Grand Prix Bio Suisse geht an die SwissBioColostrum AG

(13.11.2014) 

Wie jedes Jahr wurde im Rahmen der Herbst-DV der Grand Prix Bio Suisse vergeben. Der Förderpreis, wird an Personen oder Institutionen verliehen, die sich durch innovative und nachhaltige Leistungen für die Entwicklung des biologischen Biolandbaus und der Bioverarbeitung in der Schweiz einsetzen. Der begehrte Grand Prix Bio Suisse geht dieses Jahr an die SwissBioColostrum AG in Cham ZG.

Als erster und einziger Schweizer Hersteller von hochwertigen Colostrum-Erzeugnissen produziert und vermarktet die Firma seit nunmehr sechs Jahren ausschliesslich Colostrum-Produkte in zertifiziert biologischer Qualität. Die wertvolle und rare Biestmilch (Biemst) von Kühen, Schafen und Ziegen wird vollwertig und schonend verarbeitet. Das Resultat ist ein hochwertiges Pulver, das – so findet die Grand-Prix-Jury unter der Leitung von alt Nationalrat Josef Lang (Grüne) – den Förderpreis von Bio Suisse unbedingt verdient hat. Bio Colostrum wird eingenommen um sich gegen Erkältungen und Grippe-Erkrankungen zu wappnen. Knospe-Milch bietet dazu die optimale Ausgangslage.

Josef Lang, Präsident der Grand-Prix-Jury sagte in seiner Laudatio: «Früher hat man die überflüssige Biestmilch entsorgt. Seit einigen Jahren haben die Biobetriebe nun die Möglichkeit, ihren wertvollen Rohstoff, der auch "Gold der Kuh" genannt wird, zu veredeln statt zu vergeuden Für die Jury lautete denn das stärkste Argument auch: Fertig mit Food-Waste, kein Kuh-Gold mehr ins Gülleloch!»

Der Grand Prix Bio Suisse ist dotiert mit 10‘000 Franken. Mehr Informationen gibt es auf der Website des Gewinners:
www.swissbiocolostrum.com


Laudatio von Jurypräsident Josef Lang im Wortlaut:

Das Gold der Kuh und die SwissBioColostrum

Liebe Preisträger des Grand Prix Bio Suisse Förderpreises 2014
Lieber Vorstand und liebe Delegierte von Bio Suisse
Sehr verehrte Gäste

Paracelsus, der als Arzt viel von Gesundheit verstand und als Philosoph seine Einsichten leicht auf den Begriff brachte, hat nicht nur den berühmten Satz geprägt: «Die Dosis macht das Gift». Er hat eine noch viel wichtigere Aussage gemacht: «Der Tod sitzt im Darm.» Der Darm ist Ausgangspunkt für zahlreiche Erkrankungen. 80 Prozent unseres Immunsystems liegen in unserem Darm begründet.

Glücklicherweise gibt es für Aufbau, Stärkung und Wahrung dieses Immunsystems ein kolossales Mittel mit dem lateinischen Namen Colostrum. Es wird auch Erstmilch, Vormilch, Kolostralmilch, bei Kühen, Schafen und Ziegen auch Biestmilch, Biemst oder Brieschmilch genannt. Das von der Mutter Natur über Jahrtausende entwickelte Kolostrum enthält eine riesige Vielfalt von wirksamen Ingredienzien wie Immunglobuline, Wachstumsfaktoren, Vitamine, Mineralstoffe, Aminosäuren. Es enthält in sich die Vorzüge des Mineralischen, Pflanzlichen und Tierischen und ist deshalb ein vielseitiges Naturheilmittel.

Auf dem Bauernhof, auf dem ich aufgewachsen bin, hat man die überflüssige Biestmilch ins Güllenloch geleert. Das war, wie ich inzwischen herausgefunden habe, die Regel. Nur ausnahmsweise hat ein Bauer oder eine Bäuerin für den Ernstfall, dass eine Mutterkuh keine Milch abgibt oder stirbt, Biestmilch aufbewahrt. Bekanntlich ist ein Kalb ohne Kolostrum kaum lebensfähig.

