Unterricht auf dem Bauernhof

(15.09.2015) 

Um als Bauer auf seinem Hof Schulkinder zu unterrichten, muss man in erster Linie offen sein. Den Rest lerne man mit der Zeit, meint der SchuB-Verantwortliche Andreas Aeschbacher.
Eifrig machen sich die Kinder daran, die Karotten aus der Erde zu ziehen. „Schau einmal diese lustige Form!“ „Die ist ja riesig!“ Die Kinder zeigen stolz das geerntete Gemüse und legen es dann in die Kiste, die Biobauer Edi Hilpert auf einem kleinen Handwagen mit auf das Feld genommen hat. Die jungen Helfer der Kindergartenklasse besuchen den Eulenhof von Familie Hilpert in Möhlin AG regelmässig. So haben sie die Rüebli im Frühling bereits selber gesät. „Es ist toll, können die Kinder den Jahreslauf verschiedener Gemüse und Früchte mitverfolgen“, findet Kindergärtnerin Gabriela Klemm, die ihre Klasse begleitet. Seit 20 Jahren bieten Hilperts auf ihrem  Hof Unterrichtsstunden an – im Rahmen des Projekts „Schule auf dem Bauernhof“ (SchuB). Genauso lange kommt Klemm mit den Kindergärtelern regelmässig zu Besuch.

Gründliche Vorbereitung ist notwendig

SchuB ist ein Teilprojekt der Kampagne „Gut, gibt’s die Schweizer Bauern“ des Schweizer Bauernverbands, das dieses Jahr sein 30-Jahre-Jubiläum feiern kann. Will ein interessierter Bauer Klassen auf seinen Hof einladen, muss er zwei wichtige Kriterien erfüllen: „Er muss einen aktiven Bauernhof führen, auf dem Lebensmittel produziert werden“, erklärt Andreas Aeschbacher, Kontaktperson für SchuB. Zudem muss der Landwirt bereit sein, seinen Betrieb zu zeigen. Er sollte daher offen sein und sich gerne mitteilen. „Den Rest, beispielsweise die didaktischen Fähigkeiten, kann man lernen“, so Aeschbacher. Diese braucht es. Denn der Bauer stellt nicht nur seinen Betrieb zur Verfügung, sondern er ist während dieser Zeit auch die Lehrperson, die den Kindern Wissen vermittelt.
Zukünftige Anbieter müssen einen dreitägigen Kurs besuchen, der mit einer mündlichen Prüfung abschliesst. Ziel ist es, den Bauern Ideen und Hilfen zu vermitteln, um den Unterricht gestalten zu können. Hat man den Test bestanden, wird der eigene Betrieb auf der Website von SchuB aufgeschaltet, nun können interessierte Lehrpersonen über diese Plattform mit dem Bauern Kontakt aufnehmen. Für sein Engagement wird dieser dann bezahlt. Das Geld erhält er von den kantonalen SchuB-Arbeitsgruppen sowie einen Teil von der Schule. Der Schweizer Bauernverband unterstützt das Gesamtprojekt, indem er Werbung oder auch Lehrmittel finanziert. Edi Hilpert erhält 70 Franken pro Stunde, in der er Kinder auf seinem Hof unterrichtet. Nicht bezahlt sind die Stunden, die für das Vorbereiten, das Aufräumen oder für Administratives gebraucht werden. Der zusätzliche Aufwand betrage etwa so viel, wie die Unterrichtszeit, so Hilpert.

Kinder freuen sich auf Besuch

Edi Hilpert verzeichnet pro Jahr rund 100 Besuche von Kindergarten- und Schulklassen auf seinem Betrieb. „Das gibt zu tun und manchmal muss deswegen eine andere Arbeit liegen bleiben.“ Er mache das aber gerne, so Hilpert: „Es ist schön, wenn ich sehe, dass sich die Kinder darauf freuen.“ Und Gabriela Klemm ergänzt: „Manche Kinder erkennen die verschiedenen Gemüsesorten nicht mehr. Das Angebot von Edi ermöglicht es, dass sie wieder mit der Landwirtschaft und deren Produkten in Berührung kommen.“ Nach dem Zvieri stellen sich die Kinder in Zweierreihe auf. Es geht zurück zum Kindergarten. Die geernteten Karotten dürfen die Kinder übrigens mit nach Hause nehmen. 
Deborah Rentsch, FiBL

Weiterführende Informationen
Schule auf dem Bauernhof   (Externe Webseite)

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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