Engagierte Landwirte gegen die Gentechnik gesucht

(01.04.2009) 

Am 24. und 25. April 2009 findet in Luzern die 5. Europäische Konferenz der gentechnikfreien Regionen „Food and Democracy“ statt. Für die Konferenz werden noch Landwirte gesucht, die sich gegen die Einführung von Gentechnik in der Landwirtschaft engagieren wollen! Die Konferenz bietet die Gelegenheit, sich über die Entwicklungen in der Gentechnik aus erster Hand zu informieren, Argumente auszutauschen, Vernetzungen aufzubauen und – nicht zuletzt – Gleichgesinnte wiederzutreffen oder neu kennenzulernen.

Warum teilnehmen?

Die Konferenz "Food and Democracy" fällt in eine entscheidende Phase der Auseinandersetzung um die Agro-Gentechnik in Europa. Der Kampf um Zulassungen in der EU, um die Autonomie von Mitgliedstaaten und die Schaffung gentechnikfreier Zonen ist in vollem Gange. Wesentliche Entscheidungen fallen in den kommenden Monaten. Dazu laufen organisierte Aktionen seitens der Gentechnik-Gegner.

Auf der Europäischen Konferenz vom 24./25. April 2009 in Luzern können sich Interessierte über all diese Entwicklungen aus erster Hand informieren und organisieren.

Neue Gentechnik-Sorten vor dem Anbau

Europa ist bisher weitgehend gentechnikfrei. Der GVO-Anbau in der EU liegt heute unter 0.01% des weltweiten Anbaus und beschränkt sich auf die Länder Deutschland, Spanien, Portugal, Tschechien und die Slowakei. Seit 1998 wurden keine neue GVOs zum Anbau zugelassen.

Erstmals will die EU-Kommission jetzt neue Gentechnik-Sorten zum Anbau zulassen. Die EU-Mitgliedstaaten konnten sich im Februar 2009 nicht über neue Anbau-Zulassungen der beiden gentechnisch veränderten Bt-Maislinien Bt11 und 1507 einigen. Die Abstimmung im "Ständigen Ausschuss" endete ohne qualifizierte Mehrheit. Jetzt müssen die EU-Minister entscheiden.

Zahlreiche EU-Länder haben so genannte nationale Schutzklauseln für sich in Anspruch genommen und den Anbau des einzigen zugelassenen Gentech-Mais (Monsanto’s Mon 810) in ihren Ländern verboten. Die EU Kommission will diese Verbote aufheben.

Die Anbauverbote in Österreich und Ungarn wurden im März von einer 2/3 Mehrheit der EU-Minister gegen den Vorschlag der Kommission aufrecht erhalten.

Ob auch die Anbauverbote in Frankreich und Griechenland erhalten bleiben wird in den nächsten Wochen entschieden. Die französische Regierung hält an ihrem Anbauverbot im Jahr 2009 fest.

Der österreichische Agrarminister Berlakovich verlangt, dass zukünftig die Mitgliedstaaten selbst entscheiden, ob eine bestimmte gentechnisch veränderte Sorte angebaut werden darf oder nicht.

Auch die deutsche Bundesregierung verschärft ihren Kurs in der Agro-Gentechnik und will jetzt ebenfalls ein Anbauverbot für gentechnisch veränderten Mais prüfen. Dies hat die deutsche Agrarministerin Aigner mit Unterstützung des Umweltministers Sigmar Gabriel angekündigt.

Der deutsche Bauernpräsident Gerd Sonnleitner verlangte Mitte Februar, den Anbau von MON810 zu verbieten.

In Bayern hat sich die Ablehnung der Grünen Gentechnik zu einem „Volksaufstand“ entwickelt. Die Politik kündigt Anbauverbote für gentechnisch veränderten Bt-Mais an. Auch Freisetzungsversuche sollen nicht mehr geduldet werden. "Wir wollen keine kommerzielle Nutzung der Grünen Gentechnik in Bayern", erklärte der bayrische Staatsminister Mitte Februar.

Stop the Crop

Die Internetaktion Stop the Crop will den Anbau von Gentech-Pflanzen in Europa verhindern.

Das Moratorium in der Schweiz
 
Die Schweiz ist in Europa das einzige Land mit einem in der Bundesverfassung (Artikel 197 Ziffer 7) verankerten Anbaumoratorium. In der Zeitperiode der Konferenz wird in der Schweiz die Diskussion um eine Verlängerung des Moratoriums laufen. Der Bundesrat will dem Parlament eine dreijährige Verlängerung vorschlagen. Das Parlament wird das Geschäft in der Sommersession behandeln. Die Konferenz „Food and Democracy“ wird auf den Entscheid Einfluss nehmen!

Das Programm
 
Zwei Tage lang wird bei Food and Democracy über die Zukunft von Landwirtschaft und Ernährung debattiert. Es werden 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 30 Ländern erwartet.

Zur Konferenzeröffnung sprechen 11 prominente Persönlichkeiten aus der Schweiz und der EU. Darunter ist die ranghöchste Schweizerin, Nationalratspräsidentin Chiara Somoneschi-Cortesi, der österreichische Agrarminister Nikolaus Berlakovich, der schottische Umweltminister Michael Russell und Renate Künast, die Fraktionsvorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen aus Deutschland.

In Sitzung 1 erfahren die Teilnehmer von führenden Leuten der Gentechnikfrei-Bewegung die Gründe für ein Europa ohne Agro-Gentechnik und was es für Möglichkeiten gibt, dies sicher zu stellen. Neue alternative Perspektiven werden diskutiert.

In Sitzung 2 präsentieren 12 Staaten aus Europa Argumente zu „Food and Democracy“ aus Sicht ihrer Länder.

Am Samstag wird in 11 Workshops zu Demokratie, Ernährung und Gentechnikfreiheit diskutiert.

Zum Abschluss werden gemeinsam die Visionen von einem gentechnikfreien und demokratischen Europa der Regionen formuliert werden.

Autor: Daniel Ammann, Geschäftsleiter Schweizerische Arbeitsgruppe Gentechnologie

Weiterführende Informationen:

Anmeldung zum Kongress

Zum Stand der Gespräche in Europa

Nationale Schutzklauseln gegen Agro-Gentechnik

Anbauverbote in Österreich und Ungarn

Anbauverbote in Frankreich und Griechenland

Stellungnahme des österreichischen Agrarministers Berlakovich

Stellungnahme der deutschen Agrarministerin Aigner

Stellungnahme des deutschen Bauernpräsidenten Gerd Sonnleitner

Widerstand in Bayern 

Internetaktion Stop the Crop

Anbaumoratorium Schweiz

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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