Biolandbau führt zu höheren Bodenkohlenstoffgehalten Betrieb dem ändernden Klima anpassen 

Klimafreundliche Landwirtschaft – die grossen Fragen

Die nächste Klimakonferenz findet vom 28. November bis 9. Dezember 2011 in Südafrika statt. Da sollten sich die Regierungen auf eine globale Klimapolitik nach 2012 einigen. Das werden sie nicht tun. Deshalb denken wir über Klimaschutzmassnahmen nach, bei denen die Politik weniger zentral ist: Wertewandel, Konsumreduktion, Masshalten.

Solche Ansätze sind als Ergänzung klassischer Klimapolitik nötig. Es sind die „grossen Fragen“ einer klimafreundlichen Gesellschaft. Für die Landwirtschaft stehen dabei das Vermeiden der Verschwendung und die Reduktion des Fleischkonsums im Vordergrund. Global werden 30 bis 40 Prozent des Getreides als Viehfutter verwendet, in der EU sogar 60 Prozent. 20 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen stammen vom Tierhaltungssektor (inklusive grauer Emissionen). 30 bis 40 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion gehen wegen Verschwendung beim Konsumenten und wegen Lagerverlusten verloren.

Diese Grössenordnungen machen klar, dass etwas geschehen muss. Die klassischen Zugänge klimafreundlicher Landwirtschaft wie Reduktion der Stickstoffgaben, Erhöhung des Bodenhumusgehaltes, oder optimiertes Hofdüngermanagement sind wichtig, haben aber nicht das Potential der grundlegenden Aspekte.

Das heisst nicht, dass die klassischen Zugänge nicht gefördert werden sollen. Es heisst auch nicht, dass keine Kühe mehr auf der Weide stehen oder wir alle Vegetarier werden sollen. Weidehaltung mit angepassten Bestockungsraten ist eine nachhaltige und klimafreundliche Wirtschaftsform. Sie macht sonst kaum nutzbare Flächen für die Nahrungsmittelproduktion zugänglich.

Das heisst aber, dass die Exzesse der industriellen Landwirtschaft und der Konsumgesellschaft aufhören müssen. Es ist ein Witz, die Klimabilanz der Landwirtschaft um einige Prozente zu verbessern, wenn ein Drittel dieser Produktion weggeworfen wird.

Wie erreicht man eine Änderung? Man kann natürlich klassische Instrumente bemühen wie: industrielle Nahrungsmittel sind zu billig, die externen Kosten ihrer Produktion müssen in Zukunft im Preis enthalten sein. Viel wichtiger aber ist es, das Bewusstsein für die grossen Fragen zu fördern und ernsthaft von der Notwendigkeit eines Wertewandels und von vergessenen Tugenden wie Masshalten zu reden.

Dabei ist zu beachten, dass dies viel Zeit braucht – mehr als ein paar Jahre. Über eine oder zwei Generationen kann sich aber eine Gesellschaft fundamental wandeln – beginnen wir damit!

Weiterführende Informationen

Klimaschutz auf Biobetrieben (FiBL-Shop)

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 28.10.2011

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