Biostrauchbeeren sind machbar und wirtschaftlich interessant

(19.08.2014) 

Der Erfahrungsaustausch von Anfang August in Uffikon LU ist unter Praktikern aus den Kantonen Luzern und Bern mit 40 Personen auf ein grosses Interesse gestossen. Niklaus Steiner von der Biofarm in Kleindietwil hatte den Anlass auf dem Biobetrieb von Roger und Mägie Burtolf in Uffikon organisiert.

Zehn Jahre Erfahrung mit Biostrauchbeeren

Die Familie Burtolf mit vier Söhnen und einer Tochter im Alter von 4 bis 15 Jahren bewirtschaftet 14 Hektaren Land, davon 4.30 Hektaren Strauchbeeren. Zudem werden auf dem Betrieb zweimal 2‘000 Legehennen und 9 Mutterkühe gehalten. Vor zehn Jahren haben Burtolfs von Bernhard Zemp pachtweise eine Parzelle mit konventionell angebauten Heu- und Brombeeren auf 750 m ü. Höhe übernommen. «Die ersten zwei Jahre waren Umstell- und Lehrjahre im Biobeerenanbau», bestätigte Roger Burtolf. Ohne Erfahrung hätten sie sich durchgebissen, die Anlage abgedeckt, Tropfbewässerung eingerichtet, Erfahrungen gesammelt und seit 2005 laufe es recht gut. «Der Anbau von Strauchbeeren ist anspruchsvoll, noch etwas anspruchsvoller im Bio Anbau, doch diese Produktionsart ist machbar, spannend und wirtschaftlich interessant», meinte der Biobauer.

Saure Böden und keine Staunässe

«Strauchbeeren gedeihen auf sauren Böden, ertragen keine Staunässe, brauchen aber speziell zur Fruchtbildung genügend Wasser, sodass eine Tropfbewässerung sehr sinnvoll ist. Das Foliendach ist bei Biostrauchbeeren ein absolutes Muss», erklärte Roger Burtolf in seiner Herbsthimbeeranlage, die jetzt gleich am Erntebeginn steht und sehr vielversprechend aussieht. Gedüngt wird mit Biochampignonerde. Wichtig sei die Versorgung mit genügend Kompost, die Gassen zwischen den Pflanzreihen werden gemulcht und so möglichst unkrautfrei gehalten. «Das Pilzsystem im Boden spielt eine zentrale Rolle, so beispielsweise der Wurzelpilz Mykorrhiza, der nur gut gedeiht, wenn der Boden nicht zu reich an mineralischem Phosphor ist. Sonst würden die schlechten Pilze überhand nehmen», bestätigten verschiedene anwesende Beerenbauern. Sei das Bodenpilzsystem in Ordnung gebe es auch kein Probleme mit der gefürchteten Rutenkrankheit. Weniger anfällig auf die Rutenkrankheit seien Herbsthimbeeren, wie beispielsweise die hier angebaute Sorte Himbo Top, die von August bis Ende Oktober geerntet wird. Auf dem Biomarkt sehr gefragt wären allerdings mehr Sommerhimbeeren, weshalb Roger Burtolf eine solche Anlage neu im Tunnelanbau mit der Sorte Tulamin angelegt hat und damit die Sorte Polka mit schlechter Pflückleistung ersetzt. Im Pflanzenschutz setzt Burtolf etwas Kupfer ein, auch als Vorbeuge gegen die Rutenkrankheit.

Vielversprechende Brombeeranlage

Die rankenlose Sorte Loch Ness steht zum ersten Mal im Vollertrag. Eine abgedeckte Neuanlage mit einer Investition von rund 100‘000 Franken pro Hektare. Diese Sorte zeichne sich besonders aus durch eine hohe Pflückleistung von 4 bis 6 Kilo pro Stunde. Seit Jahren setzen Burtolf Pflück-Equippen aus Osteuropa ein, Gruppen aus der gleichen Gegend, die sich auf den Höfen selber verpflegen. Da Männer in der Regel grösser sind, pflücken sie vor allem die Him- und Brombeeren, während die Frauen die niedrigen Heidelbeersträucher bepflücken. Bei den Him- und Brombeeren dürfen keine Zweitklassbeeren auf den Boden geworfen werden, weil dies die Essigkirschenfliege fördern würde. Zweitklassiges wird eingesammelt und kommt ins Fass, Erstklassiges wird direkt in Gebinde gelegt, Deckel drauf und ab geht’s ins hofeigene Kühllager, und von da täglich zur Obsthalle Sursee.

Dreissigjährige Heidelbeeranlage

Die Heidelbeeranlage im Bodenanbau haben Burtolfs vom Vorgänger übernommen und mit gutem Erfolg abgedeckt und weiter gepflegt. Die alte Heidelbeeranlage, sie macht rund die Hälfte von 1.8 Hektaren aus, wird mit dem richtigen Schnitt immer wieder verjüngt und liefert so pro Quadratmeter und Jahr rund ein Kilo Beeren. «Zum guten Gelingen haben sicher auch die zugesetzen Hummelvölker von Andermatt Bio Control beigetragen, denn während Blütezeit war es mit bloss 5 °C für die Bienen zu kalt», bestätigt Mägie Burtolf.

Überraschende Erfahrungen hat Roger Burtolf hingegen bei der neuen Heidelbeeranlage gemacht. Auf jenem Teil, wo vorher die die Himbeersorte Himbo Top stand, kommen die Heidelbeeren nicht recht vom Fleck, während sie daneben wunderbar gedeihen. Eine Erklärung für dieses Phänomen hatte bisher noch niemand, offenbar handelt es sich hier um eine Art Beerenmüdigkeit im Boden. Auf jeden Fall will Burtolf die Neuanlage weiterhin gut pflegen und mit genügend Rinde versorgen. Für die 1.8 ha Heidelbeeren setzt er jährlich 500 bis 700 Kubikmeter Tannenrinde ein. Auf einem andern Teil der Neuanlage gedeiht die Neupflanzung ebenfalls etwas verhalten. Hier wurde vor Jahren beim Verlegen einer Wasserleitung die Bodenstruktur zerstört, es fehle noch immer die auch für Heidelbeeren notwendige gute Bodenstruktur.

Verschiedene Absatzkanäle

Den grössten Teil des Beerenabsatzes haben Burtolfs vertraglich mit der Obsthalle Sursee geregelt. Diese sucht weitere Produzenten von Bio Beeren, vor allem für Coop und Migros, wie Marie Therese Lütolf als Leiterin der Obsthalle bestätigte. Ein kleiner Teil der Ernte vom Betrieb Burtolf geht in die Direktvermarktung. «Biofarm bietet Neueinsteigern mit beispielsweise 20 oder 30 Aren Biobeeren eine Einstiegs-möglichkeit mit Verarbeitungsprodukten, bis sie leistungsfähig genug sind für Grossabnehmer», unterstrich Klaus Steiner. Wer neu einsteigen will, lasse sich mit Vorteil von einer Fachperson beraten.

Autor: Josef Kottmann, Egolzwil

Ansprechpartner

für den Beerenanbau:

  • Andi Häseli, FiBL Beratung, Frick (Kasten rechts)
  • Kantonale Fachstelle für Obstbau

für die Vermarktung:

  • Niklaus Steiner, Biofarm, Kleindietwil (Kasten rechts)


Weiterführende Informationen


Beerenanbau (Rubrik Pflanzenbau)

Publikationen des FiBL zum Biobeerenanbau (FiBL-Shop)

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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