Filme zum Sojaanbau: Grundlagen, Praxis, Anbauverfahren 

Anbauempfehlungen für Biokörnerleguminosen

Angebot und Nachfrage

Der im Inland produzierte Proteinanteil im Kraftfutter liegt in der Schweiz verglichen mit anderen Ländern auf einem tiefen Niveau. In den letzten zehn Jahren konnte er im Bioanbau von drei auf immerhin fünfzehn Prozent verbessert werden. Diese Steigerung ist im Wesentlichen auf die starke Ausdehnung des Mischkulturenanbaus von Eiweisserbse und Gerste und Ackerbohnen-Hafer Gemengen zurückzuführen. Eine weitere Zunahme der Körnerleguminosen ist in den nächsten zwei Jahren zu erwarten, da Bio Suisse ab 2022 verlangt, dass alles Futter für Wiederkäuer in der Schweiz produziert werden muss. Ausserdem darf nur noch fünf Prozent Kraftfutter eingesetzt werden. Diese Regelung hat zur Folge, dass die Nachfrage nach hochwertigen Eiweissen aus der Schweiz stark angsteigen wird. Besonders gefragt sind damit Soja und Lupinen.

Soja

Soja ist aufgrund der flexiblen Verwendungsmöglichkeiten die wichtigste Eiweisskomponente in Futtermischungen von Schweizer Futtermühlen. Biosoja wird in der Schweiz anders als in den meisten Ländern vor allem  für die menschliche Ernährung angebaut, vorwiegend für die Tofuproduktion. Ein Anbau zu Futterzwecken wurde erst 2018 gestartet. Der Grund dafür ist, dass ausländische Soja oder Sojapresskuchen auch in Bioqualität günstig importiert werden kann. Um gegenüber der ausländischen Soja konkurrenzfähiger zu sein, stützt Bio Suisse den Anbau von Soja und Lupinen in der Schweiz mit einer Anbauprämie von 35 Franken pro Dezitonne (Stand: Juni 2020). Der Anbau von Soja und Lupinen ist anspruchsvoller als der Anbau der einheimischen Körnerleguminosen Eiweisserbsen und Ackerbohnen. Soja wächst bevorzugt in den wärmeren Gegenden der Schweiz. Die Jugendentwicklung ist etwas zögerlich und die Konkurrenzkraft gegenüber dem Unkraut beschränkt. Die als Futtersoja angebauten Sorten sind etwas ertragsstärker und wuchsfreudiger und decken damit den Boden besser als die Sorten für Tofu. Meistens wird intensiv gehackt, sodass ein weiter Reihenabstand von zwazig bis fünfzig Zentimeter gewählt wird. Soja kann nicht in Mischkultur angebaut werden. Auch eine Direktsaat hat sich im Bioanbau bisher noch nie bewährt.

Lupinen

Die Lupinen werden gleich stark wie die Soja gefördert. Bisher werden nur wenige Hektaren angebaut, vor allem blaue Lupinen. Ein weitaus grösseres Potenzial hat nun die weisse Lupine. Vor über zwanzig Jahren wurde diese im grösseren Stil in der Schweiz angebaut. Wegen der Anthraknose (Brennflecken-Krankheit) war verschwand sie danach wieder vollständig. Momentan sind neue, Antraknose-tolerante Sorten im grösseren Versuchsanbau. Die weisse Lupine hat im Vergleich zur blauen Lupine grössere Blätter und einen kräftigeren Wuchs. Die Pflanzen beschatten den Boden schneller und besser. Trotzdem muss auch bei der weissen Lupinen das Unkraut im Auge behalten werden. Ähnlich wie bei Soja geht die grösste Gefahr von den bekannten Sommerkeimern, dem weissen Gänsefuss, von Amaranth, Knöterich und von den mehrjährigen Winden aus. Die Spätverunkrautung kann vor der Ernte auch noch ein Durchgang von Hand erfordern. Die Aussaat, Reihenweiten und die Impfung sind der Soja ähnlich, nur die Ansprüche an den Boden und der Aussaattermin sind anders. Lupinen können viel früher als Soja im März ausgesät werden, sie bevorzugen leicht saure Böden mit pH unter 6.5. Schwere, kalkhaltige Böden sind zu meiden.

