Biokartoffelsortenprüfung Biokartoffelsorten für den Handel 

Biokartoffelbautagung 2020: Themen rund um die Bestandesführung

Auf dem Demeter-Hof Schüpfenried in Uettligen BE trafen sich am 10. März 2020 gut sechzig Interessierte zur Biokartoffelbautagung. Im Zentrum standen Anbautechnik und Kulturführung, auch angesichts der heissen und trockenen Sommer der letzten zwei Jahre.

Eingeleitet wurde die Tagung mit den aktuellen Informationen zum Biokartoffelmarkt von Ilona Stoffel, Produktmanagerin für Kartoffeln, Gemüse, Kräuter und Zierpflanzen bei Bio Suisse. Die monatlichen Verkaufszahlen entwickeln sich erfreulich: sie bewegen sich seit August 2019 auf Rekordniveau. Nach der eher durchschnittlichen Ernte 2019 sind die Lagerbestände bereits auf tiefem Niveau, erste Importgesuche wurden bewilligt. Trotzdem soll die Anbaufläche nicht stark ausgedehnt werden, da bei einer guten Ernte erneut eine Überversorgung drohen würde. Abschliessend wies Ilona Stoffel darauf hin, dass die Daten zur Marktlage regelmässig auf www.bioaktuell.ch aktualisiert werden: Biokartoffeln (Rubrik Markt)

Regulierung des Drahtwurms

Giselher Grabenweger von Agroscope berichtete von den Fortschritten in der Drahtwurmbekämpfung mit entomopathogenen Pilzen, die Insekten parasitieren und diese abtöten oder stark beeinträchtigen. Eine Herausforderung ist unter anderem das Etablieren des Pilzes im Boden. In der Schweiz wurde mit Attracap ein erstes Produkt anfangs Februar vorübergehend zugelassen, das während dem Pflanzen in die Furche ausgebracht wird. Es handelt sich um ein Granulat, das mit CO2 produzierenden Hefezellen die Drahtwürmer anlockt und mit Pilzsporen ausgerüstet ist.

Bodenbearbeitung, Dammpflege, Unkrautbekämpfung

Immer wieder war zu hören, wie wichtig ein gesunder Boden für eine gute Kartoffelproduktion sei. Produzent Ruedi Bühler berichtete von der Strategie zur Bodenvorbereitung auf seinem Hof. Er verzichtet seit vielen Jahren auf den Pflug und setzt stattdessen auf oberflächliches Fräsen und möglichst schonendes Separieren. Die Bodenbeschaffenheit müsse weich und feucht sein, eine Krümelstruktur müsse vorhanden sein und runde Formen aufweisen, und der Boden müsse beim darübergehen nachfedern.

Eine gute und vor allem verdichtungs- und verschmierungsfreie Bodenbearbeitung ist auch die Voraussetzung für einen guten Dammaufbau und die Unkrautregulierung. In seinem Referat zeigte Bioland-Berater Christian Landzettel verschiedene Strategien zur Dammpflege auf. Er wies darauf hin, dass man niemals einen starren Plan verfolgen, sondern immer einen Plan B bereithalten sollte.

Am Nachmittag stellte Produzent Philipp Zaugg ein etwas ausgefalleneres Verfahren zur Unkrautregulierung vor. Unweit des Tagungssaales stand 2019 ein selbst angelegter Grossversuch mit Kartoffeln, die mit Mulch aus einer Zwischenbegrünung abgedeckt wurden. Das Resultat fiel zufriedenstellend bezüglich Pflanzengesundheit, Ertrag und Qualität aus, auch ohne Bewässerung.

Bewässerung und Bekämpfung von Silberschorf und Colletotrichum

In trockenen Sommern wie 2018 und 2019 ist die Bewässerung der Kartoffeln eine sinnvolle Massnahme, um eine gleichmässige Qualität zu erreichen und die Erträge zu sichern. Um möglichst haushälterisch mit dem Wasser umzugehen, stellt sich die Frage nach den optimalen Zeitpunkten und Mengen. Eine Hilfestellung bietet die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL mit einem Netz von Bodensonden, verteilt über das Schweizer Mittelland. Parameter wie Bodenwasservorrat und Wasserführung können parzellenspezifisch angezeigt werden. In der Praxis hat sich gezeigt, dass durch die verfügbaren exakten Informationen die erste Gabe tendenziell später erfolgt und etwas Ruhe in die hektische Zeit des Bewässerns einkehrt.

HAFL-Dozent Andreas Keiser berichtete ebenfalls über ein Projekt zur integrierten Bekämpfung von Silberschorf und Colletotrichum. Silberschorf ist in erster Linie ein optischer Makel auf der gewaschenen Kartoffel und verursacht vermehrten Lagerschwund. Colletotrichum kann die Pflanzen zudem auch bereits auf dem Feld angreifen und zu Ertragseinbussen führen. Die Resultate zeigen Handlungsbedarf bei der Lagerung, Sortenwahl und Fruchtfolgegestaltung. Direkte Massnahmen sind bloss im Lager einigermassen erfolgsversprechend.

Seminar zur Pflanzgutvorbereitung

Im Anschluss an die Kartoffelbautagung fand in Zusammenarbeit mit der Bioproduzentenorganisation TerraViva ein Seminar zur Pflanzgutvorbereitung statt. Im ersten Teil wurde die Physiologie der Kartoffelknolle intensiv besprochen, zudem die beiden Verfahren «Vorkeimen» und «Wärmeschock» zur Pflanzgutvorbereitung. Im zweiten Teil besuchten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Vorkeimraum. Am praktischen Beispiel konnten sie die ideale Umsetzung besprechen und beim anschliessenden gemeinsamen Nachtessen den Austausch in geselliger Atmosphäre fortsetzen.

Tobias Gelencsér, FiBL


Weiterführende Informationen

Bewässerungsnetz (externe Website)

Vorübergehende Zulassung Attracap (Meldung auf bioaktuell.ch)

Biokartoffeln (Rubrik Ackerbau)

 

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 28.03.2020

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