Knospe-Poulets sind gefragt

(26.04.2013) 

Der Konsum von Pouletfleisch liegt im Trend, auch im Biobereich. Neue Produzenten – auch Umstellbetriebe – sind willkommen.

Die neusten Zahlen von Proviande bestätigen den seit den 90er Jahren anhaltenden Trend: Geflügelfleisch ist gesucht. Herr und Frau Schweizer essen nach Schweinefleisch am meisten Geflügelfleisch. In der Westschweiz steht Geflügel sogar an erster Stelle. Zwar macht Biopoulet heute mit 1 bis 2 Prozent noch einen kleinen Teil am Pouletmarkt aus, doch auch die Nachfrage nach Biopoulet steigt.

Knospe-Geflügel gesucht

Das bestätigt auch Christoph Schatzmann, Leiter Integrierte Tierproduktion, der Bell Schweiz AG: «Die Schlachtungen von Biogeflügel sind bei uns im letzten Jahr im zweistelligen Prozentbereich gewachsen und haben durchaus weiteres Entwicklungspotenzial.» Bell will Produktion und Sortiment ausbauen und ist an der Zusammenarbeit mit neuen Biogeflügelproduzenten interessiert. Seit Anfang dieses Jahres vermarktet Bell auch Produkte mit der Umstell-Knospe in den Coop-Kanal. Um das Wachstum abdecken zu können, sind weitere Umstellbetriebe und Geflügelmasteinsteiger willkommen.

Für den Einstieg in eine Vertragsproduktion sei eine Betriebsgrösse von 15 bis 20 Hektaren ideal, so Schatzmann. Geflügelmast lässt sich gut mit Ackerbau kombinieren und auch Knospe-Ackerfrüchte sind bekanntlich gesucht. Doch die Freilandhaltung bringt auch Herausforderungen mit sich, so müssen die Tiere vor Raubvögeln geschützt werden, die kleineren Herden sind arbeitsintensiver und der Einsatz von Antibiotika ist nach den Bio Suisse Richtlinien nur in Notfällen erlaubt.

Anforderungen für Einstieg:

  • Interesse an langfristiger Zusammenarbeit.
  • Minimum 2 Hektaren ebenes, zusammenhängendes Land für das Aufstellen der mobilen Mastställe.
  • Reserve bei der Düngerverwertung von mindestens 16 Düngergrossvieheinehiten (DGVE).
  • Einhalten der raumplanerischen Anforderungen für die innere Aufstockung.
  • Freie Arbeitskapazitäten im Umfang von rund 1400 Stunden.

Kontakt: Stefan Werren, Bell Schweiz AG, Zell Tel. 058 326 85 55

Vermarktung planen

Einsteiger sollten als erstes entscheiden, wie wichtig der Betriebszweig werden soll. Während die beiden wichtigsten Abnehmer mit Verträgen arbeiten, ist es auch für kleinere Betriebe unumgänglich, vor dem Einstieg einen geeigneten Schlachtbetrieb zu finden und die Vermarktung zu planen. Für den drittgrössten Vermarkter von Biopoulets, Lukas Vock vom Wendelinhof steht fest: «Der Direktverkauf hängt nicht nur von der Nachfrage ab sondern auch vom Verkäufer selbst und vom Vertrauen in den Hof. Dafür braucht es Leib und Seele.» Der Biogeflügelpionier ist seit 1986 im Geschäft und beliefert unter anderem Manor. Auch ihm brachte das letzte Jahr eine Steigerung von rund 10 Prozent. Vorläufig kann er die Nachfrage abdecken, denn für die Biopouletvermarktung des Wendelinhofs arbeiten drei Knospe-Produzenten zusammen. Wenn sich ein Produzent in der Vermarktung engagieren möchte, zeigt sich Vock offen für eine Zusammenarbeit.

«Greifvögel als grosse Herausforderung»

Jürg Mosimann arbeitet seit über 10 Jahren mit der Knospe, hat einen Produktionsvertrag mit Micarna und ist Mitglied der Fachkommission Fleisch von Bio Suisse.

Wie bewirtschaften Sie Ihren Betrieb?
Jürg Mosimann: Seit 1989 bewirtschaften wir unsere 7,6 Hektaren nach den Bio Suisse Richtlinien. Wir waren früher im Gemüsebau und in der Milchwirtschaft tätig. Heute produzieren wir ein wenig Getreide und Kartoffeln.

Wie lange sind Sie schon in der Geflügelmast tätig?
1997 stallten wir die ersten Küken ein, als einer von fünf Betrieben eines Pilotprojekts der Firma Optigal.

Wie hat sich seither die Nachfrage nach Biopoulet entwickelt?
Am Anfang wurden nur ganze Poulets verkauft. Später wurden auch Poulet-Teile verkauft, was die Nachfrage vergrösserte. Zuletzt stieg die Nachfrage stetig. Heute würde ich die Marktlage für Biopoulets als gut bezeichnen; es werden Produzenten gesucht.

Welche Hürden ergaben sich beim Einstieg in die Biogeflügelmast?
Wir hatten beim Einstieg eine sehr gute Begleitung durch Berater. Das Konzept ist gut durchdacht und es gab eigentlich keine Probleme.

Mit welcher Infrastruktur arbeiten Sie?
Mit mobilen Ställen auf dem Feld. Vor allem im Winter hat das Vorteile, denn die Wärme, die der Boden abgibt, kann so genutzt werden. Diese Ställe sind wärmer als Wagen mit einer Achse drunter.

Wie beurteilen Sie die Produzentenpreise?
Die Micarna bezahlt die Mäster anhand einer Kalkulation, basierend auf den Produktionskosten wie Futter, Wasser und Strom, sowie nach Arbeitsaufwand und Amortisation. Während der Amortisation ist der Pouletpreis höher als wenn die Ställe abgeschrieben sind. Das finde ich ist ein gutes System. Wir sind mit dem Preis zufrieden.

Welchen Herausforderungen stehen Sie heute gegenüber?
Eine der Herausforderungen sind die Greifvögelschäden. Weil die Vögel immer vor der Hütte sitzen, wird der Auslauf schlechter genutzt, was sehr schade ist. Eine grosse Herausforderung ist auch die Nährstoffbilanz.

Was würden Sie einem Kollegen raten, der sich für die Biogeflügelmast interessiert?
Sich gut über sämtliche Aspekte informieren. Die schöne Arbeit ist gut bezahlt. Der Absatz ist da und eine gute Beratung steht bei einer Vertragsproduktion zur Verfügung.

Autorin: Michèle Hürner

Weiterführende Informationen

Biopoulet (Rubrik Markt)

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

Werbung