Erfolgreicher Erfahrungsaustausch zwischen Praktikern und Forschern

(25.02.2009) 

Die Praxisworkshops im Rahmen der 10. Wissenschaftstagung zum Ökologischen Landbau waren ein Erfolg. Bis zu 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch zwischen Forschung, Beratung und Praxis wahr und diskutierten zum Teil angeregt zu den vier Themen. Es war das erste Mal, dass im Rahmen der Wissenschaftstagung Workshops in dieser Form durchgeführt wurden. An der Organisation der Workshops waren kantonale Bioberaterinnen und Bioberater massgeblich beteiligt. Hier folgt ein kurzer Rückblick auf die einzelnen Workshops.

Viehloser Ackerbau und Umstellungshindernisse in der Westschweiz

Der Workshop „Viehloser Ackerbau in der Westschweiz“ ging der Frage nach, wo de Umstellungshemmnisse in den viehschwachen Ackerbaugebieten der Westschweiz liegen. Neben betriebsorganisatorischen Gründen, wie z.B. dem intensiven Zuckerrübenanbau in einigen Westschweizer Kantonen, erschweren vor allem sozioökonomische Gründe eine Umstellung auf Bio. Eine vorgestellte Umfrage unter konventionellen Betrieben zu Ihren Haupthindernisgründen legt eindrückliche Ergebnisse zu Tage. Neben der Angst vor zuviel Arbeit bei gleichem oder sogar geringerem Einkommen ist es häufig auch die Angst, relativ einfache Betriebsabläufe zugunsten technisch anspruchsvoller biologischer Methoden aufgeben zu müssen. Ein wichtiges Fazit der Diskussion war, dass besondere Anstrengungen nötig sein werden, um die konventionellen Ackerbaubetriebe zu erreichen. So sollten auch die Multiplikatoren in der landwirtschaftlichen Verwaltung und den Behörden für den Biolandbau gewonnen werden.

Viel Biomilch aus Weidegras

Vollweide wäre ideal sowohl für die Milchqualität, als auch für die Arbeitsproduktivität und das Tierwohl. Sie ist im Biolandbau aber nicht einfach zu realisieren. Es existieren aber Biolandwirte, die die Vollweide erfolgreich praktizieren. Hansruedi Osterwalder aus Wängi zum Beispiel. Er zeigte aus seiner 8-jährigen Erfahrung, worauf es bei der Vollweide ankommt. Ein anderer Teilnehmer zeigte, wie er den Weideanteil unter weniger komfortablen Bedingungen erhöhen und das Weidesystem optimieren will.

Ökologische Rindviehzucht und Gesundheit: Wie erreichen wir das Ziel?

Die vom FiBL initiierten und zusammen mit Beratern und Landwirten umgesetzten Projekte "Standortgerechte Milchviehzucht Graubünden" und "Pro-Q" wurden vorgestellt. Am Projekt teilnehmende Landwirte schilderten die Gründe für ihre Teilnahme und zogen Bilanz für ihren Betrieb und zeigten weitere Verbesserungsmöglichkeiten in ihren Betrieben auf. Von den Teilnehmern kamen zahlreiche Ideen für weiterführende Projekte.

Bodenfruchtbarkeit – Fundament des Biolandbaus

Das Thema Bodenfruchtbarkeit ist populär – so war dieser Workshop mit über 50 Personen auch sehr gut besucht. Biobauer Sepp Braun zeigte auf, wie schon seit vielen Jahren Massnahmen zum Aufbau von Bodenfruchtbarkeit auf seinem Betrieb umgesetzt werden. Zum Beispiel wird die Kunstwiese mit flach-, mittel- und tiefwurzelnden Kulturen aufgewertet, um so den ganzen durchwurzelbaren Bodenraum ausnutzen zu können. Radikaler ist auch die Einführung von Agroforstsystemen im Ackerbau auf seinem Betrieb, eine kombinierte Acker- und Waldnutzung, mit der die Photosyntheseleistung auf der Fläche um bis zu 50 % erhöht werden kann. Das bedeutet, dass auf der gleichen Fläche, beispielsweise über schnell wachsende Holzarten, Energie, Lebens- und Futtermittel erzeugt werden können, wobei der Ertrag der Ackerkultur gleich bleibt. 
Ein zweiter Praxisbericht von Alois Kohler aus Murimoos berichtete vom Nutzen der Kompostierung nach seiner persönlichen Einschätzung. Für ihn lohnt sich der Mehraufwand für die Aufbereitung, doch er zeigte ebenfalls auf, wo die Schwierigkeiten bei der Kompostierung liegen können.
Das Interesse an fruchtbaren Böden ist gross und die Bedeutung unbestritten. Doch wenn es darum geht zu beurteilen, welche Massnahmen langfristig für die Bodenfruchtbarkeit förderlich sind und welche nicht, dann fällt es bisweilen schwer, klare Aussagen zu machen. Immerhin scheint klar, dass weder die Praxis noch die Wissenschaft alleine fertige Rezepte liefern kann. Der Austausch tut Not, um gemeinsam den Geheimnissen der fruchtbaren Böden auf die Spur zu kommen.

Jakob Rohrer, Bioberatung Arenenberg
Bettina Springer, Bioberatung Strickhof
Niklaus Messerli, Bioberatung Liebegg
Mareike Jäger, AGRIDEA Lindau

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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