Wie winterbeständig sind Wintereiweisserbsen? Leguminosen – produktiv aber anspruchsvoll 

Anbau von Biolinsen

Erfahrungen in der Schweiz

Linsen gehören zu den ersten vom Menschen kultivierten Pflanzenarten. Sie sind Leguminosen, können also mit Hilfe von Knöllchenbakterien Luftstickstoff binden. Sie sind nach Soja die proteinreichste Hülsenfrucht. Sie ertragen Trockenheit gut. Der Durchschnittsertrag beträgt in Europa 7.6 Dezitonnen pro Hektare, wobei die Erträge je nach Region und Anbaumethode stark schwanken können. Die grössten Linsenproduzenten weltweit sind Kanada, Indien und die Türkei. In der Schweiz werden Linsen hauptsächlich in der Westschweiz angebaut. Die Importmenge übersteigt das einheimische Angebot, so dass die bestehende Anbaufläche ausgebaut werden könnte – sofern die Vermarkter und Konsumenten vom Mehrwert der Schweizer Linsen überzeugt werden können. Linsen sind zwar noch ein Nischenprodukt, die Nachfrage nach Hülsenfrüchten - und teils explizit mit Schweizer Herkunft – ist aber steigend. Seit Winter 2015/16 sind im Biofachhandel Schweizer Linsen von Biofarm erhältlich.

Herausforderungen
Vor allem wegen ihrer langsamen Jugendentwicklung und ihrer bescheidenen Pflanzenlänge gilt die Linse als konkurrenzschwach. Die erfolgreiche Unkrautregulierung von Linsen-Reinkulturen ist deshalb entscheidend für einen erfolgreichen Anbau. Ein interessanter Ansatz sind Linsen-Mischkulturen (siehe weiter unten).
Weitere Herausforderungen betreffen die Ernte: einerseits bedingt die geringe Standfestigkeit einen tiefen Schnitt und damit das Risiko Steine und Erde mit in den Mähdrescher zu befördern und andererseits reifen nicht alle Hülsen einer Pflanze gleichzeitig ab, was die Bestimmung des optimalen Erntezeitpunktes erschwert. Teilweise wird die Erntbarkeit mittels Schwaddrusch verbessert, eine Methode, welche aber das Risiko von Kornausfall mitbringt.

Mischkulturen
Im biologischen Anbau werden Linsen häufig als Mischkultur angebaut. Die potentiellen Vorteile einer Mischkultur betreffen vor allem die verbesserte Erntefähigkeit, da die Mischungspartner eine Stützfunktion übernehmen und die Linsen somit weniger lagern. Zudem haben gewisse Mischungspartner eine besser unkrautunterdrückende Wirkung als die Linsen, speziell nach dem Auflaufen. Weiter ist ein höherer Flächenertrag als in Reinsaat interessant, wobei der zusätzliche Aufwand der Trennungsarbeit des gemischten Erntegutes berücksichtigt werden muss. Auf der Schwäbischen Alb in Süddeutschland werden Linsen bereits seit mehreren Jahren erfolgreich in Mischkultur angebaut.

Entsprechend der in der Schweiz gesammelten Erfahrungen gibt es nicht EINEN für Linsen geeigneten Mischungspartner. Je nach Boden, Klima, vorhandener Mechanisierung, Möglichkeiten bei der Aufbereitung des Erntegutes können andere Partner geeignet sein. Wichtig ist, dass die Mischungspartner nicht zu hoch aufwachsen beziehungsweise zu dicht gesät werden und die Linsen beschatten.
Die an Mischkulturen interessierten Landwirte können sich an folgende Personen wenden, um eine mögliche Mischung für ihren Betrieb festzulegen:

  • Jürg Hiltbrunner, Agroscope, Institut für Pflanzenbauwissenschaften (siehe Kasten rechts) für die Deutschschweiz
  • Maurice Clerc, FiBL Lausanne (siehe Kasten rechts), für die Westschweiz)
  • Betreffend Wahl von Linsensorte und Mischungspartner ist in jedem Fall auch der Vermarktungspartner (z.B. Biofarm, siehe Kasten rechts), resp. der Aufbereiter der Linsen zu konsultieren.

