Angebot an Bioschweinen nimmt zu

(20.12.2011) 

Im Gegensatz zum übrigen Markt sind die Preise für Bioschweine auf hohem Niveau. Der Bioschweinemarkt ist jedoch klein und der Absatz begrenzt. Interessenten brauchen deshalb schon vor der Umstellung einen Abnehmer.

Anders als im konventionellen Markt sind die Preise für Bioschweine und -jager seit Mitte 2008 auf hohem Niveau stabil. Für Jager mit einem Gewicht von 20 Kilo lösen die Produzenten aktuell einen Kilopreis von 10.60 Franken und für Mastschweine einen Kilopreis von 7.20 Franken (franko Schlachthof). Das hohe Preisniveau konnte so lange gehalten werden, weil der Bioschweinemarkt massiv unterversorgt war. Tiefe Preise im Jahr 2005 hatten dazu geführt, dass viele Produzenten die Ferkelproduktion nicht mehr kostendeckend betreiben konnten und deshalb ausstiegen. Bioschweinefleisch wurde in der Folge zur Mangelware, so dass sich die Preise allmählich wieder erholten.

Jetzt auch Umstellschweine

Für konventionelle Betriebe war die Umstellung auf Bio jedoch nach wie vor ein finanzielles Risiko, da die Tiere während der zweijährigen Umstellzeit trotz hoher Futterkosten und einer tieferen Umtriebszahl pro Jahr in den konventionellen Kanal geliefert werden mussten. Mit dem Entscheid von Coop, zeitlich begrenzt auch Schweine von Umstellungsbetrieben zum Knospe-Preis abzunehmen, konnte im 2011 in Zusammenarbeit mit Händlern, Mästern und Züchtern das Angebot deutlich vergrössert werden. In den Kalenderwochen 40 bis 45 wurden 2011 wöchentlich rund 60 Prozent mehr Bioschweine geschlachtet als noch vor einem Jahr.

Bisher konnte die Mehrproduktion abgesetzt werden. Die Verarbeiter haben ihre Abnahmemengen dem Angebot angepasst und stellen jetzt Verarbeitungsprodukte her, welche in den letzten Jahren mangels Bioschweinefleisch nicht im Sortiment waren. So hat Coop jetzt Schweinsbratwürste, Salami, Speck und Schinken im Angebot, welche der Detailhändler mit der Umstellungsknospe auszeichnet. Gemäss Urs Weingartner, Einkäufer Labelfleisch bei Coop, laufe der Verkauf den Erwartungen entsprechend, das momentane Angebot decke den Bedarf an Bioschweinefleisch weitgehend. «Coop hat mit Händlern und Produzenten eigene Versorgungsketten aufgebaut und kann bei Bedarf relativ flexibel die Mengen erhöhen.»

Auch die Migros arbeitet mit Erzeugergemeinschaften zusammen. Laut Migros Sprecherin Martina Bosshard sei die Zahl der geschlachteten Bioschweine im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent gesteigert worden. Für 2012 sei in einzelnen regionalen Genossenschaften eine Sortimentsausweitung auf kleinem Niveau geplant. Aber erst wenn die Nachfrage anhalte und eine Vollverwertung der Bioschweine möglich sei, werde die Ausweitung ins nationale Sortiment ins Auge gefasst.

Vor Einstieg Absatz sichern

Auf das Jahr 2012 werden erneut einige Zucht- und Mastbetriebe auf biologische Produktion umstellen und das Angebot an Jagern und Schlachtschweinen weiter vergrössern. Werner Ammann, Präsident der Fachkommission Fleisch von Bio Suisse, warnt davor, dass auf die Phase der Unterversorgung eine Phase der Überversorgung mit entsprechend tiefen Preisen folgen könnte. Deshalb appelliert er genauso wie Erhard Unternährer von der Viegut AG, einem Zulieferer von Bell/Coop, an alle Umstellungsinteressierten: «Interessierte sollen die Umstellung nur dann in Angriff nehmen, wenn sie die Absatzmöglichkeiten genau ausgelotet haben und einen Abnehmer für ihre Tiere gefunden haben.» Eine umsichtige Klärung der Absatzmöglichkeiten ist insbesondere deshalb von grosser Wichtigkeit, weil der Bioschweinemarkt nach wie vor eine Nische ist. Der Anteil der 2010 geschlachteten Bioschweine macht nicht einmal ein Prozent aller in der Schweiz geschlachteten Schweine aus.

Autor: Reto Bergmann, Bio Suisse

Weiterführende Informationen

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Schweine (Rubrik Tierhaltung)

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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