DV Bio Suisse setzt neue Grenzen: Mindestens 75 Prozent Gras und maximal 4'000 Legehennen

(18.04.2016) 

Am 13. April trafen sich die 100 Delegierten von Bio Suisse zu ihrer Frühlingsversammlung in Olten. Das emotionalste Traktandum war sicherlich die Frage, ob das GMF-Programm des Bundes auf Knospe-Betrieben obligatorisch werden soll. Aber auch der Antrag der IG Bio-Ei, die Anzahl Ställe zu beschränken und die neuen Weisungen zum Antibiotikaeinsatz gaben Anlass zu angeregten Diskussionen.

Mindestens 75 Prozent Gras im Talgebiet

Bereits 2014 war das Bundesprogramm zur Graslandbasierten Milch- und Fleischproduktion (GMF) zum ersten Mal Thema an der Delegiertenversammlung. Eine Entscheidung über dessen Obligatorium wurde bisher aber immer wieder vertagt. Der Vorstand wollte die Frage der Wiederkäuerfütterung grundsätzlich angehen und einen Strategieprozess in Gang bringen. Bis anhin haben bereits zwei Workshops dazu stattgefunden. Der Vorstand hätte die Abstimmung auch dieses Mal gerne wieder vertagt.

Die Bärner Bio Bure stellten jedoch den Antrag, einen an diesen Workshops formulierten Weg bereits heute in die Richtlinien zu schreiben: Unabhängig vom GMF-Programm soll ein Mindestgrasanteil – frisch, getrocknet oder siliert – festgelegte werden, nämlich 75 Prozent im Talgebiet und 85 Prozent im Berggebiet. «Wir wollen den Anschluss zu anderen Labels nicht verlieren. Zudem erfüllen schon sehr viele Biobetriebe die GMF-Anforderungen, insbesondere im Berggebiet», erklärte Kathrin Schneider von den Bärner Bio Bure ihren Antrag. Thomas Marty von Bio Ostschweiz meinte, Grasfütterung sollte bei Biowiederkäuern Standard sein, damit sich die Konsumenten darauf verlassen könnten. Thomas Herwig von Bio Jura vermutete jedoch hinter dem Berner Antrag die Absicht, den Markt regulieren zu wollen: «Die Biobauern im Berggebiet haben Angst, dass ihre Milch von Neuumstellern mit günstiger Milch aus Silomais verdrängt werden könnte.» Als weiteres Gegenargument etwa wurde genannt, dass die Herkunft des Futters entscheidender sei als dessen Art und man deshalb die Raufutterimporte reglementieren sollte oder einen Mindestanteil für betriebseigenes Futter formulieren.

In der Abstimmung gaben die Delegierten aus den grossen Bergkantonen Bern und Graubünden den Ausschlag. Der Antrag der Bärner Bio Bure wurde mit 55 zu 39 Stimmen bei einer Enthaltung angenommen. Die neue Richtlinie tritt per 1. Januar 2018 in Kraft. Der Strategieprozess zur Wiederkäuerfütterung wird weitergeführt.

Antibiotikawirkstoffe schonen

Die Weisung zum Antiobiotika-Einsatz, die der Vorstand letzten Sommer in Kraft setzte, wird nun definitiv in die Richlinien aufgenommen. Drei Mitgliedorganisation hatten Einsprache erhoben. Ab dem 1.1.2017 dürfen bei Erstbehandlungen nur Antibiotika zum Einsatz kommen, die als Wirkstoffe keine Cephalosporine der 3. und 4. Generation, kein Makrolid und keine Fluorchinolone enthalten. Alle diese Wirkstoffe dürfen Knospe-Tierhalter nur falls tierärztlich verordnet bei Zweitbehandlungen  einsetzen oder bei Erstbehandlungen, wenn sie mit einem Antibiogramm nachweisen, dass die anderen Wirkstoffe nicht wirken oder keine anderen Wirkstoffe für die Behandlung zugelassen sind. Bei Gruppentherapien und Euterbehandlungen ist der Einsatz dieser Wirkstoffgruppen immer nur mit Antibiogramm möglich. Bei jeder Euterbehandlungen muss eine Milchprobe genommen werden, für eine sofortige oder spätere Analyse zurückgestellt werden.

