Nischenkulturen bereichern die Fruchtfolge 

Hanf - Anbau und Verwendungsmöglichkeiten

Obwohl manchmal zwischen Bauernhanf und indischem Hanf unterschieden wird, handelt es sich botanisch um dieselbe Pflanze. Ob es sich um eine klassische landwirtschaftliche Kultur handelt oder ob die Pflanze unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, bestimmt die Kulturführung und vor allem die verwendeten Sorten. Das entscheidende Kriterium ist der THC-Gehalt von maximal 1 Prozent in der Trockenmasse. THC (Delta-9-Tetrahydrocannabiol) ist das für die psychotrope Wirkung verantwortliche Cannabinoid. Hanf enthält zirka hundert weitere Cannabinoide, darunter das CBD (Cannabidiol), welchem eine beruhigende und angsthemmende Wirkung nachgesagt wird. Es soll zudem auf zahlreiche verschiedene Systeme im Körper wirken und ist daher von grossem therapeutischem Interesse. Der charakteristische Geruch von Hanf wird von organischen Verbindungen, den Terpenen, verursacht. Diese sollen eine entzündungshemmende, antibakterielle und antivirale Wirkung haben. Es ist also nicht verwunderlich, dass der Hanf in medizinischen Kreisen auf reges Interesse stösst.

Prädestiniert für den Bioanbau

Hanf (lateinisch: Cannabis sativa L.) ist eine einjährige zweikeimblättrige Pflanze. Ursprünglich ist Hanf eine zweihäusige Pflanze, das heisst, dass es weibliche und männliche Pflanzen gibt. Die männlichen Pflanzen bestäuben die weiblichen, welche wiederum die Samen bilden. Werden sie nicht befruchtet, bilden sie samenlose Blütenstände. Auf dem Markt gibt es einhäusige Pflanzen (auch Hermaphroditen genannt), welche gleichzeitig weibliche und männliche Blüten haben. Hanf bevorzugt mittelschwere Böden mit guter Wasserversorgung, erträgt aber weder Staunässe noch Verdichtungen. Der optimale pH-Wert des Bodens liegt zwischen 6 und 7,5.

Hanf hat keine besonderen Ansprüche an die Vorfrucht, hat aber Dank seiner Pfahlwurzel einen guten Vorfruchtwert. Es empfiehlt sich eine dreijährige Anbaupause. Hanf ist anspruchslos und robust. Die häufigste Krankheit ist Botrytis. Man kann also sagen, dass sich Hanf besonders für den Bioanbau eignet. Er kann wegen seiner Faser, seiner Samen oder seiner weiblichen unbefruchteten Blütenstände (mit dem hohen Wirkstoff Gehalt, bei legalem Hanf ist das CBD) angebaut werden. Die Anbautechnik unterscheidet sich je nach Verwendung des Endproduktes (siehe Tabelle unten). Der illegale Hanfanbau zu Betäubungsmittelzwecken wird in diesem Artikel nicht thematisiert.

Eine Qualitätsfaser

In der Schweiz ist die Hanffaserindustrie praktisch inexistent, ganz im Gegensatz zu Frankreich und Deutschland (Links am Ende des Artikels). Diese Länder haben in den letzten Jahren die Bemühungen in diesem Bereich massiv verstärkt. Die Hanffaser befindet sich im Stengel, weshalb man für diesen Verwendungszweck eine dichte Kultur mit möglichst vielen langen Stengeln anstrebt. Um die Faser (die Filamente) zu entnehmen, müssen die geschnittenen Stengel während zwei bis drei Wochen auf dem Feld bleiben und regelmässig gewendet werden, damit sie gleichmässig den Elementen ausgesetzt sind. Während dieser Röstphase wird das Pektin, welches die Faser zusammenhält, durch Regen und Sonne abgebaut. Wenn sich das Filament von den verholzten Teilen (Schäbe) gelöst hat, kann das Erntegut in Ballen gepresst und bis zum Spinnen eingelagert werden. Die Schäbe wurde früher als Einstreu verwendet, heute dient sie auch als Rohstoff für Isoliermaterial (Gebäudeisolation).

Die Hanffaser ist von guter Qualität und kann vielseitig eingesetzt werden (Seile, Kleider, Schnur, Papier, Isolierung, Formteile für die Autoindustrie usw.).

