Mehr Bio wagen – bei Produktion, Forschung, Konsum

Bio soll eine wichtige Rolle spielen bei der Neuausrichtung der Land- und Ernährungswirtschaft. So können Mensch, Tier und Umwelt umfassend profitieren. Die neue Agrarpolitik verpasst es, Bio-Ziele oder einen Bio-Aktionsplan zu formulieren. Und der nachhaltige Konsum bleibt ein Randthema. Doch dieser ist zentral, wenn die gewünschte Entwicklung gelingen soll.

(13.02.2020) 

Bio Suisse wird sich nach eingehender Analyse zu einzelnen Elementen der Botschaft äussern. Gemessen wird dabei an den grossen Linien:
Bio Suisse will mehr Verantwortung und Gestaltungsspielraum bei den Bäuerinnen und Bauern und ihren Labelorganisationen. Letztlich können die Ziele und die Aufträge der diversen Initiativen nur mithilfe der Marktpartner und der Konsumentinnen und Konsumenten dauerhaft erreicht werden. Unterstützt die Politik agrarökologische Systeme als Ganzes, ist auch administrative Entlastung möglich.

Bio Suisse empfiehlt dem Parlament, Bio wie die meisten europäischen Länder gezielt mit einem Aktionsplan zu fördern. Als einziges agrarökologisches System ist Bio gesetzlich definiert und wird gesamtbetrieblich und über die ganze Wertschöpfungskette angewendet. So können viele Nachhaltigkeitsziele gleichzeitig erreicht werden, wie Meta-Studien* zeigen.

Die meisten Länder und Regionen der EU verfügen über «Aktionspläne Bio», z.B. unsere Nachbarregion Bayern**. Dabei wird ein hoher Bio-Anteil angestrebt, und Bio wird in der Landwirtschaft, der Schule, der Forschung und vielen weiteren Bereichen eine zentrale Stellung eingeräumt. Als neue Märkte dienen in Bayern die staatlichen Kantinen und die Gastronomie – ein Mega-Thema für die Kooperation von Stadt und Land auch in der Schweiz. Ohne nachhaltigen Konsum keine nachhaltige Produktion!

Acht Punkte für eine erfolgreiche Agrarpolitik

  1. Bestehende agroökologische Systeme wie Bio mit umfassenden Aktionsplänen fördern
  2. Swiss Green Deal analog zum Europäischen Green Deal: Förderung klimafreundlicher Anbau, Bio-Konsum, Schutz vor Dumping durch Klima-Zölle.
  3. Nachhaltigen Konsum stärken, z.B. gezieltere Absatzförderung, Gastronomie
  4. AP 22+ als Innovationsmotor für Markt und Anbautechnik; unterstützen, was wirkt
  5. Initiativen ernstnehmen:
    - Absenkung auf netto null bei Kunstdünger und chemisch-synthetischen Pestiziden; Förderung von Alternativen
    - Mehr Tierwohl mit mehr Klima- und Umweltschutz verbinden
    - Schule, Forschung, Bildung, Beratung neu ausrichten
  6. Soziales stärken, insbesondere durch Absicherung der mitarbeitenden Ehegatten
  7. Verhältnis zum Ausland aktiv gestalten: grenzüberschreitende Handelsbeziehungen nachhaltig und fair; UNO-Agenda, Klima- und Biodiversitätsvertrag als Chancen nutzen
  8. Gentechnik-Moratorium verlängern und nachhaltige Züchtungsstrategien umsetzen

 * Z.B. Sanders et al., 2019, Leistungen des ökologischen Landbaus für Umwelt und Gesellschaft. Thünen-Report 65. Link: https://www.thuenen.de/media/publikationen/thuenen-report/Thuenen_Report_65.pdf

** Aktionsplan Bio in Bayern, MM 2019. Link: https://bayern.de/bericht-aus-der-kabinettssitzung-vom-30-juli-2019/#4
 

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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