Eiweisserbsen

Die einheimischen Eiweisserbsen und Ackerbohnen lassen sich extensiver anbauen als Soja oder Lupinen. In Mischkultur können sie heute mit einer Drillsaat auf zwölf Zentimeter  Reihenweite abgelegt werden. Ein Striegeldurchgang genügt, oft wird gar keine Unkrautregulierung durchgeführt. Die Mischkulturen sollten den Boden so gut decken, dass das Unkraut keine Chance hat. Als bester Mischungspartner hat sich bei den Eiweisserbsen die Gerste bewährt. Sie reift gleichzeitig ab und stützt die Eiweisserbse bis zur Ernte. Für tiefe Lagen wird der Anbau von Wintererbsen mit einer zweizeiligen Wintergerste empfohlen. Der Saatguthandel bietet bereits Fertigmischungen an. Oft muss das Mischungsverhältnis noch an den Standort angepasst werden. Es kommt häufig vor, dass die Gerste zu dominant wird und reduziert werden muss. Wintererbsen profitieren von der Winterfeuchte und entwickeln sich im Frühling relativ schnell. In höheren Lagen und wenn die Aussaat im Herbst nicht mehr möglich ist oder die Parzellen stark mit Ackerfuchsschwanz verseucht sind empfiehlt sich eher eine Aussaat im FrühlingIm Reinanbau sind Sommereiweisserbsen standfester als die langen Wintersorten. Für den erfolgreichen Anbau müssen Sommer-Eiweisserbsen möglichst früh und dicht gesät werden. Die empfohlene Aussaatmenge für den Reinanbau beträgt hundert Körner pro Quadratmeter.  

Im Reinanbau werden Eiweisserbsen meistens wie Soja auf fünfzig Zentimeter Reihenweite mit Einzelkornsaat gesät. Der Vorteil von Reinkulturen ist die höhere Ausbeute an Proteinen. Beim Mischkulturenanbau liegt der Anteil Leguminosen oft an der dreissig Prozent Grenze, das heisst, es wird schlussendlich mehr Gerste als Erbsen produziert. Reinkulturen müssen nach der Ernte nicht aufgetrennt werden. Geeignet sind mittelschwere und tiefgründige Böden mit guter Wassernachlieferung und einem pH-Wert über 6. Auf flachgründigen Böden entwickeln sich die jungen Pflanzen oft ungenügend. . Allgemein sind schwere Böden für Eiweisserbsen ungeeignet.

Ackerbohnen

Ackerbohnen bringen viel Grünmasse und decken den Boden am besten ab. Sie sind weitaus die konkurrenzkräftigsten Körnerleguminosen. In Parzellen mit etwas höherem Unkrautdruck ist die Winterackerbohne in Mischkultur mit Hafer die beste Option. Die Wintersorten sind bei Beginn des Blattlausflugs schon viel weiter entwickelt als die im Frühling ausgesäten Sorten. Sie sind deshalb wesentlich robuster gegenüber Blattläusen. Ackerbohnen benötigen viel Wasser bis zur Blüte. Auch hier sind die Winterformen oft im Vorteil, da sie noch die Winterfeuchte nutzen können und mehr Blattmasse bilden als die Sommerformen. Sommerackerbohnen können schon Anfang März gesät werden. Sie ertragen leichten Bodenfrost bis minus vier Grad Celsius. Der Anbau von Ackerbohnen ist auch auf schweren Böden mit pH über 7 möglich, also auch im Jura.. Ackerbohnen sind bei den Mühlen weniger beliebt als Eiweisserbsen. Das erklärt auch den tiefsten Preis aller Körnerleguminosen. Insgesamt haben Ackerbohnen aber auch ein relativ hohes Ertragspotential und im Vergleich zu den anderen Körnerleguminosen ein geringeres Anbaurisiko.

Film: Mit Mischkulturen die einheimische Eiweissversorgung erhöhen – eine Erfolgsgeschichte

Vor über zehn Jahren wurden in der Schweiz nur noch rund achtzig Hektaren Bioeiweisserbsen und -ackerbohnen angebaut. Der Eigenversorgungsgrad in der Fütterung lag gerade mal bei drei Prozent. Das Anbaurisiko war gross und die Preise im Vergleich zu Weizen eher tief. Deshalb wurden grosse Futtermengen importiert: Vor allem Biosoja aus China. In diesem Video erzählt Hansueli Dierauer, wie dieses Problem gelöst wurde.

Digitale Feldtage 2020: Mit Körnerleguminosen die einheimische Proteinproduktion fördern

FiBL-Mitarbeiter Hansueli Dierauer präsentiert an den digitalen Feldtagen 2020 in Kölliken AG Parzellen mit Ackerbohnen in Reinkultur und in Mischkultur mit Hafer. Die Mischkultur zeichnet sich durch eine bessere Bodenbedeckung und damit weniger Unkraut aus. Grosse Hoffnungen werden zudem in neue Sorten der weissen Lupine gesetzt sowie in neue Futtersojasorten, die kräftiger wachsen und den Boden besser bedecken. 

Feldtage (Webseite Feldtage)
Feldtage digital mitverfolgen (Webseite Schweizer Bauer)

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Weiterführende Informationen

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 11.06.2020

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