Ein wertvolles Öl

Zur Produktion von Hanföl werden die Samen geerntet und ausgepresst. Im Öl aus Samen sind keine psychoaktiven Wirkstoffe enthalten, denn es handelt sich nicht um das ätherische Öl oder den Auszug aus dem Harz der Pflanze. Geerntet werden die Samen mit Mähdreschern, welche leicht modifiziert werden und nur die obersten Teile der Pflanzen ernten. Der Drusch ist anspruchsvoll, die Fasern können sich um die Dreschtrommel wickeln und die Maschine verstopfen, was langwierige Reinigungsarbeiten zur Folge haben kann. Aus demselben Grund ist es auch sehr schwierig, das Hanfstroh zu häckseln. Momentan gibt es in der Schweiz nur eine sehr kleine Ölproduktion. Das Biospeisehanföl bzw. die Hanfsamen werden importiert. Immerhin, die Berner Ölmühle stellt Hanföl aus Schweizer Biohanfsamen her. (Internet-Laden-Preis: Fr. 155.- pro Liter).

Unter hiesigen Bedingungen können im Bioanbau 800 bis 1000 kg Samen pro Hektare mit einer Ölausbeute von 30 bis 35 Prozent erwartet werden. Das Öl ist reich an Proteinen sowie Omega 3 - und Omega 6-Fettsäuren. Für Hanföl gibt es neben der Ernährung zahlreiche weitere Verwendungsmöglichkeiten, zum Beispiel als Brennstoff (es wurde sogar von Rudolf Diesel bei der Entwicklung seines berühmten Motors verwendet), in Farben, Lacken, Kreiden sowie im kosmetischen Bereich.

Es ist möglich, nach dem Drusch der Samen die Stengel als Rohstoff zur Weiterverarbeitung zu nutzen, allerdings ist die Qualität geringer, weil die Pflanze für Ölproduktion später geerntet wird, als für Faserproduktion.

Samenlose Blüten mit hohem CBD Gehalt

Die Produktion von legalen Blüten ist viel anspruchsvoller als die Faser- und Samenproduktion, da ausschließlich weibliche Pflanzen in der Form eines «Weihnachtsbaumes» kultiviert werden. Um eine große Zahl von unbefruchteten Blütenständen zu erreichen muss verhindert werden, dass männliche Pflanzen die weiblichen bestäuben. Deshalb werden die männlichen Pflanzen eliminiert, und es dürfen sich keine anderen Hanffelder in der Nähe befinden. Da nur eine oder zwei Pflanzen pro Quadratmeter angestrebt werden, ist diese Kultur sehr anfällig auf Schnecken, Erosion und Beikräuter. Eine Unkrautbekämpfung ist unumgänglich und erfolgt durch sorgfältiges Hacken.
Der CBD/THC-Gehalt hängt u.a. von der Witterung ab.

Der Biohanf ist bei den Konsumierenden von legalem Cannabis besonders hoch im Kurs, da er keinerlei Pestizidrückstände enthält.

Anbaudaten für Hanf

VerwendungFaserSamenBlütenstände
Häusigkeitzwei- und einhäusigzwei- und einhäusigzweihäusig
SaatzeitpunktMitte März bis Mitte AprilEnde April bis Anfang MaiEnde April bis Mitte Mai
Bodentemperatur mindenstens5 °C8 °C10 °C
Saatmengezirka 30 kg pro Hektare20 bis 30 kg pro Hektarezirka 15 Körner pro m2
Sämaschine (Art)GetreideGetreideEinzelkorn
Saattiefeschwere Böden: 3 bis 4 cm
leichte Böden: 6 cm
schwere Böden: 3 bis 4 cm
leichte Böden: 6 cm
schwere Böden: 3 bis 4 cm
leichte Böden: 6 cm
TKG16 bis 19 Gramm12 bis 17 Grammzirka 16 Gramm
Reihenabstand10 bis 20 cm10 bis 20 cm50, 100 oder 150 cm
Unkrautregulierungnicht nötig bei gutem Auflaufen des Hanfesnicht nötig bei gutem Auflaufen des Hanfessehr sorgfältiges Hacken
DüngungN: 100 kg
P2O5: 90 kg
K2O: 200 kg
Mg: 25 kg
N: 60 kg
P2O5: 50 kg
K2O: 100 kg
Mg: 15 kg
N: 60 kg
P2O5: 50 kg
K2O: 100 kg
Mg: 15 kg
ErnteAugust bis September, wärend der BlütezeitSeptember, wenn die Samen beginnen auszufallenSeptember bis Oktober, von Hand

Eine Kurzfassung dieser Seite erschien im Magazin Bioaktuell 6|2017 auf den Seiten 10 und 11:
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Quellen:
Steckbrief Hanf, Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg, Datenblatt von Agridea zu Hanf, 2004

Weiterführende Informationen


Christian Hirschi und Matthias Klaiss, FiBL

 

 

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 27.06.2018

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