Biofleisch: gewerblich und regional

Die Familie Unternährer betreibt um Luzern einen Landwirtschaftsbetrieb und einen eigenen Schlachthof und Verarbeitungsbetrieb. Das Konzept ist ein Gegenentwurf zur durchrationalisierten Lebensmittelindustrie.

Wir stehen vor dem Neubau der Ueli Hof AG an der Industriestrasse 1 in Ebikon. Ringsum hat das sonst schmucke Luzern seine triste Vorstadt ins Rontal ergossen: Ein Heizungsinstallateur, ein Klimatechniker, eine Lackiererei, ein Werbebüro: Industrie, so wie es der Strassenname sagt, ist das hier nicht, eher Gewerbe. Ganz sicher alles andere als industriell ist auch der Schlacht- und Metzgereibetrieb der Ueli Hof AG, dessen grosse Fenster den Blick ins Innere frei geben. Dort zerlegen fleissige Hände Tierhälften, verarbeiten sie zu Fleischstücken und Würsten, hängen zum Trocknen oder Räuchern auf oder verpacken Frischfleisch in verkaufsfertige Portionen. Nur der Blick in die Schlachterei bleibt verborgen, dort wo Bolzenschussgerät und Stechmesser ihren Dienst tun. «Aber wer das sehen möchte, dem zeigen wir auch das» sagt Martin Schmitz, Geschäftsführer der Ueli Hof AG.

Produzenten aus der Region liefern

Ausschliesslich Tiere von Betrieben der regionalen Erzeugergemeinschaft Ueli Hof, werden hier geschlachtet: Pro Woche rund zehn Bioschweine, vier Biorinder und vier Biolämmer. Ab und zu wird auch eine Kuh oder ein Schaf von den Biobauern der Erzeugergemeinschaft zum letzten Gang geführt und verschwindet hinter den dunkelrot gestrichenen Trennwänden. Mit dieser Anzahl Tiere hat die Ueli Hof AG zwar ihre Grenzen noch längst nicht erreicht, gegenüber der grössten Schweizer Metzgerei, der Bell AG in Oensingen, erscheint die Schlacht- und Verarbeitungskapazität aber doch eher klein. Während Spitzenzeiten schlachtet Bell pro Tag bis 800 Tiere – auch für den Biobereich. Was der Ueli Hof AG in Ebikon an Effizienz verloren geht, gewinnt sie hingegen an Qualität dazu. Das Fleisch der Biomanufaktur hat nach dem Schlachten Zeit zu reifen. Fünf Tage hängen die Hälften im Kühlraum und entwickeln durch den Abbau der Glukose zu Laktat und der damit einhergehenden Enzymfreisetzung eine natürliche Zartheit.

Ein Stück Biogeschichte geschrieben

Szenenwechsel: Vor unseren Augen neigt sich die Horwer Halbinsel sanft gegen den Vierwaldstättersee hinunter. Kräftige Hochstammbäume und saftige Wiesen wechseln sich mit stattlichen Gehöften ab. Hier, am gegenüberliegenden Ende von Luzern, zieht die exklusive Lage mit Blick auf See und Berge finanzkräftige Zeitgenossen auf der Suche nach einer gediegenen Immobilie an. Zwischen Villen und anderen Wohnobjekten haben Walter und Ueli Unternährer mit ihren Familien auf dem Mättiwilhof in den letzten Jahren ein Stück Schweizer Landwirtschaftsgeschichte geschrieben. Die ersten Natura-Beef gingen durch die Viehhandlung der Mutterkuh-Pioniere. 1989 stellten sie auf Bio um. Später konzentrierten sich Walter und Ueli ganz auf die Landwirtschaft, Fleischverarbeitung und Direktvermarktung und der Neffe bzw. Cousin übernahm die Viehhandlung. Dem Hofladen folgten eine eigene Fleischverarbeitung in einer gemieteten Metzgerei und die Belieferung von Wiederverkäufern in der Region. Die Marke Ueli Hof war entstanden.

Wertschöpfungskette geschlossen

Mit der Eröffnung des eigenen gewerblichen Schlacht- und Verarbeitungsbetriebs im Jahr 2014 in Ebikon schloss Ueli Unternährer die Kette von der Heugabel bis zum Verkaufspunkt und setzt auf Wertschöpfung vor Ort und auf eine nachhaltige Fleischproduktion mit persönlichen Kontakten und überblickbaren Distanzen. Die Tiere aus der Ueli-Hof-Metzgerei stammen von Knospe-Höfen aus der Region, tragen meist Hörner, geniessen hauptsächlich betriebseigenes Futter und gehören heimischen Zweinutzungsrassen an. Für Werte wie biologisch, regional und gewerblich sind offenbar Kunden aus der Stadt Luzern und den Agglogemeinden bereit, einen soliden Mehrpreis zu bezahlen. Unternährers und ihren Produzentenkollegen ermöglicht das eine Landwirtschaft mit mehr wirtschaftlicher Selbstbestimmung, eine Landwirtschaft die hohe Ansprüche an Tierwohl, Ökologie und Fleischqualität erfüllt. Stephan Jaun, Bio Suisse

Tierschutz warnt vor Tierfabriken

Die Schweizer Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie sei auf dem Weg zu Tierfabriken, warnen der Schweizer Tierschutz und die Stiftung für Konsumentenschutz SKS. Gefragt seien mehr regional hergestellte Produkte wie die vom Ueli Hof. sja


Weiterführende Informationen

Ueli Hof(externe Webseite)

Auf dem Weg zur Tierfabrik (Webseite Schweizer Tierschutz)

Stiftung für Konsumentenschutz (Webseite SKS)

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 05.11.2015

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