufzeigen, dass es Betriebe gibt, die in unterschiedlichen Bereichen glänzen: Manche fördern stark die Biodiversität und das Bodenleben, andere nutzen ihre Flächen sehr effizient.

Würdest du anderen empfehlen, MeinHofKompass auch zu verwenden?

Ich denke auf jeden Fall, dass es einigen etwas bringen würde. Das Beste in der App ist, dass man immer die eigenen Resultate mit dem Durchschnitt der anderen Nutzenden vergleichen kann. Das motiviert auch, sich in gewissen Bereichen zu verbessern.

Ausserdem braucht es kein neues Passwort oder Login – mit dem CH-Login ist man schnell drin. Man kann es sich also einfach mal anschauen und dann überlegen, wie man weitermachen will. 

Interview: Rike Teuber, FiBL

Weiterführende Informationen

Projektwebsite (MeinHofKompass)
Plattform (MeinHofKompass)

Was ist MeinHofKompass?
Die digitale Plattform kombiniert einen Nachhaltigkeits-Selbstcheck mit Infomaterial, Beratungs- und Vernetzungsangeboten zu allen Aspekten der Nachhaltigkeit. Die Nutzung der Online-App ist kostenlos und völlig unverbindlich – Mitmachen lohnt sich, denn die ersten 100 Betriebe erhalten eine kostenlose Beratung von einer Fachperson. Wer in den nächsten Wochen die App nutzt, nimmt ausserdem automatisch am Gewinnspiel teil und kann tolle Preise gewinnen. Die Konzeption und Weiterentwicklung wird durch ein Team von FiBL Wissenschaftler*innen und einen Praxisbeirat begleitet – wer MeinHofKompass also jetzt nutzt, kann direkt zur Weiterentwicklung und Verbesserung beitragen.

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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