Urs Gantner wird neuer Präsident von Bioterra

(20.03.2014) 

Der Agrarökonom und langjährige BLW-Forschungs- und Beratungsleiter Urs Gantner ist zum neuen Präsidenten von Bioterra gewählt worden. Der 62-jährige Gantner ist in einem weiteren Ehrenamt Stiftungsrat des FiBL. Er hält die biologische Landwirtschaft für eine wichtige Alternative, will sie aber nicht allgemein verordnet sehen, wie er im Gespräch mit bioaktuell.ch erklärt.

Herr Gantner, was hat Sie dazu bewogen, das Präsidium von Bioterra zu übernehmen?
Meine Frühpensionierung gibt mir Raum für Neues. Wenn ich Bioterra höre, tönt das für mich nach Biologie, Ökologie und Erde mit ihren beiden Bedeutungen. Dieser Name ist schon einmal fantastisch gewählt. Bioterra ist aber auch inhaltlich eine sehr interessante Organisation. Sie kümmert sich intensiv um biologisch bewirtschaftete Grünflächen im öffentlichen und privaten Bereich. Zum Beispiel bei den Hausgärten geht es einerseits um den ganzen Produktionsbereich vom klassischen Gemüsebeet bis zum Urban Gardening und andererseits um die Pflanzen, die Blumen und die Farben. Ich finde es hochspannend, mich für diese Inhalte zu engagieren.

Bewirtschaften Sie selber einen Hausgarten?
Ich lebe in einem Dreifamilienhaus in Muri bei Bern und kümmere mich dort um den Aussenraum: Hecken, Rabatten und Rasen. Wobei man eher von einer Blumenwiese sprechen sollte, das ist eine sehr farbenfrohe Angelegenheit. Gemüse bauen wir (noch) keines an.

Das BLW, Ihr früherer Arbeitgeber, ist ja bezüglich Biolandbau nicht als sonderlich euphorisch bekannt. Wie kommt es, dass Sie jetzt nach der Frühpensionierung mit FiBL-Stiftungsrat und Bioterra-Präsidium schon zwei Ehrenämter in diesem Bereich übernommen haben?
Zunächst möchte ich festhalten, dass das BLW den Biolandbau seit Jahrzehnten unterstützt, sei es mit Direktzahlungen oder mit der Unterstützung für die Bioforschung, wo sich FiBL und Agroscope in die Aufgaben teilen. Eine Aufstockung der Bundesgelder für das FiBL ist in Vorbereitung und auch sehr gut begründet. Für mich ist der Biolandbau eine wertvolle Alternative zu den anderen Bewirtschaftungsformen. Wir sehen ja auch immer wieder, welche Probleme die konventionelle Produktion verursacht, man denke nur an die kürzlich präsentierte Studie der EAWAG, die gezeigt hat, dass sich in zahlreichen Schweizer Gewässern ganze Pestizid-Cocktails finden, deren Auswirkung auf die Ökosysteme noch zu wenig bekannt sind. Es gibt also sehr gute Gründe, sich für den Biolandbau einzusetzen.

Was halten Sie vor diesem Hintergrund von der Idee für ein Bioland Schweiz?
Ich bevorzuge als Ökonom eine nachfrageorientierte Sichtweise: Es gibt eine Nachfrage nach Bioprodukten und ein gesellschaftliches Bedürfnis nach nachhaltiger Lebensweise.  Der biologische Landbau wie auch Bioterra engagieren sich in diesen Anliegen.  Wir sollten ein Bioland Schweiz nicht dekretieren; es kommt nicht gut, wenn man den Bauern eine Produktionsform vorschreiben will. Aber es ist wichtig, dass wir im Hinblick auf eine nachhaltigere Entwicklung Anreize schaffen, für die Bauern ebenso wie für die Hausgärtner.

Interview: Adrian Krebs, FiBL

Zu Bioterra
Bioterra will den biologischen Anbau in der Schweiz flächendeckend umsetzen. Als Gründungsorganisation von Bio Suisse und Mitträgerin der Knospe verbindet Bioterra seit 1947 Biogarten, Biokonsum und Biolandwirtschaft. Über 13'000 Mitglieder sind bei Bioterra und unterstützen so die Förderung des nachhaltigen Lebensstyl und den Bio- und Naturgarten.

Weiterführende Informationen

www.bioterra.ch

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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