Merkblatt «Kraftfutterreduzierte Milchviehfütterung» Nicht zu fett abkalben – Ketosegefahr 

Die Krux mit dem Eiweiss in der Milchviehfütterung

Im Herbst steigen die Harnstoffwerte in der Milch oft über die Normgrenze von 30mg/dl Milch. Der Harnstoffwert in der Milch wird hauptsächlich vom Energie/Eiweissverhältnis in der Futterration beeinflusst. Im Herbstgras ist der Eiweissgehalt erhöht und der Zuckergehalt tief. Dadurch kann ein grosser Teil des im Pansen abgebauten Futterproteins nicht mehr zu Milch- oder Muskeleiweiss aufgebaut werden, weil der Pansonflora die dazu benötigte Energie fehlt.

Futtereiweiss wird im Pansen zu Ammoniak abgebaut, welches in der Leber zu Harnstoff entgiftet wird. Wenn die Kapazität der Leber zur Ammoniakumwandlung in Harnstoff überschritten wird, zirkuliert zu viel Ammoniak im Blut und verursacht Reizungen an den Schleimhäuten und an den Grenzschichten der Körperoberfläche, zum Beispiel an der Lederhaut der Klauen. Die Folge sind Fruchtbarkeitsprobleme wegen der gereizten Genitalschleimhäute und Klauenprobleme wegen Durchblutungsstörungen in der Lederhaut.

Wie das Futterungleichgewicht mildern?

Wie schon oben erwähnt, mangelt es im Weidefutter vor allem an Energie. Diese Energie braucht das Tier, um aus dem abgebauten Futtereiweiss körpereigenes Eiweiss und Milcheiweiss aufzubauen. Durch die Zufütterung von energiehaltigem Grundfutter wie Heu oder Silage vom ersten Schnitt, grünem oder siliertem Mais oder auch Futterrüben oder Kartoffeln, kann das Ungleichgewicht im Futter verkleinert oder gar aufgehoben werden.

Tiefe Harnstoffwerte sind kein Problem

Was im Herbst zur Genüge im Futter ist, fehlt dann meistens in der Winterfütterung. Viele Biobetriebe weisen in der Winterfütterung tiefe Harnstoffwerte auf. Es gibt Betriebe, welche im Durchschnitt unter 10mg/dl Milch liegen. Aber wider Erwarten sind die Tiere munter und gesund. Am FiBL wurden die Harnstoffwerte von über 200 Betrieben den Fruchtbarkeits- und Gesundheitsdaten gegenübergestellt. Resultat: tiefe Harnstoffwerte haben keinen negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit und Gesundheit der Tiere.

Abschliessend kann festgestellt werden, dass tiefer Harnstoff bei genügendem Futterangebot für Milchkühe keine Beeinträchtigung darstellt, dass hoher Harnstoff über längere Zeit zu Fruchtbarkeits- oder Klauenproblemen führen kann. CN

Weiterführende Informationen

Fütterung Milchvieh (ganze Rubrik)

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 20.10.2018

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