Generell gute Absatzlage im Bioackerbau

(24.01.2014) 

Einer der Schwerpunkte an der Bioackerbautagung vom 14.01.2014 am FiBL in Frick stellte die aktuelle Marktsituation für Biogetreide, Kartoffeln, Ölsaaten sowie Zuckerrüben und Nischenprodukte dar. Vertreter von Bio Suisse und Biofarm referierten vor Landwirten, Beratern, Journalisten und FiBL-Mitarbeitern an der gut besuchten Veranstaltung.

Biobrotgetreidemarkt

Martin Roth von Bio Suisse präsentierte eine erfreuliche Entwicklung des Schweizer Biogetreidemarktes. Trotz tieferer Erträge im Jahr 2013 gegenüber dem Vorjahr, wurden leicht steigende Mengen an Brotgetreide geerntet (zirka 12600 Tonnen).

Die Inlandanteile blieben 2013 auf vergleichbarem Niveau gegenüber dem Vorjahr:

  • Weizen: 33 Prozent
  • Roggen: 35 Prozent
  • Dinkel: 60 Prozent

Für die kommenden Jahre werden eine weitere Steigerung der Mengen und eine leichte Zunahme der Inlandanteile erwartet.

In den vergangenen Jahren wurden die steigenden Inlandmengen durch steigende Verarbeitungsmengen kompensiert; die Inlandanteile blieben dadurch in den letzten Jahren stabil. Generell bleiben alle Getreidearten weiterhin gesucht. Auch der Anbau von Umstell-Brotweizen ist gefragt. Die Preise für Biobrotgetreide betragen rund das Doppelte des konventionellen Getreides.

Folgende Richtpreise wurden 2013 (Franken/Dezitonne) erzielt:

  • Weizen: 106.-
  • Roggen: 95.-
  • Dinkel: 114.-

Aufgrund der neuen Rahmenbedingungen durch die Schweizer Agrarpolitik 2014-2017 (AP 14/17) ist davon auszugehen, dass 2014 eine Neubeurteilung der Richtpreise erfolgen wird.

Biofrischbrot wird sehr gut nachgefragt. Nach den Eiern stellt das Frischbrot mit einem umsatzmässigen Marktanteil von 18.8 Prozent die Kategorie mit dem zweithöchsten Bioanteil dar. 2012 wurde im Detailhandel ein Umsatzvolumen von 165 Millionen Franken für Biofrischbrot und 45 Millionen für Biobackwaren erreicht.

Weitere Informationen: Biobrotgetreide (Rubrik Markt)


Biofuttergetreidemarkt

Beim Biofuttergetreide sind im Vergleich zu 2011 und 2012 die Mengen im Jahr 2013 aufgrund tiefer Erträge, sehr wenig Körnermais und weniger Umstellbetrieben geringer ausgefallen. Eine deutliche und erfreuliche Steigerung ist bei den Angebotsmengen von Eiweisspflanzen (neu auch Lupinen) sowie bei den Mischsaaten zu beobachten. Der Inlandanteil beim Futtergetreide beträgt 29 bis 31 Prozent.

Insgesamt ist das Gesamtangebot an Futtergetreide abhängig von der Anzahl Umstellbetriebe, weil sie nach der Umstellungszeit auf den Anbau von Mahlgetreide wechseln. 2012 wurden rund 57‘000 Tonnen Mischfutter produziert.

Auch die Biofuttergetreidearten erzielten 2013 rund doppelt so hohe Preise wie das konventionelle Futtergetreide (Fr./dt):

  • Gerste: 81.-
  • Triticale: 80.-
  • Hafer: 65.-
  • Futterweizen: 84.-
  • Körnermais: 84.-
  • Eiweisserbsen: 101.-
  • Ackerbohnen: 90.-.

Weitere Informationen: Biofuttergetreide (Rubrik Markt)

Biokartoffelmarkt

In guten Jahren kann die Nachfrage durch die Inlandsversorgung mehr oder weniger gedeckt werden. Allerdings waren die letzten zwei Jahre geprägt von ungünstigen Witterungsverhältnissen und entsprechenden Mindererträgen und Ernteausfällen. Unabhängig davon ist eine leichte Zunahme der Anbauflächen zu beobachten. Eine weitere Professionalisierung in der anspruchsvollen Kulturführung wird angestrebt.

