Sojaernte gut vorbereiten

Die Soja ist jetzt daran abzureifen, die Blätter fallen bereits ab. Bald ist Erntezeit. Die Qualitätsanforderungen an geerntete Sojabohnen variieren je nach Verwendungszweck. Für Speisesojabohnen oder Saatgut sind die Anforderungen an die Qualität sehr hoch. Für beste Erntequalität gilt es, ein paar Aspekte zu beachten.

(13.09.2019) 

Beschädigung der Schale vermeiden
Die trockenen und sehr heissen Sommer der letzten Jahre haben die Abreife für Sojabohnen deutlich beschleunigt. Die Entwicklung der Abreife der Felder zu überwachen hat aus zwei Gründen an Bedeutung gewonnen.  

Der erste Grund ist das Hülsenplatzen. Bei starker Trockenheit und Hitze können die Hülsen mancher Sorten (z.B. Aveline) bersten (Dehiszenz), wenn sie sich dem idealen Erntezeitpunkt nähern, was zu teilweise hohen Verlusten bis hin zum Totalernteausfall führen kann. Es empfiehlt sich Sorten anzubauen, die nicht anfällig sind.
Der zweite, und bisher in der Schweiz wenig beachtete Grund sind Beschädigungen in der Haut der Sojabohnen: kleinste Risse, die mit blossem Auge nicht unbedingt zu erkennen sind.

Diese Rissbildung der Samenschale wird durch einen zu geringen Wassergehalt bei der Ernte begünstigt. Je geringer der Wassergehalt der Bohnen, desto empfindlicher sind sie. Zu starke Erschütterungen und mechanische Beanspruchung (z. B. durch Aufprallen) bei der Ernte, Sortierung, Absackung oder dem Transport können solche Risse verursachen.   

Durch die Mikrorisse kann Luft in die Bohne eindringen, wodurch verschiedene Prozesse in Gang gesetzt werden. Das hat bei der Saatgut-Produktion zur Folge, dass einerseits die Keimfähigkeit geringer wird, aber auch die Vitalität des Saatguts, „die Auflaufkraft“ über die Zeit reduziert werden kann. Das macht sich nach der späteren Aussaat vor allem in nassen, kalten Bedingungen (wie im Mai 2019) bemerkbar. Die direkte Folge ist ein ungenügender oder gar kein Auflauf sowie eine verlangsamte Jugendentwicklung und folglich eine geringere Unkrautunterdrückung. Diese Verminderung der Vitalität, oder Keimkraft, wird mit üblichen Keimtests nicht erfasst.
Bei Speisesoja führt eine schlecht vorbereitete Ernte mit falsch eingestellten Maschinen zu Verlusten bei der Lagerqualität, zum Auftreten von Schimmelpilzen und zu vielen Rückständen, die das Getreide färben können, mit der Folge einer Verschlechterung der Qualität. Dies kann im Ernstfall eine Deklassierung zu Futtersoja zur Folge haben. Es empfiehlt sich, das Unkraut (grosse Pflanzen) vor der Ernte zu entfernen, um Verfärbungen zu vermeiden.

Einstellungen der Erntemaschinen
Wenn Sojabohnen sehr trocken gedroschen werden, ist es wichtig, sich die Zeit zu nehmen, um den Mähdrescher so einzustellen, dass die mechanische Beanspruchung (z. B durch Aufprallen auf Metall oder Stein) auf ein Minimum reduziert wird. Dies gilt für die ganze Produktionskette vom Druschüber Abladen und Reinigung bis hin zu Absackung und Transport.

Da Sojabohnen zum Platzen neigen, ist es für reife Pflanzen nicht notwendig, sehr aggressive Drescheinstellungen zu verwenden. Zudem sollte die Fahrgeschwindigkeit leicht reduziert werden. Je mehr Schocks bei der Ernte und dem Transport vermieden werden, desto weniger Schäden erleiden die Bohnen und desto unversehrter können sie ihrer Bestimmung zugeführt werden.

Die Einstellungen der Mähdrescherelemente müssen an die Erntebedingungen angepasst werden: Dreschgeschwindigkeit, konkave Öffnung, Reinigungsgitter und Belüftung. Gemäss den Empfehlungen des Sojaförderrings (https://www.sojafoerderring.de/anbauratgeber/ernte/drescherwahl-und-einstellung/) in Deutschland sind die empfohlenen Einstellungen:

  • Fahrgeschwindigkeit: 4-5 km/h. Bei zu langsamer Fahrt fehlt Stroh in der Dreschtrommel. Bei zu schneller Fahrt werden die Pflanzen unsauber abgeschnitten, es kommt vermehrt zu Ausfall und Schnitthülsen.
  • Haspel: Die Haspel läuft ganz tief, etwas vor dem Schneidwerk und geringfügig schneller als die Fahrgeschwindigkeit. Es wird grundsätzlich ohne Ährenheber gedroschen.
  • Trommel: Eine niedrige Drehzahl schont die empfindlichen Körner. Faustzahl sind 400 U/min, je nach Fabrikat geht die Spannweite von 200 bis 600 U/min.
  • Dreschkorb: Öffnung 20 bis 25 mm vorne, 15 bis 18 mm hinten. Bei zu weitem Dreschkorb werden viele Hülsen nicht ausgedroschen und gelangen in die Überkehr; es entsteht mehr Bruch.
  • Siebe: 15 bis 18 mm Lochdurchmesser im Ober-, 10 bis 12 mm im Untersieb.
  • Wind: ¾ bis voll, nach vorne gerichtet.
  • Be- und Entladung des Druschtanks:
    • Es entsteht unnötig Bruch in der Zufuhrschnecke, wenn der Tank bis über den Einlauf befüllt wird.
    • Beim Entladen wird Bruch vermieden, indem die Entladeschnecke stets unter Volllast läuft (Tank nicht ganz entleeren!).

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Ernten?
Sobald die Sojapflanzen zu trocknen beginnen und die Samen nicht mehr die typische Form des Bohnenkorns haben, ist es wichtig, alle 3 Tage den sogenannten "Glockentest" durchzuführen (Schütteln der Hülsen an mehreren Stellen auf der Parzelle), um zu überprüfen, ob die Samen in den Hülsen und im Ring frei sind und es beim Schütteln ein rasselndes Geräusch gibt. Wenn dies der Fall ist und die Samen zwischen 13,5 und 15 % Wassergehalt aufweisen, warten Sie nicht länger und beginnen Sie mit der Ernte wie oben beschrieben, auch wenn vielleicht nicht alle Samen soweit sind. Bei 14 % Wassergehalt muss die Ernte schnell getrocknet werden, da die Samen nicht gut halten und ihre Qualität verlieren und so heruntergestuft oder sogar abgelehnt werden können.

Claude-Alain Betrix (Agroscope), Nathaniel Schmid und Matthias Klaiss (FiBL)

Mehr Infos zur Sojaernte
Speisesoja: Die Ernte gut vorbereiten (interne Seite)

Dieser Artikel wurde im Rahmen des EU-Horizon-2020-Projekts "Legumes Translated" realisiert. (externe Seite)

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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