Bio Suisse feiert ihr 35-jähriges Bestehen

(14.01.2016) 

Mit Überzeugung und Willensstärke sowie einem Hauch Verbissenheit vereinten sich die damaligen fünf Bio-Organisationen vor 35 Jahren zur Vereinigung Schweizerischer Biologischer Landbauorganisationen VSLBO (später Bio Suisse). Gemeinsam wollten sie den äusseren Widerständen trotzen. Das Werden von Bio Suisse erzählt von „Zorn und Zärtlichkeit“ – so auch der Titel des Films zur Geschichte des biologischen Landbaus in der Schweiz. Er zeigt, dass Zusammenarbeit zum Erfolg führt und wahrhafte Überzeugung und Nachhaltigkeit sich durchsetzten. Urs Brändli, Präsident von Bio Suisse, erzählt im nachstehenden Interview von Meilensteinen sowie Chancen und Herausforderungen für die Zukunft.

Bio Suisse feiert 2016 ihr 35jähriges Bestehen: Was waren für Sie Meilensteine in dieser Zeit?
Urs Brändli: Zunächst einmal, dass die willensstarken Pioniere vor 35 Jahren allen Widrigkeiten getrotzt  und gezeigt haben, dass eine tiefe innere Überzeugung alle Hindernisse überwinden kann. Gut ein Jahrzehnt später kam dann 1993 der Einstieg von Coop und dem Detailhandel. Dies ermöglichte  der breiten Bevölkerung den Zugang zu Bio-produkten. Darauf folgte, nach langem zähem Kampf, die Bio-Verordnung auf Bundesebene, die für den Konsumenten eine Basis des Vertrauens schaffte. In den 90er-Jahren ging dann richtig die Post ab. Von Anfang bis Ende 90er stieg die Anzahl Bio-Betriebe von 800 auf 5000!

Wie hat sich der Verband zwischen 1981 und Ihrer Zeit als Präsident entwickelt?
Von einer Vereinigung von fünf Organisation mit 250 Biobetrieben und einem kleinen Vorstand, ist Bio Suisse zum Dachverband von über 6‘000 Biobetrieben geworden  - mit 32 Mitgliederorganisationen, einer Geschäftsstelle mit über 50 Mitarbeitenden, einer «Antenne Romande», einem Vorstand und verschiedenen Gremien. Die Knospe hat sich vom Label zur starken Marke entwickelt, die in der Schweiz über 85 Prozent der Konsumenten kennen. Neben selbstvermarktenden Betrieben hat Bio Suisse heute auch über 840 Lizenznehmer.

Wo sehen Sie die Herausforderungen für die Knospe-Produzenten in naher Zukunft?
Um in Zukunft bestehen zu können, muss jeder Schweizer Bauernbetrieb unternehmerischer denken und seine Investitionen mit Voraussicht planen. Die Entwicklungen zeigen, dass konventionelle Betriebe umweltverträglicher werden und sich damit der Abstand zu Bio verkleinert. Knospe erfüllt die höchsten Ansprüche und muss auch in Zukunft Trendsetter bleiben, dafür setzen wir uns ein.

Wo steht Bio Suisse im Jahr 2035?
Bio Suisse hat in 35 Jahren bewiesen, dass der Verband veränderungs- und reformfähig ist. Das ist eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Zukunft. Persönlich sehe ich zwei mögliche Wege. Der eine ist, dass Bio Suisse weiterhin ausschliesslich Knospe-Produzenten vertritt. Knospe verzichtet bewusst auf Techniken und Technologien, die zu sehr in die Natur eingreifen (z.B: Spermasexing). Der andere Weg ist, dass Bio Suisse zweigleisig fährt. Neben der Marke Knospe schaffen wir ein zweites, niederschwelliges Biolabel zur breiten Förderung der nachhaltigen Landwirtschaft. Dieses lässt neue Techniken und Technologien zu, ohne Risiken für Natur und Umwelt. Beide Wege haben Potenzial. Das sind Diskussionen, die uns in den nächsten Jahren, im Zusammenhang mit Bio 3.0, bevorstehen.

Was wünschen Sie sich von den Mitgliedern von Bio Suisse?
Ich wünsche mir, dass die Mitglieder weiterhin aktiv bleiben, mitdenken und -mitdiskutieren sowie Verantwortung übernehmen. Dass wir offen sind für neue Entwicklungen und Erkenntnisse, diese kritisch prüfen, bevor wir kritisieren. Und dass wir über unsere Stärken sprechen, nicht über die Schwächen Anderer.

Und was wünschen Sie sich von den Konsumenten?
Der Konsument sollte das eigene Handeln nicht unterschätzen. Jeder kann zur Veränderung in der Umwelt beitragen, beispielsweise, dass er oder sie bewusster einkauft. Geniessen ja, aber nicht auf Kosten der Natur oder anderer Menschen. Ich wünsche mir auch, dass die Konsumenten mehr auf uns Bauern zugehen, auf dem Markt, in Hofläden, auf der Wanderung, Interesse zeigen, den persönlichen Kontakt suchen und wenn immer möglich, bei ihrem Bauern des Vertrauens einkaufen.

Film «Zwischen Zorn und Zärtlichkeit» (Rubrik Filme)

Dieser Beitrag erschien im Bio Suisse-Newsletter Januar 2016. Autorin: Susanna Azevedo, Praktikantin in der Unternehmenskommunikation von Bio Suisse.

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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