Biobauern in der Offensive gegen den Feuerbrand

(28.04.2009) 

Während im konventionellen Obstbau trotz Rückständen in Äpfeln gegen den Feuerbrand Antibiotika gespritzt werden, gehen initiative Bioobstbauern mit neuen Ansätzen in die Offensive. Aber statt der Förderung von Alternativen reagieren die Behörden mit Hürden.

Im letzten Herbst haben Meldungen von Antibiotikarückständen in Äpfeln alarmiert. Einzig Bioäpfel bieten noch Gewähr, dass mit dem Genuss von Äpfeln kein Streptomycin mitkonsumiert wird – ein Mittel, das auch in der Humanmedizin eingesetzt wird. Trotz den Rückständen lassen die Behörden aber im konventionellen Obstbau das Spritzen mit Streptomycin weiterhin zu.

Für den Biolandbau gibt es noch keine Mittel mit vergleichbar guter Wirksamkeit. Initiative Biobauern wollen dem Verlust ihrer Obstbäume aber nicht einfach nur zusehen. Gemeinsam mit anderen Biokollegen setzt Christoph Meili auf angepasste Sorten und nimmt einen erhöhten Aufwand für die Säuberung befallener Bäume in Kauf. Die Initiativgruppe hat auch Ideen für biologische Alternativmethoden für den Akutfall. Die Bauern sind aufgrund von eigenen Beobachtungen überzeugt, dass mit Löschkalk oder Hanfblütenauszug Feuerbrandinfektionen weitgehend verhindert und die Heilung der Bäume entscheidend gestärkt werden können. Im letzten Jahr hat sich aber gezeigt, dass diese Methoden noch optimiert werden müssen. Trotzdem besteht Hoffnung, auf diesem natürlichen Weg den Feuerbrand zu kontrollieren und mit ihm zu leben. Die Obstbauern wollen nun den Beweis dazu erbringen.

Bund und Kantone geben Millionen aus für Rodungsentschädigungen, Forschung und geordneten Antibiotikaeinsatz. Aber statt mit Erleichterung über die Alternativen zu reagieren und deren Erforschung zu unterstützen, wird der Initiativgruppe ein enges Korsett für die Versuche geschnürt. „Mein Ziel ist es, dass ökologisch motivierte Pioniere von den endlosen Schikanen der Forschungsanstalten, der Beratungs- und Amtsstellen befreit werden“, beklagt sich Meili. Er versteht nicht, warum den biologischen Methoden so stark auf die Finger geschaut wird, und gleichzeitig Antibiotikarückstände in Kauf genommen werden.

Immerhin, Bio Suisse hat endlich eine Ausnahmebewilligung erhalten, Versuche mit den Ideen der Initiativgruppe durchzuführen. Diese werden nun vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL begleitet. Das Interesse in der Praxis ist gross. Meili dazu: „Mit den hohen Anforderungen an die Versuchsdurchführung hat man nun erreicht, dass Löschkalk und Hanfauszug breiter als erlaubt eingesetzt werden – auch von Nichtbiobetrieben, die einen Antibiotikaeinsatz nicht verantworten können.“

Weiterführende Informationen:

Aktuelle Behandlungsempfehlungen des FiBL

Allgemeine Behandlungsempfehlungen des FiBL

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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