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Greenpeace-Studie «Pestizide in der Schweizer Luft»

Auf vier Schweizer Biobetrieben wurden die Daten für die neue Greenpeace-Studie «Pestizide in der Schweizer Luft» erhoben. Diese zeigt: Pestizide verbreiten sich stärker via Luft als gedacht. Greenpeace fordert ein Massnahmenpaket zum Schutz der Umwelt, der Bevölkerung und des Biolandbaus.

(11.11.2020) 

Von Mai bis November 2019 untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Umweltinstituts München im Auftrag von Greenpeace Schweiz auf vier Biobetrieben mit so genannten Passivsammlern die Drift von Pestiziden in der Luft. Ausgewählt wurden biologisch bewirtschaftete Betriebe: ein Weinbaubetrieb im Wallis, je ein Ackerbaubetrieb in der Nordwestschweiz und im Mittelland (beide im Kanton Aargau) sowie ein Obstbaubetrieb in der Ostschweiz (Thurgau). An allen Standorten wurde eine Mehrfachbelastung festgestellt: Insgesamt wurden 25 verschiedene Pestizide nachgewiesen, die teilweise als sehr giftig für den Menschen gelten und hochproblematisch sind für die Umwelt.

Die höchste Belastung wurde in den Walliser Bioreben gemessen. Nicht-Biowinzer in der Gegend bringen Pestizide teils mit Helikoptern und Drohnen aus. David Herrmann, Verantwortlicher Medienstelle bei Bio Suisse, sagt: «Bio Suisse war nicht an der Erstellung der Studie beteiligt. Abdrift ist für Biobäuerinnen und -bauern ein Problem. Sie bringen vollen Einsatz für eine Landwirtschaft ohne chemisch-synthetische Pestizide, und trotzdem belastet die Abdrift ihre Kulturen. Im schlimmsten Fall müssen sie ihre Produkte deklassieren, mit dramatischen finanziellen Konsequenzen. Das wollen wir so nicht hinnehmen.»

Kilometerweite Verbreitung von Pestiziden

Die Messungen bestätigen kürzlich in Deutschland veröffentlichte Recherchen. Auch bei korrekter Anwendung kommt es zum Ferntransport von Pestiziden. Selbst Stoffe, die kaum flüchtig sind, wie zum Beispiel das Herbizid Glyphosat, verbreiten sich an Staubpartikeln haftend mit dem Wind. Sie kontaminieren Ökosysteme sowie andere landwirtschaftliche Kulturen und stellen ein erhebliches Gesundheitsrisiko für Landwirtinnen und Landwirte sowie Anwohnerinnen und Anwohner dar.

«Unsere Untersuchung zeigt, dass es in der Schweiz – wie in anderen Ländern auch – ein Problem mit der Luftverfrachtung von Pestiziden gibt. Die chemisch-synthetischen Substanzen verbleiben nicht an ihrem Einsatzort, sondern werden zum Teil mehrere Kilometer weit getragen», sagt Alexandra Gavilano, Leiterin Landwirtschaft und Klima bei Greenpeace Schweiz. «Doch das Problem wird einfach ignoriert: Weder gibt es ein nationales Monitoring zur Abdrift von Pestiziden noch Untersuchungen zu den gesundheitlichen Auswirkungen für Landwirtinnen und Landwirte sowie Anwohnerinnen und Anwohner.»

Die Politik muss gemäss Greenpeace «endlich aus ihrem agrarpolitischen Lockdown erwachen.» Greenpeace fordert von Bund und Parlament ein Massnahmenpaket: «Die im Rahmen der AP22+ diskutierte Ökologisierung der Landwirtschaft ist trotz Widerstand der Agrarlobby schleunigst anzugehen. Das Ausbringen von Pestiziden mit Helikoptern muss verboten, der Drohnen-Einsatz stärker reglementiert werden. Behörden und Politik sollen sicherstellen, dass der Biolandbau vor Pestizid-Drift geschützt wird und die Biokonsumentinnen und -konsumenten ihre Wahlfreiheit behalten.»

Quelle: Medienmitteilung von Greenpeace Schweiz vom 11. November 2020


Weiterführende Informationen
Greenpeace-Studie «Pestizide in der Schweizer Luft» (2.1 MB)
Deutschlandweite Studie «Pestizid-Belastung der Luft» (Webseite Umweltinstitut München e.V.)
Abdrift konventioneller Pflanzenschutzmittel der Biokontrollstelle melden! (Rubrik Ackerbau)

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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