Die Preise für Biokartoffeln sind doppelt so hoch wie die Preise für konventionelle Ware (2013; Fr./dt):

  • Fest- und mehligkochend: 107.-
  • Industrie: 81.-

Weitere Informationen: Biokartoffeln (Rubrik Markt)

Knospe-Ölsaatenmarkt

Die Inlandanteile bei Knospe-Ölsaaten sind bisher gering. Der Markt birgt ein gutes Entwicklungspotential, da im Detailhandel eine grosse Nachfrage nach Schweizer Produkten besteht. Die Vermarktung ist auch für Umstellungsware möglich und findet über Biofarm oder Fenaco statt. Die Preise liegen doppelt so hoch wie im konventionellen Bereich (2013; Fr/dt):

  • Raps Knospe: 220.-
  • Raps Umstellung: 145.- bis 155.-
  • Sonnenblumen Knospe: 165.-
  • Sonnenblumen Umstellung: 155.-

Weitere Informationen:
Bioraps (Rubrik Markt)
Biosonnenblumen (Rubrik Markt)

Biozuckerrübenmarkt

Das Interesse an Schweizer Zucker aus Bioproduktion ist nur beschränkt vorhanden; der Mehrwert ist im Detailhandel schwierig zu vermitteln. Schweizer Biozucker steht auch in preislicher Konkurrenz zu Biorohrzucker, der häufig in verarbeiteten Produkten eingesetzt wird. Mit einem Richtpreis von 132 Franken pro Tonne präsentiert sich der arbeitsintensive Zuckerrübenanbau als wenig attraktiv. Häufig werden eher Karotten statt Zuckerrüben angebaut. Als Folge davon haben die Anzahl Schweizer Produzenten und Flächen in den letzten Jahren abgenommen. Eine jährliche Biozuckerrübenkampagne findet aber statt und jeder interessierte Biobetrieb kann Biozuckerrüben anbauen, eine Absprache mit der Zuckerrübenfabrik wird aber in jedem Fall empfohlen.

Weitere Informationen: Biozuckerrüben (Rubrik Markt)

Nischenkulturen

Der Markt für Nischenprodukte wie Speisesoja, Speisehafer, Lein, Leindotter, Kürbiskerne, Hirse, Buchweizen oder Linsen wird als interessant eingestuft. Alle Kulturen können dazu dienen, die getreidebetonten Fruchtfolgen zu bereichern. Es bleiben Sonderkulturen mit lukrativen Deckungsbeiträgen für bestimmte Abnehmer. Eine vorgängige Absprache wird empfohlen.

Weitere Informationen:
Biosoja (Rubrik Markt)
Biolein (Rubrik Markt)
Biohirse (Rubrik Markt)

Aktuelle Situation von Getreide, Ölsaaten und Spezialitäten bei der Biofarm

Hans Georg Kessler, Leiter Landwirtschaft, informierte über die aktuelle Entwicklung von über Biofarm vermarkteten Getreide und Ölsaaten. Generell wird ein Flächenausbau bei den Ölsaaten und beim Getreide angestrebt.
Flockenweizen beispielsweise lässt sich sehr gut als Müeslibestandteil verkaufen. Biofarm vermarktet bis zu 25 Prozent des Schweizer Biobrotgetreides.
Leinöl aus der Produktion von Umstellungsbetreiben lässt sich sofort im Detailhandel verkaufen.
Die Produkte des Bioraps-Projektes von Migros beispielsweise werden, entsprechend ausgelobt, in den Regalen des Grossverteilers angeboten.
Die entsprechenden Versuche ergaben Anbauvorteile für Winterlein (ausgeglichene Erträge) bei möglichst geringem Unkrautdruck.
Hirse brachte 2013 gute Erträge. Die Frucht kann spät gesät werden und ist ideal nach dem Umbruch einer alten Kunstwiese (Deckungsbeitrag Fr. 170.-/dt).
Weitere Projekte der Biofarm wie Senf, Speisemais, Beta-Glucan-Gerste (wasserlöslicher Rohfaseranteil; sehr gesund) oder Linsen-Hafer-Mischkulturen wurden ebenfalls kurz vorgestellt.

Weitere Informationen: Biofarm (Webseite Biofarm)

Autor: Uwe Krug, FiBL


Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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