Kannibalismus bei Schweinen – was tun? 

Schwanzbeissen früh erkennen und sofort handeln

Schwanzbeissen kann in jeder Haltungsform auftreten. Die Ursachen sind sehr vielfältig. Das Risiko ist am geringsten, wenn die Schweine permanent Zugang zu Stroh haben, die Buchten eingestreut und Objekte zum Bearbeiten vorhanden sind. Schweine müssen ihre angeborenen Verhaltensweisen, hier im speziellen die Futtersuche und Erkundung, ausleben können, sonst kommt es zu einer Verhaltensstörung, nämlich dem Schwanzbeissen.

Wichtig sind zum Beispiel die Verfügbarkeit von Wühlmaterial und Raufutter, die Art und Zusammensetzung der Fütterung, der Zugang zu Wasser, die Flächengrössen, das Stallklima, die Gestaltung der Buchten, Gesundheitsprobleme, Parasitendruck und die genetische Veranlagung zu einem hohen Magerfleischanteil.

Unterschiedliche Formen von Schwanzbeissen

Die häufigste Form ist das sogenannte zweistufige Beissen. Man beobachtet Schweine, die die Schwänze ihrer Buchtengenossen ins Maul nehmen und belutschen. Teilweise lassen sich dann schon erste Zahnabdrücke an den Schwänzen erkennen. Durch diese orale Manipulation kann es zur Beschädigung der Haut mit Blutungen kommen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird der angebissene Schwanz auch für die übrigen Tiere in der Bucht interessant, da der Geschmack von Blut sehr attraktiv für Schweine ist. Jetzt ist geeignetes Beschäftigungsmaterial notwendig.

Eine andere Art ist das „plötzliche und gewaltsame Beissen“. Hier kommt es direkt zu Verletzungen und wird beobachtet, wenn Schweine für Ressourcen, wie z.B. Futter, anstehen müssen. Es geschieht aus einer Frustration heraus. Hier gilt es zu überprüfen, ob die Ressourcen für die Schweine optimal zur Verfügung stehen (Tier-Fressplatz-Verhältnis, Anzahl funktionierender Tränken, ausreichend Liegefläche) oder ob es Optimierungsbedarf gibt.

Die dritte Form ist das „zwanghafte Schwanzbeissen“: Diese Form des Schwanzbeissens betrifft Einzeltiere mit einem krankhaften Beisszwang. Die Schweine sind fokussiert auf die Schwänze ihrer Buchtengenossen und beissen relativ kurz und heftig zu. Das Quieken der Gebissenen ist zu Hören. Es gibt keine speziellen Opfertiere. Die Beisser müssen schnell identifiziert und abgesondert werden.

Wichtig ist, dass man die frühen Signale erkennt und so einen Ausbruch des Schwanzbeissens verhindern kann, beispielsweise durch das Prüfen der Tränken und das Anbieten von Ablenkungsmaterial und Futteralternativen. Es eignen sich Zweige, Salzlecksteine, Luzernepellets, Wühlerden und Ferkelwühlerde. Um das Kaubedürfnis zu befriedigen, eignet sich in erster Linie Holz.

Und wenn es passiert ist?

Beissende und verletzte Tiere müssen separat aufgestallt, die Verletzungen desinfiziert und behandelt und je nach Schwere Schmerzmittel und Antibiotika eingesetzt werden. Die Schwänze der verletzten Tiere können mit Bitterspray oder Teersalbe behandelt werden. Das Auftreten von Schwanzbeissen sollte dokumentiert werden, damit man auf Dauer die betriebsspezifischen Ursachen ermitteln kann.

Erfahrungsgruppe läuft

Das neue Projekt PigWatch www.pigwatch.net setzt sich mit dem Thema Früherkennung von Warnsignalen auseinander. Dazu hat das FiBL eine Arbeitsgruppe mit Landwirten gegründet, die sich zu diesem Thema austauschen und die Erstellung von Beratungsmaterial begleiten. Eingeladen sind Züchter und Mäster, die mit dem Thema konfrontiert sind, auch ausserhalb der Bioschweinehaltung.
PigWatch-Projekt (22.4 KB)
Bei Interesse melden Sie sich bitte bei Barbara Früh (Kasten rechts). BF

Weiterführende Informationen

Kannibalismus bei Schweinen – was tun? (gleiche Rubrik)

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 10.02.2017

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