Mehrere Tausend Personen an der Bauerndemo in Bern

(27.11.2015) 

Der Schweizerische Bauernverband SBV hatte für heute Freitag, 27.11.2015 zur Grossdemonstration in Bern aufgerufen. Hauptanlass war der Landwirtschaftliche Zahlungsrahmen, welcher der Bundesrat für die Jahre 2018-21 unlängst um 800 Millionen Franken gekürzt hatte. Die Teilnehmer nutzten die Gelegenheit aber, um allerlei Frust und Unmut über ihre derzeitige Situation als Landwirte und Landwirtinnen Ausdruck zu verleihen.

"Das sind die Bauern", erklärt der Polizist auf Französisch einer Touristin, die sich am Freitagmorgen beim Bärengraben über den kurligen Volksaufmarsch mit Treicheln und Sennenchutteli wundert. "Sie demonstrieren für mehr Geld", sagt der Polizist und reibt Daumen und Zeigefinger gegeneinander. Eine Horde unzufriedener Subventionsempfänger, die bei Väterchen Staat die hohle Hand macht? Dieser Eindruck könnte tatsächlich entstehen. Dass die Bauern nicht mehr Geld wollen, sondern nicht weniger ist im Rahmen einer solchen Demonstration wahrlich nicht einfach zu vermitteln.

Der Bundesrat hätte ein Versprechen einzuhalten, welches er im Rahmen der AP14-17 gemacht habe, hiess es im Aufruf vom Bauernverband zur Demo. Dieses habe gelautet: „Die Bauerfamilien müssen mehr leisten, dafür erhalten sie gleich viel Geld wie bisher“. Unlängst hat der Bundesrat aber beschlossen, den Rahmenkredit für die Jahre 2018 bis 2021 um rund 200 Millionen Franken pro Jahr zu kürzen. Für den SBV ist das ein Wortbruch und Anlass den Bundesrat mit einer Demonstration an sein Versprechen zu erinnern. Der SBV ist der Auffassung, die Bauern würden ihren Teil des Versprechens einlösen und mit der Umsetzung der AP14-17 höhere Leistungen erbringen. Anders sehen dies etwa Umweltschützer. Pro Natura kritisiert, die Bauern würden bezahlte Leistungen nicht erbringen und verweist auf Pestizide in Böden, Gewässer und im Urin von Konsumentinnen.

Ein Blick auf die zahlreichen Sprüche auf den Transparenten zeigt aber auch, dass es um mehr geht als um Subventionen. Auch eine Unzufriedenheit mit den wirtschaftlichen Bedingungen und den herrschenden Machtverhältnissen ist auszumachen. „Où va l’argent?“, „wohin geht das Geld?“, fragt beispielsweise einer. Und auf einem anderen Transparent werden die Verarbeiter und Detailhändler schlicht als Diebe bezeichnet.

An der Demonstration nahmen rund 6000 Personen teil, gemäss Schätzungen der Polizei sogar über 10'0000, darunter auffallend viele Personen aus der Romandie. Die Demonstrantinnen und Demonstranten waren teils mit Cars aus der ganzen Schweiz angereist. Nach Kantonen geordnet zogen sie mit Treicheln und Transparenten vom Bärengraben durch die Berner Altstadt zum Bundesplatz. Dort gab es Ansprachen von verschiedenen Bauernvertretern, darunter SBV-Präsident und Biobauer Markus Ritter, der Präsident der Schweizer Milchproduzenten SMP Hans-Peter Kern oder Christine Bühler, Präsidentin des schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbandes. Den Abschluss der Manifestation bildete ein zweiminütiges Glockenmahngeläut. spu

Weitere Informationen auf dieser Webseite

Interview mit Markus Ritter: „Weitere Einkommensreduktionen sind bei den Bauern im Moment nicht tragbar“

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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