Zum Gedenken an Viktor Rölli

Am 7. Dezember 2016 ist Viktor Rölli in seiner Wahlheimat Tschechien gestorben. Alle, die als Produzenten, Berater oder Abnehmer in den 90er Jahren mit dem Schweizer Bioobstbau zu tun hatten, kannten Viktor Rölli. Er hat mit seinem Schaffen die frühen Jahre des biologischen Niederstammobstbaus entscheidend mitgeprägt.

Aufgewachsen in einer Grossfamilie auf einem Bauernhof bei Dietwil im aargauischen Freiamt, hat sich Viktor in seinem Berufsleben früh dem Obstbau zugewandt und sich entsprechend ausbilden lassen. Nach seinem Beruf gefragt, nannte er sich Pomologe.

1970 trat Viktor Rölli seine Stelle als Verantwortlicher für den Obstbau in der thurgauischen Staatsdomäne Münsterlingen an. Dort erfüllte er seine Aufgabe 32 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung 2002. Er hat selber dafür gesorgt, dass sich die Art und Weise seines Obstbaus in dieser Zeit stark gewandelt hat. Die ersten zehn Jahre arbeitete er konventionell. Dann kam die integrierte Produktion für weitere zehn Jahre. Während dieser Zeit experimentierte Viktor bereits im Stillen mit biologischen Methoden. Am 1. Januar 1990 war es dann so weit. Der Obstbau Münsterlingen wurde Bio-Knospe-Betrieb. Nach der Verpachtung der ganzen Domäne Münsterlingen im Jahr 1994 geriet Viktor Röllis Werk in Gefahr. Der Kanton war nicht bereit, den Obstbau aus dem integriert arbeitenden Gesamtbetrieb herauszulösen und separat zu verpachten. Eine Weiterführung des Bioobstbaus unter Röllis Leitung war hingegen erwünscht. Das widersprach jedoch der von Bio Suisse geforderten Gesamtbetrieblichkeit. Dank der Glaubwürdigkeit von Viktor Röllis Schaffen gelang es, dass der Obstbau Münsterlingen bis zu Röllis Pensionierung als selbständiger Biobetrieb anerkannt bleiben konnte.

Viktor Rölli hat nicht nur in Münsterlingen Pionierarbeit für den Bioobstbau geleistet. Er war Mitgründer und erster Obmann des Bio-Obstbaurings Ostschweiz. Seine schriftlichen Mitteilungen an die Mitglieder, gespickt mit prägnanten Äusserungen, waren legendär und haben zum Nachdenken, aber auch zum Widerspruch angeregt. Ein Zitat: «Mit der Ernte 99 bringt der Schreibende sein 10. Bio6bstjahr hinter sich. Es war das schlimmste Schorfjahr, aber nicht das schlechteste Erntejahr. Zwar kamen wir mit dreimal so viel Regen als normal zwischen Blüte und T-Stadium in arge Bedrängnis bei den heiklen Sorten. Mit unseren Schönwettermitteln in der Schorfabwehr kamen wir nicht mehr durch. Mit noch engeren Spritzfolgen zu operieren ist schon etwas fragwürdig und kann nur dort gemacht werden, wo die Kulturen nicht im Blickfeld der Öffentlichkeit liegen. Denn für viele Leute heisst biologisch immer noch so viel wie ungespritzt! Und nun blinde Flucht zu den Resistenten? Immer noch zu früh! Wohl haben sie den Schorftest glänzend überstanden, aber….»

Durch eine Fachreise nach Tschechien im Jahre 1999 hatte Viktor Rölli Kontakte in dieses Land, das damals einen Aufschwung im Biolandbau erlebte. Einer Familie, die in Mähren einen Bioobstbaubetrieb aufbauen wollte, stand Viktor Rölli mit Rat und Tat zur Seite und wanderte nach seiner Pensionierung dorthin aus. Auch wenn sich der Betrieb bezüglich Obstbau nicht nach den Vorstellungen von Viktor entwickelte, konnte er in seiner neuen Heimat doch manche seiner Pläne verwirklichen. Er verlegte sich vor allem auf das Mosten und das Konservieren von Obst. Seine Einrichtungen und die seriöse Arbeit zogen bald eine Kundschaft von Streuobstbewirtschaftern an. Viktors Dienste waren hoch geschätzt.

Viktor Rölli hatte noch etliche Pläne, doch nun hat sich sein Lebenskreis geschlossen. Wir werden das Andenken an den stillen Schaffer und energischen Kämpfer für die Sache bewahren und sind dankbar, mit ihm ein Stück Lebensweg geteilt zu haben.

Für die Ostschweizer Bioobstbäuerinnen und –bauern, Jakob Rohrer

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 09.03.2017

Werbung