Anbautechnik

SaatzeitpunktAb März bis Mai möglich, tendenziell so früh wie möglich
Saattiefe3 bis 4 cm
InokulationKeine Impfung der Linse mit Knöllchenbakterien notwendig, falls bereits Leguminosen auf der betreffenden Parzelle angebaut wurden
LinsensortenIn der Schweiz werden momentan vor allem grüne Linsen (Anicia) angebaut; erste Erfahrungen mit kleinen schwarzen Linsen (Beluga) sind ebenfalls zufriedenstellend
SaatdichteIn Reinsaat gemäss Empfehlungen aus der Schwäbischen Alb rund 88 kg / ha bei einem TKG von 32 und einer Keimfähigkeit von 90%. Kleinere Linsen mit entsprechend tieferem TKG (Bsp. Beluga) 55 bis 65kg / ha
SaattechnikIn Getreide-Mischkultur das Saatgut beider Pflanzen mischen und mit einer üblichen Getreidesämaschine säen. Bei Mischsaaten mit Leindotter ist dieser mit Vorteil separat mit einer Krummenacher-Breitsaatwalze oder ähnlichem Gerät für flache Breitsaat zu säen
UnkrautregulierungMöglich mit den Hackstriegel, der Striegeleinsatz kann aber heikel sein (Ausreissen von Linsen- und Mischungspartnerpflanzen)
ErnteMit dem Mähdrescher. Der Erntezeitpunkt ist schwierig zu wählen, da die Pflanze unregelmässig abreift (von unten nach oben). Eine Trocknung der Ernte ist fast immer notwendig

Auftrennung bei gemischtem Erntegut: mit Siebmaschine, Trieur und Tischausleser, von Vorteil auch mit Steinausleser. Ist je nach Mischungspartner sehr aufwendig. Vor einem erstmaligen Anbau muss die Trocknung und Aufbereitung vorgängig abgeklärt werden. Erfahrungen zur Auftrennung können an Jürg Hiltbrunner weitergeleitet werden. Mögliche Adressen für die Auftrennung können über Jürg Hiltbrunner oder Maurice Clerc bezogen werden.

Vertragsanbau für Bioproduzenten
Möglich über die Biofarm Genossenschaft (Kleindietwil). Kontaktperson: Hans-Georg Kessler (siehe Kasten rechts).

Tätigkeiten von Agroscope
Seit dem Jahr 2011 wurden mittels Streifen- und Kleinparzellenversuche verschiedene Erfahrungen gesammelt und Versuchsfragen bearbeitet. Dies einerseits mit verschiedenen Mischungspartnern (Sommerhafer, Sommerweizen, Buchweizen, Leindotter), verschiedenen Sorten, verschiedenen Saatdichten, verschiedenen Mischungsverhältnissen und auch verschiedenen Saatzeitpunkten (Herbst, Frühjahr). Ebenso wurde die Qualität verschiedener Linsensorten anhand einer Degustation untersucht. Im Rahmen von Flurbegehungen in der Schweiz oder aber im benachbarten Süddeutschland wird ein Beitrag zum Wissenstransfer geleistet.  

Dank
Das Projekt bei Agroscope wird von Bio Suisse im Rahmen der Knospe-Ackerbaubeiträge und von der Fondation Sur-La-Croix finanziell unterstützt.

Weiterführende Informationen
Heikle Hülsen: Wie Linsen sich lohnen (153.3 KB) (Artikel erschienen im Magazin Bioaktuell 9|2017)
Versuchsberichte von Agroscope (Webseite von Agroscope)
Öko-Erzeugergemeinschaft Alb-Leisa (Deutschland) (Externe Webseite)

Patrick Stettler und Jürg Hiltbrunner, Agroscope

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 15.01.2018

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