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FiBL-Jahrestagung Biogemüse 2023: Gemeinsam gegen Lebensmittelverschwendung

Die Jahrestagung Biogemüse ist ein fester Bestandteil im Kursprogramm des FiBL, bei der sich Vertreterinnen und Vertreter aus allen Bereichen der Gemüsebranche treffen, um über aktuelle Themen zu diskutieren. In diesem Jahr fand die Veranstaltung am 18. Januar in Olten statt und beschäftigte sich mit dem Schwerpunktthema «Foodwaste». Insgesamt folgten rund 50 Interessierte aus der ganzen Schweiz der Einladung des FiBL.

Zunächst gab die Fachgruppe Gemüsebau von Bio Suisse, die aus zehn Mitglieder aus Produktion, Beratung und Forschung besteht, einen Überblick über die Ereignisse des vergangenen Jahres. Eine besondere Aufmerksamkeit geniesst die derzeitige Entwicklung des Biomarkts. Der Boom, der in den letzten Jahren verzeichnet wurde, war ab der zweiten Jahreshälfte 2022 rückläufig und somit etwa auf dem «Vor-Corona-Niveau» von 2019. Zudem sorgten gestiegene Anbauflächen (zum Beispiel bei Karotten) und hohe Erträge für einen Preisverfall, dem deutlich gestiegene Produktionskosten gegenüberstehen. Bei der Gewächshausproduktion kamen ausserdem neue Herausforderungen im Anbau, wie das Jordan-Virus oder eine neue Bremia-Rasse beim Salat hinzu. Doch neben all diesen Herausforderungen konnten aus 2022 auch ein paar Lichtblicke gegeben werden. So konnte beispielsweise eine deutliche Zunahme bei den Abonnements von Biogemüsekisten verzeichnet werden. Ein weiterer erfreulicher Aspekt zeigt sich beim Thema Bildung: Von den 32 Gemüselernenden im 3. Lehrjahr sind 20 Lernende auf einem Biobetrieb tätig – ein klares Statement für den Biolandbau.

Lebensmittelverschwendung: Der Status quo
Lebensmittelverschwendung, auch «Foodwaste» oder «Foodloss» genannt, ist ein Phänomen, dass in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen hat. Insbesondere in Zeiten des Klimawandels muss auch dieses Thema mit Hinblick auf planetare Grenzen verstärkt Berücksichtigung finden. Claudio Beretta von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW hat sich bereits im Rahmen seiner Doktorarbeit mit «Foodwaste» beschäftigt und konnte den Teilnehmenden einen umfangreichen Überblick über den Status quo geben: Unter allen Produktgruppen kommt es beim Frischgemüse zu den höchsten Lebensmittelverlusten (in Kilo), gefolgt von Milchprodukten und Backwaren. Lagergemüse ist aufgrund der besseren Haltbarkeit deutlich weniger betroffen. Hauptverursacher für Foodwaste beim Frischgemüse sind laut Statistik die Landwirtschaft und Privathaushalte. Der Anteil des Detailhandels ist hingegen verschwindend gering. Beretta wies allerdings darauf hin, dass Schuldzuweisungen an dieser Stelle nicht zielführend sind und sieht zugleich auch den Detailhandel in der Handlungspflicht. Seiner Auffassung nach kann Lebensmittelverschwendung nur durch eine Umstrukturierung entlang der Wertschöpfungskette dauerhaft gemindert werden.

Die Rolle der Produzentinnen und Produzenten
Für die anwesenden Gemüseproduzentinnen und -produzenten stellte sich zugleich die Frage, ob es sich bereits um Foodwaste handelt, wenn Gemüse nicht geerntet wird, sondern auf dem Acker verbleibt und in den Boden eingearbeitet wird. Laut Beretta muss bei diesem Fall differenziert werden. Muss die Ernte zum Beispiel wegen Schädlingsbefall verworfen werden, so handelt es sich nicht um Foodwaste. Kommt es wiederum zu einer Überproduktion aufgrund eines Fehlers in der Anbauplanung, so werden die Verluste als Foodwaste gezählt. In diesem Fall kann eine Optimierung der Anbauplanung Abhilfe schaffen. Diese Meinung vertritt nicht nur Claudio Beretta, sondern auch Reggy Vadakkumcherry vom Verband der Schweizer Gemüseproduzenten VSGP. Zudem sieht Vadakkumcherry in der Sensibilisierung von Kunden eine wichtige Stellschraube im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung. Aber auch neue Technologien, wie die App «SCROPS» zur Erfassung von Produktionsmengen, können einen Beitrag leisten. Dabei handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt von VSGP und der Schweizerische Zentralstelle für Gemüsebau und Spezialkulturen SZG.

Möglichkeiten in der Vermarktung
Das Verhindern von Lebensmittelverschwendung kann, wie bereits beschrieben, nur durch die Einbeziehung aller Akteurinnen und Akteure entlang der Wertschöpfungskette gelingen. Für einen Bericht aus dem Blickwinkel des Handels war Matthias Hofer eingeladen, der als Category Manager für Früchte und Gemüse bei Coop tätig ist. Eine wichtige Schlüsselfunktion für weniger Foodwaste stellt laut Hofer die Anpassung der Handelsnormen sowie die bedarfsgerechte Beschaffung von Obst und Gemüse dar. Ausserdem versuche Coop durch Aufklärungsarbeit und Sensibilisierung der Kundschaft Verluste zu mindern. Laut Hofer wird dieser Ansatz ergänzt durch die Initiative «Ünique», die 2013 ins Leben gerufen wurde. Unter diesem Label finden krumme Gurken, dreibeinige Karotten und weiteres Gemüse, das nicht den gängigen Schönheitsidealen entspricht, ihren Weg ins Supermarktregal. Ein kleiner Beitrag, den es auszubauen gilt.

Auch bei Stephan Müller landet nicht nur perfektes Gemüse im Regal. Der Biolandwirt aus Steinmaur betreibt einen Hofladen, in dem er hofeigene Produkte sowie zugekaufte Ware anbietet. Durch die Kundennähe und aktive Aufklärungsarbeit konnte er zum Beispiel Kartoffeln und Möhren mit leichtem Schädlingsbefall erfolgreich vermarkten. Laut Stephan Müller sei das Verständnis der Kundinnen und Kunden enorm, entscheidend sei jedoch die richtige Kommunikation. Ware die komplett aus der Norm fällt, spendet der Betrieb an gemeinnützige Hilfsorganisationen wie «Tischlein deck dich», «Schweizer Tafel» und «Hilfskette». Mit diesem Beispiel für vorbildliches Engagement endete die Gemüsebautagung.

Tino Hedrich und Anja Vieweger, FiBL-Gemüsebauberatung

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 16.02.2023

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