Legehennen: Tier- und Stallzahl beschränkt

Die IG Bio-Ei hatte beantragt, auf Knospe-Betrieben den Legehühnerbestand auf zwei Legehennenställe à 2‘000 Tiere und einen Aufzuchtstall für 4‘000 Tiere zu beschränken (siehe Bioaktuell vom März 2016). Als Hauptargumente dafür nannte der Präsident der IG, Markus Schütz, einerseits die Tatsache, dass die Tiergesundheit bei grösseren Tier- und Stallzahlen immer schwieriger zu managen sei und andererseits das Image. Es gelte auf alle Fälle zu vermeiden, dass auf einzelnen Biobetrieben der Eindruck von Massentierhaltung enstünde. Der Vorstand empfahl den Antrag zur Ablehnung. Es brauche erst eine gründliche Analyse, insbesondere solle auch die Eigenversorgung mit Futtermittlen vom Betrieb in Betracht gezogen werden. Zudem äusserte er den Verdacht, dass die IG den Markt beschränken wolle. Dem widersprach Peter Lüscher von der Fachgruppe Eier: «Auch mit dieser neuen Regelung steht es nach wie vor allen Knospe-Produzenten frei, mit zwei 2000er-Ställen in die Eierproduktion einzusteigen». Die Delegierten stimmten dem Antrag der IG Bio-Ei grossmehrheitlich zu, die Beschränkungen treten ab sofort in Kraft.

Ausgabenüberschuss von 100‘000 Franken

Der Vorstand präsentiert für 2016 einen Abschluss mit einem Ausgabenüberschuss von rund 100‘000 Franken. Die Gründe dafür liegen bei höher als vorgesehenen Personalausgaben auf der Geschäftsstelle. Die Kosten für den Werbespot waren ebenfalls höher als vorgesehen. «Dies ist in erster Linie mit der Unzulänglichkeit der beauftragten Agentur zu begründen», sagte Vorstandsmitglied Monika Rytz. Das Budget für das Marketing konnte aber trotzdem eingehalten werden, indem auf gewisse Projekte verzichtet und andersweitig Kosten eingespart wurden. Die Delegierten genehmigten den Jahresabschluss 2015 ohne Gegenstimme.

Kritik an Vorstand und Geschäftleitung gab es bezüglich dem neuen Biolehrmittel für die landwirtschaftliche Ausbildung: Andi Schmid von Bio Grischun sagte, die operative Führung des Lehrmittelprojektes habe Schiffbruch erlitten. «Es wurde nicht gehandelt, als das Projekt in Schieflage geriet.» Schmid ist enttäuscht. «Das neue Lehrmittel hätte mehr sein sollen als die Überarbeitung des alten: Man hätte einen neuen Akzent in der Bildungslandschaft setzen können, ein innovatives Lehrmittel mit Einbindung von Informatik und neuen Medien.» Eine solche Version ist nun in Bearbeitung und wird vorasussichtlich auf das Bildungsjahr 2017/2018 eingeführt.

In weiteren DV-Geschäften wurde die im zweiten Anlauf nun statutenkonforme Zusammensetzung des Wissengremiums gutgeheissen sowie Vorstand und Präsident in ihrem Amt bestätigt. Ebenfalls bestätigt wurde der eingeschlagene Weg in Sachen faire Handelsbeziehungen. Abgelehnt wurde der Antrag von Biofarm, der einen zurückgezogenen Antrag der Schweizer Bergheimat zur finanziellen Förderung von Entwicklungsprojekten im Bereich Bioackerbau wieder aufnehmen wollte. Die Delegierten nahmen hingegen den Vorschlag für ein neues Kapitel in den Richtlinien mit dem Titel «Grundsatz Nachhaltige Entwicklung» an. spu

Medienmitteilung (Webseite Bio Suisse)

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

Werbung