Jedem Boden sein Getreide 

Sortenempfehlungen für die Aussaat 2018 (Ernte 2019)

Noch bevor die Weizenernte anfängt, wird bereits das Saatgut für die Aussaat im Oktober bestellt. Die meisten Schweizer Biobauern wählen die Sorte Wiwa aus der Getreidezüchtung von Peter Kunz. In der Kategorie Mahlweizen von Bio Suisse (Top und gute 1. Klassweizen) erreichte Wiwa letztes Jahr einen Marktanteil von 52 Prozent. Das zeigt, dass die Biobauern mit der Sorte rundum zufrieden sind. Im Sinne der Sortenvielfalt sollte aber der Anteil nicht weiter zunehmen.

Aus der Getreidezüchtung Peter Kunz gibt es als Alternative Pizza und Tengri. Bezüglich Protein- und Feuchtklebergehalt ist Tengri noch besser als Wiwa. Beide Sorten können auch in Mischkultur angebaut werden, da sie den gleichen Abreifezeitpunkt haben. Die Sorte Pizza ist wegen ihrer Wuchshöhe und der horizontalen Blattstellung eine sehr guter Unkrautunterdrückerin. In der Proteinqualität steht sie aber am Ende der Liste. Aus der Züchtung von Agroscope/DSP wünschen sich die Verarbeiter vor allem Molinera und Runal. Beide Sorten haben zwar sehr gute Backeigenschaften, unter Biobedingungen sind sie aber nicht einfach anzubauen, da sie viel Stickstoff benötigen und nicht sehr robust sind. Lorenzo und Titlis sind eher an die Bedingungen des Biolandbaus angepasst und bringen stabile Erträge bei guter Qualität. Für die Aussaat 2018 steht erstmals Biosaatgut der neuen Sorte Baretta zur Verfügung. Sie hat sich in den Bioversuchen als ertragsstarke Sorte mit guten agronomischen Eigenschaften erwiesen. Wegen der durchschnittlichen Proteingehalte ist sie vorläufig nur provisorisch in die Klasse Top aufgenommen worden. Wie alle Sorten hat auch Baretta seine Schwächen, nämlich eine nicht sehr hohe Resistenz gegen Fusarien und Auswuchs. Man darf gespannt sein, wie sich Baretta nun in der Praxis bewährt.

Sortenliste Biogetreide 2019 erschienen

Weitere Informationen zu den Getreidesorten finden sich in der neuen Sortenliste, die soeben erschienen ist:

Sortenlisten Biogetreide Ernte 2019 und 2018 (FiBL-Shop)

Sommerweizen

Beim Sommerweizen gibt es keine Änderung. Fiorina ist nach wie vor die einzige Sorte in der Klasse Bio Mahlweizen Knospe. Fiorina hat sich als anfällig auf Gelbrost erwiesen und muss demnächst ersetzt werden.

Futterweizen

Nebst Ludwig (Swiss Granum Klasse 2) steht auch Bockris als Futterweizensorte zur Verfügung. Bockris fällt durch eine gute Bestockung und Bodenbedeckung auf. Bockris hat das höchste Ertragspotenzial und eignet sich besonders für nährstoffreiche Böden auf Umstellbetrieben. Bockris hat sich aber in den letzten Jahren als anfällig gegenüber Gelbrost erwiesen. Für Vollknospebetriebe kann Bockris auch als Flockenweizen im Vertragsanbau für Biofarm angebaut werden. Die Sorte Ataro aus der Getreidezüchtung Peter Kunz ist ebenfalls sehr ertragreich und eignet sich gut als Flocken- oder Futterweizen. Diese Sorte hat bessere Resistenzeigenschaften als Bockris und Ludwig.

Weitere Informationen:
Biofuttergetreide (Rubrik Markt)

Dinkel

Gesucht sind vor allem die Urdinkel Oberkulmer und Ostro, welche von der IG Dinkel vermarktet werden. Ostro ist die etwas modernere Sorte mit einem höheren Ertragspotential und etwas besserer Standfestigkeit. Ostro hatte 2016 grosse Probleme mit Gelbrost. In Absprache mit den Abnehmern lässt sich jede der in der Sortenliste aufgeführten Sorten anbauen, wie zum Beispiel Tauro oder Titan aus der Getreidezüchtung Peter Kunz. Titan hat ein etwas höheres Ertragspotential als die Urdinkelsorten. Neu auf der Sortenliste ist die Sorte Zürcher Oberländer Rotkorn. Sie ist ertragreich und weist eine verbesserte Standfestigkeit auf. Sie ist etwas anfällig auf Gelbrost und Braunrost.

Roggen

Neben Recrut stehen auch noch kleinere Mengen der Sorten Matador und Wiandi zur Verfügung. Das Ertragspotential liegt nahe bei Hybridsorten. Die Standfestigkeit ist aber deutlich geringer. Hybridsorten sind in der Knospe-Label Produktion verboten.

Emmer

Vom Emmer der Schweizer Landsorte Typ Züblin steht nur eine Selektion von Sativa mit dem Namen Lux zur Verfügung. Dies ist der begrannte, weisse Emmer.

Gerste

Bei den meisten Gerstensorten handelt es sich um Braugerste, die auch als Futtergetreide angebaut werden kann. Die zweizeilige Cassia eignet sich als Mischungspartner mit Wintereiweisserbsen. Die 6-zeilige Sorte Semper hat sich bewährt, KWS Meridian ist ebenfalls gut fü den Bioanbau geeignet. Der Unterschied im Hektolitergewicht zwischen den 2- und 6-zeiligen Sorten wird immer geringer.

Hafer

Für Speisezwecke mit hohem Hektolitergewicht wird vor allem Winterhafer angebaut. Als einzige Sorte steht Wiland zur Verfügung. In rauen Lagen ist wegen Auswinterungsgefahr Vorsicht mit Winterhafer geboten.
Beim Sommerhafer stehen drei Sorten zur Verfügung. Als Speisehafer kann Canyon und die neue Sorte Typhon verwendet werden. Husky ist hingegen bitter.

Triticale

In Bioqualität stehen Larossa und Cosinus zur Verfügung. Beide Sorten haben ein hohes Ertragspotential und eine gute Resistenz. Sie eignen sich auch für den Mischanbau mit Grasigerbsen (EFB33). Die Sorte Trialdo wird durch Tarzan ersetzt. Erstmals ist eine kleine Menge der Sommertriticale «Trado» vermehrt worden.

Hinweise für Umstellbetriebe

Für Umstellbetriebe sind die Absatzmöglichkeiten für Umstellgetreide beschränkt. Weitere aktuelle Hinweise befinden sich unter:
Vermarktung und Umstellung (Rubrik Markt)

Hansueli Dierauer, FiBL

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 11.07.2018

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