Weidekuhtypen für den Biolandbau

(29.09.2008) 

Eine alte Frage beschäftigt die Biomilchbauern immer wieder. Braucht es die Biokuh? Die Frage ist jetzt besonders aktuell, wenn die 100% Biofütterung Realität wird. Biokraftfutter ist teuer und kommt von irgendwoher, nur nicht aus der Schweiz. Nun kann man sich darüber aufregen, dass kein konventioneller Futterzukauf mehr möglich ist, oder man fragt sich, ob die richtige Kuh auf dem Betrieb steht. Ist die Kuh an meinen Betrieb und an mein Futter angepasst? Wir stehen damit mitten in der Kuhtypendiskussion. Sind die drei Hauptmilchrassen Holstein-Friesian, Red-Holstein und Brown Suisse für eine graslandbasierte Milchproduktion in der Schweiz die richtigen Rassen?

Die Schweizerische Hochschule für Landwirtschaft (SHL) hat in einem bekannten Versuch auf dem Burgrain die Eignung unserer Rassen vor allem für die Weidemilchproduktion untersucht. Hauptaugenmerk wurde auf die Tiergrösse gelegt. 13 schwere und 16 leichtere Kühe wurden auf je sechs Hektaren geweidet. Das Gesamtkörpergewicht der beiden Herden war gleich. Die kleinen Kühe frassen mehr und legten mehr Gewicht zu. Bei den Milchgehalten, Körperkondition und Krankheiten waren beide Gruppen in etwa gleich. Der Ertrag der kleinen Kühe war besser aber die Kosten der grossen Tiere tiefer (weniger Stallplätze, weniger Arbeit). Die Gruppe mit den grossen Tieren brachte insgesamt etwas mehr Gewinn. Ob das im Biolandbau auch so aussehen würde, müsste noch untersucht werden.

Es ist eine Tatsache, dass kleinere Kühe effizienter Raufutter in Milch umwandeln. Die Milchleistung pro Hektare Gras ist besser. Neuseeland (NZ) hat konsequent auf dieses Merkmal gezüchtet. In einem Paarvergleich (Weidekuhgenetik 2007-2010) untersucht nun die SHL die Unterschiede zwischen der NZ-Genetik und den Schweizermilchkühen in Bezug auf Milch aus Gras, Fruchtbarkeit, Nutzungsdauer usw. Dabei stehen die obenerwähnten wirtschaftlichen Grössen der Milchproduktion im Vordergrund.

Ein Raunen ging durch die Schweizer Züchterlandschaft, als die zirka 70 Rinder mit NZ-Genetik aus Irland eingeführt wurden. Es wurde behauptet, dass in der Schweiz ebenso gute Weidegenetik zur Verfügung stehe. Wir werden sehen. Für den Biolandbau ist dieser Versuch von grosser Bedeutung, weil die Grasland basierte Milchproduktion unter den heutigen Produktionsbedingungen an Bedeutung gewinnt. Ich möchte die Biomilchbetriebe ermuntern, die Resultate des Versuches aufmerksam zu verfolgen und dann die richtigen Schlüsse für den eigenen Betrieb zu ziehen.

Eric Meili
FiBL Beratung
Tel. 055 243 39 39
eric.meili(at)fibl.org

Für weiterführende Informationen siehe:
Kuhtyp auf Betrieb abstimmen

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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