Nachbars Klee – statt Soja aus Übersee

Mit Weissklee-Trockenwürfeln präsentierte die Thurgauer Bioszene vor vier Jahren einen interessanten Ansatz zur Lösung der Proteinproblematik. Dieser scheint sich in der Praxis nun zu bewähren.

Importierte Futtermittel haben ein schlechtes Image. Sie passen nicht zum Biolandbau, wo man geschlossene Kreisläufe anstrebt und hohe ökologische und soziale Ziele verfolgt. Doch auch im Biolandbau nimmt der Futtermittelimport zu. Zwischen 2006 und 2013 stieg der Import von Knospe-Soja von 5 300 auf über 16 000 Tonnen.

Weisskleemischungen als Sojaersatz

Das Landwirtschaftliche Bildungs- und Beratungszentrum BBZ Arenenberg im Kanton Thurgau befasst sich seit einigen Jahren mit alternativen Protein-Futtermitteln aus einheimischem Anbau. Bei Anbau- und Fütterungsversuchen hat sich Weissklee als Hauptkomponente durchgesetzt. In einem weiteren Schritt sucht man am BBZ nun nach optimal geeigneten Luzernesorten als Mischungspartner.

Damit das Produkt als Sojaersatz in Frage kommt, muss es möglichst hohe Proteingehalte erzielen. Dies lässt sich nur mittels Trocknung in einer Grastrocknungsanlage und anschliessender Pelletierung erreichen, waren sich die Arenenberg- Spezialisten einig.

Herbstschnitte für Trockenwürfel

«Im Frühling und Sommer ist eine Konservierung mittels Silieren zu prüfen», empfiehlt Daniel Nyfeler vom BBZ Arenenberg, weil der nötige Gehalt von über 250 g Rohprotein (RP) pro kg Trockensubstanz (TS) – die «Schallgrenze» für Proteinfuttermittel – als Pellets nur bei den Herbstschnitten erreicht wird. Während die Erhöhung von vier auf sechs Schnitte nur einen sehr geringen Mehrertrag gab, zeigte sich, dass der Schnittzeitpunkt den Proteingehalt massgeblich beeinflusst.

Die Herbstschnitte wiesen Proteingehalte bis zu 299 g RP/kg TS bei der Weissklee- Luzerne-Mischung auf und bis zu 263 g RP/kg TS bei der ebenfalls interessanten Standardmischung 325. «Wer die Herbsternte pelletieren möchte, sollte frühzeitig mit der Grastrockungsanlage Kontakt aufnehmen, um die Durchführbarkeit zu prüfen», rät Nyfeler. Für die Trocknung ist das gemähte Futter auf mindestens 30, besser 45 Prozent TS anzuwelken, um die Trocknungskosten tief zu halten. Allerdings ist das Anwelken gerade im Herbst gelegentlich eine Herausforderung.

Anbau ist ideal für viehlose Biobauern

Damit sich Eiweissfutter aus einheimischen Futterleguminosen durchsetzen kann, ist die Nachfrage nach Trockenwürfeln einerseits und das Interesse am Weisskleeanbau andererseits zentral. Fütterungsversuche von Pellets beim Milchvieh ergaben einen guten Verzehr und keinerlei Leistungseinbussen, und auch preislich sind die Pellets konkurrenzfähig. Für viehlose Biobetriebe ist der Anbau von Leguminosen interessant. Der Weisskleeanbau kann als Kunstwiesenersatz dienen und ist als Grünfläche anrechenbar. Zudem bringen die Knöllchenbakterien erheblich Stickstoff in den Boden. Petra Schwinghammer

Weitere Artikel zu diesem Thema finden Sie in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift Bioaktuell.

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 05.02.2015

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