Filmemacherin Frauchiger: «Die Offenheit dieser überraschend kleinen Bioszene hat mich beeindruckt»

(16.09.2014) 

Am Donnerstag, 18. September zeigt das Schweizer Fernsehen den Dokumentarfilm «Bioland Schweiz» (SRF1, 20.05 Uhr). Begleitet von Moderatorin Kathrin Winzenried begibt sich die Filmequipe auf Spurensuche in der Vergangenheit und spricht mit Exponenten, die heute noch mitgestalten. Filmemacherin Barbara Frauchiger hat die Stimmung in der Szene als «extrem angenehm» empfunden. Gleichzeitig hat sie Bedenken, ob die Erfolgsgeschichte Bio auch längerfristig Bestand hat.

Film «Bioland Schweiz» (Webseite SRF)

Frau Frauchiger, warum haben Sie diesen Film über den Biolandbau genau jetzt gemacht?
Barbara Frauchiger: Wir hatten das Thema schon länger in der Pipeline für unsere Sonderreihe Dok History, mit der wir historische Themen beleuchten. Der Biolandbau mit seinen vielen aktuellen Bezügen ist allerdings eine Knacknuss für dieses Format. Bio wird immer heiss gegessen. Es ist ein emotionales Thema, das vom Bauern bis zum Konsumenten niemanden kühl lässt.

Konnten Sie ihren geschichtlichen Auftrag dennoch erfüllen?
Ja, und wie. Es hat sich extrem gelohnt, die Geschichte aufzurollen. Bio ist eine klassische Heldensaga, eine Art moderne und erfolgreiche Odyssee. Der vom FiBL produzierte Jubiläumsfilm «Zwischen Zorn und Zärtlichkeit» vom letzten Jahr war eine wichtige Basis. Aber wir mussten unseren Film natürlich für ein viel breiteres Publikum produzieren und Themen aufgreifen, die weniger fachspezifisch sind, so etwa die Frage, ob Biolebensmittel wirklich gesünder sind.

Wie haben sie die Gesprächspartner ausgewählt?
Einige waren als wichtige Funktionsträger wie FiBL-Direktor Urs Niggli und Bio Suisse-Geschäftsführer Daniel Bärtschi quasi gegeben. Bei den Pionieren haben wir Vorgespräche geführt und uns dann für einen Schwerpunkt bei Ernst Frischknecht entschieden. Er hat uns beeindruckt weil er ein unabhängiger Geist geblieben ist. Er tritt vehement für seine Ideen ein, bleibt dabei aber tolerant und immer auch selbstironisch.

Ihr Film ist wohlwollend ausgefallen, Sie scheinen einen positiven Eindruck erhalten zu haben von der Bioszene.
Ja, wir fanden die Stimmung durchwegs extrem angenehm. Es ist ja eine sehr überschaubare, überraschend kleine Szene, wo jeder jeden kennt. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen ist diese geprägt von Offenheit. Alle Gesprächspartner erklärten sich ausführlich und man hat gemerkt, wie hier um Lösungen für aktuelle Probleme gerungen wird, die nicht immer auf Anhieb gelöst werden können. Das ist natürlich ein extremer Kontrast zu unserem Alltag. Normalerweise verwerfen Firmen und Institutionen die Hände, wenn das Fernsehen kommt und nach der ersten kritischen Frage machen sie dicht.

Was hat Sie am meisten beeindruckt?
Uns hat beeindruckt, wie alle, denen wir begegnet sind, ernsthaft für ihre Sache eintreten. Jeder hat eine Mission ohne missionarisch zu sein. Beeindruckend ist auch zu sehen, wie gut es der Bioszene gelungen ist, die Marktentscheide bei sich zu behalten und so im Detailhandel etwas ganz neues aufzuziehen.

Gibt es auch Dinge, die Euch negativ aufgefallen sind?
Natürlich spürt man, dass Bio Suisse auf ihrer zentralen Position im Markt im Spannungsfeld zwischen den Erwartungen des Detailhandels einerseits und der Produzenten andererseits steht. Ich habe meine Bedenken, ob sich diese Organisationsform des Marktes auf lange Sicht halten kann. Ich denke, dass letztlich die Konsumenten über diese Frage entscheiden werden. Daniel Bärtschi hat es auf den Punkt gebracht: «Die Knospe entbindet den Konsumenten nicht vom Denken.»
Interview: Adrian Krebs, FiBL

Film «Bioland Schweiz» (Webseite SRF)

Jubiläumsfilm
«Zwischen Zorn und Zärtlichkeit» (Rubrik Filme)

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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