Urs Brändli erläutert das Drei-Stufen-Modell für den Detailhandel

Bio Suisse reagiert auf die Veränderungen im Markt und hat ihre Distributionspolitik überarbeitet. Dabei wurde die Verbandsbasis eng miteinbezogen. Ab 2020 gilt für den Detailhandel ein Drei-Stufen-Modell mit folgenden Grundanforderungen: Breite des Biosortiments, faire Marktpartnerschaften, Engagement für die Bioforschung und -entwicklung. Bioaktuell.ch hat bei Urs Brändli, Präsident von Bio Suisse, nachgefragt, wie es dazu kam und was das für mögliche Distributionspartner bedeutet.

(08.07.2019) 


Worum geht es bei der Distributionspolitik von Bio Suisse?
Unsere Distributionspolitik regelt die Anforderungen, die erfüllt sein müssen, damit Detailhändler auf Eigenmarken und in ihrer Kommunikation die Knospe verwenden können. Diese Politik wurde 2011 von der Delegiertenversammlung (DV) verabschiedet und 2017 im Rahmen von «Avanti 2025» bestätigt.

Wieso wurde diese Politik nun überarbeitet, wenn sie doch von der DV im November 2017 bestätigt wurde?
Nach dem Ja an der DV begannen Vorstand und Geschäftsleitung mit der operativen Umsetzung und haben Szenarien entworfen. An verschiedenen Bio Suisse Mitgliedversammlungen im Winter 2018/19 wie auch an der Präsidentenkonferenz diesen März hat sich dann gezeigt: Für die definitive Umsetzung müssen Grundsatzentscheide von grosser Tragweite getroffen werden. Die Basis verlangte, dass sie in diesen Prozess miteinbezogen wird.

Und wie hat der Vorstand reagiert?
Bio Suisse ist ein basisdemokratischer Verband, in dem die Mitgliedorganisationen, respektive deren Delegierte, das letzte Wort haben. Wir haben die Basis also eingeladen mitzumachen und in Workshops die Distributionsgrundsätze gemeinsam überarbeitet.

Was ist das Resultat dieses Prozesses?
Ziel war es, die Distributionsgrundsätze auf die heutigen Bedürfnisse anzupassen und das Profil von Bio Suisse als wichtigster Schweizer Bioverband zu stärken. Das haben wir in einem sehr intensiven Prozess mit externer Unterstützung geschafft.

Neu gilt ein Drei-Stufen-Modell mit folgenden Grundanforderungen: Breite des Biosortiments, faire Marktpartnerschaften, Engagement für die Bioforschung und -entwicklung. Mit dem überarbeiteten Distributionsmodell sollen Produkte, die nach den Bio Suisse-Richtlinien produziert werden, noch stärker dort sicht- und verfügbar sein, wo Konsumentinnen und Konsumenten diese erwarten.

Können sie dieses Stufen-Modell erklären?
Auf Stufe 3 gelten die höchsten Anforderungen. Wer diese erfüllt, kann auf Eigenmarken und in der Kommunikation die Knospe verwenden. Auf Stufe 2 kann das Logo BIOSUISSE auf Eigenmarken verwendet werden. Und auf Stufe 1 kann in eigenen Medien kommuniziert werden, dass sämtliche Biorohprodukte aus der Schweiz von Bio Suisse-Betrieben stammen. Die Distributionspartner können also selbst entscheiden, wie stark sie sich für den Biolandbau und letztlich für die Knospe engagieren wollen. Am Ende entscheidet die Summe des Engagements, wer das Logo BIOSUISSE, resp. die Knospe nutzen kann.

Am 2. Juli fand eine Konferenz zur Distributionspolitik statt: Wer war da alles eingeladen?
Alle, die den Mitgestaltungsprozess seit dem Workshop am 23. Mai begleitet haben. Also Delegierte und Ersatzdelegierte von Bio Suisse, Präsidenten/innen und Sekretäre/innen der MOs oder weitere Stellvertreter der MOs, Kommissionen (QG, WG, MG, MKA, MKI, MKV, GPK, URS) sowie Mitglieder der Fachgruppen. Rund 110 Teilnehmende waren am 2. Juli in Olten dabei und haben über die vorgeschlagenen Szenarien konsultativ abgestimmt.

Und wie kam die Abstimmung heraus?
Die Zustimmung war sehr gross - wie selten bei einer Abstimmung an einer DV.

Es gab im Nachgang Stimmen, die sagen – das neue Modell sei zu streng, Stufe zwei und drei sei nicht für alle Detailhändler erreichbar. Was sagen Sie dazu?
Die Knospe verlangt nach höchsten Ansprüchen bei Anbau und Verarbeitung. In den Diskussionen mit der Basis wurde sehr schnell klar: Dies soll auch für den Detailhandel gelten. Die überarbeitete Distributionspolitik schafft bedürfnisorientierte Anforderungen, die künftig für alle Detailhändler in der Schweiz gelten. Je nach Biostrategie finden diese eine passende Variante, um mit Bio Suisse zusammenzuarbeiten. Zudem sind schon heute Markenprodukte mit der Knospe in allen Verkaufskanälen der Schweiz zu finden. Und wie ich bereits oben erwähnt habe: Am Ende entscheidet die Summe des Engagements für den Biolandbau, wer die Knospe nutzen kann.

Ab wann gilt das Drei-Stufen-Modell?
Geplant ist auf den 1. Januar 2020. Da allenfalls noch Richtlinienanpassungen nötig sind, müsste die Delegiertenversammlung diese im November verabschieden. Derzeit sind wir dies am Abklären.

TH

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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