Seit sechs Jahren haben die Bio-Betriebe die Möglichkeit, ihren wertvollen Rohstoff, der auch «Gold der Kuh» genannt wird, zu veredeln statt zu vergeuden. Der Biobauer, Naturwissenschaftler und Lehrer Gian-Carlo Keller gründete mit Marc-René Paravicini, Naturheilpraktiker und Architekt, die Firma SwissBioColostrum AG - in einer alten Käserei im zugerischen Cham. Dabei verwenden sie ausschliesslich Immunmilch von Biobetrieben. Zusätzlich verbesserten sie die bisherigen Trocknungs- und Veredelungsmethoden. Pro Jahr sammeln sie 2000 Liter Knospe und Demeter Kolostrum in etwa 50 Schweizer Betrieben ein. Pro Liter erhält ein Betrieb 16, bzw. 18 Franken. Bei den 5,4 Durchschnitts-Liter pro Mutterkuh gibt das zwischen 76 und 97 Franken pro Tier.

Der Zuschuss, der bei grösseren Lieferanten über 3000 Franken betragen kann, hat beim Jury- Entscheid für SwissBioColostrum sehr wohl eine Rolle gespielt. Sonst wäre es uns noch schwerer gefallen, unter den 9 Projekten das stärkste auszuwählen. Auch andere hätten den Preis verdient. Für Jean-Claude Cattin, den Vertreter der Chemins du Bio, für Samuel Krähenbühl, Chefredaktor des Schweizer Bauer, für Urs Brändli, den Präsidenten von Bio Suisse, und für den Leiter deren Medienstelle Andreas Käsermann und für mich lautete das stärkste Argument aber: Fertig mit Food-Waste, kein Kuh-Gold mehr in die Jauche!

Die Produkte der SwissBioColostrum gelangen über Drogerien und Apotheken sowie Naturheilpraktiker und Ärzte unter der Marke QuraDea an die Konsumentinnen und Konsumenten. Mit China und Taiwan besteht ein Exklusivvertrag mit regelmässigen Lieferungen. Allerdings ist es das Ziel von SwissBioColostrum, das edle Produkt im Lande selber zu verkaufen.

Den Ablauf aus bäuerlicher Sicht habe ich mir von Martin Hümbelin, einem Demeter-Bauern aus dem Solothurner Jura, erklären lassen. Martin kenne ich persönlich, weil er bis vor wenigen Jahren mit meinem Bruder eine Betriebsgemeinschaft unterhalten hat. Hümbelin ist ein besonders interessantes Beispiel, weil er für vier weitere Demeter-Bauern aus der Gegend ein Kühlraum-Depot führt. Ungefähr alle vier Monate kommt Gian-Carlo Keller persönlich vorbei und holt 40 bis 50 Pet-Flaschen Kolostrum à 1½ Liter ab, wo er sie in einer mitgeführten Kühlbox versorgt.

Nachdem eine Kuh gekalbert und der Bauer sie angerüstet und gemolken hat, füllt er eine oder mehrere Pet-Flaschen mit jenem Rest an Biestmilch ab, die das Kalb innerhalb der ersten zwölf Stunden nicht zu trinken vermag. Die Pet-Flasche wird ihm von der SwissBioColostrum zur Verfügung gestellt. Der Bauer oder die Bäuerin schreibt auf eine vorgedruckte Etikette die Ohrmarken-Nummer der Kuh. Zudem füllen sie ein kleines Probe-Röhrchen. Flasche und Röhrchen werden sogleich eingefroren. Weiter haben sie ein A-4-«Kontrollblatt Melkung» auszufüllen, das gleichzeitig als Lieferschein dient.

Gemäss Martin Hümbelin ist der Aufwand für das Abfüllen des Colostrums und für das Ausfüllen von Etikette und Kontrollblatt gering. Dasselbe gilt für das Einsammeln der Petflaschen bei den anderen Bauern.

Mit diesem achten Förderpreis von Bio Suisse zeichnen wir ein Projekt aus, zu dem man sich fragt: Warum entstand es erst 2008? Höchste Zeit, dass SwissBioColostrum 2014 von Bio Suisse geehrt und gefördert wird. Paracelsus, der nicht weit von deren Standort entfernt auf die Welt gekommen ist, würde sicher mitgratulieren.

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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