Humusbewirtschaftung im Obstbau entscheidend

(04.02.2016) 

An der diesjährigen Bioobstbautagung am FiBL erhielten die Besucher die neuesten Marktnews und konnten sich an Vorträgen und Diskussionen über aktuelle Praxisthemen informieren.

Marktsituation beim Bioobst

Kernobst: Die abgesetzten Mengen sind beim Kernobst zwar stabil, aber die Bäume wachsen in diesem Segment nicht in den Himmel. «Wir produzieren kein Produkt, das extrem gesucht ist», fasste Hans Oppikofer, Vorsitzender Fachgruppe Obst- und Beeren von Bio Suisse zusammen. Beim Mostobst sieht der Markt besser aus, Biomostobst ist gesucht. Lagerüberhänge aus ertragsreichen Jahren können dank der Konzentrat-Rückverdünnung nun gut aufgefangen werden.
Bezüglich Übernahmebedingungen bei Tafeläpfeln gibt es zwei Neuerungen:

  • Die mittlere Preisklasse wird aufgehoben. Somit gibt es nur noch die Klasse zu Fr. 2.30 pro kg und diejenige zu Fr. 1.90 pro kg. Die Sorten der mittleren Preisklasse werden aufgeteilt.
  • Das Mindestkaliber wurde  auf 60 mm erhöht.

Steinobst: Die Marktsituation beim Steinobst ist nach wie vor gut. Der Biokirschenanbau hat sich verdoppelt auf heute gut 15 Hektaren. Viele dieser Kirschen gehen aber in die Direktvermarktung und an Wochenmärkte, der Handel ist nach wie vor an Kirschen interessiert. «Für ein wichtiges Problem, die Blütenmonilia, wo bisher mit verschiedenen Biofungiziden eine Teilwirkung erzielt werden konnte, steht ab 2016 das Produkt Armicarb (Kalium-Bicarbonat) zur Verfügung», sagte Andreas Häseli, Bioobstbauberater am FiBL. Bei der Kirschenfliege zeigen neue Versuche, dass mit drei Behandlungen Neem-Azal-T/S eine Teilwirkung möglich ist, die Bewilligung dafür fehlt aber noch.
Der Biozwetschgenanbau macht noch etwas Sorgen. Die Investitionskosten sind zwar gering, das Anbaurisiko aber hoch. Pflaumenwickler, Zweig- und Fruchtmonilia sowie Hagelschäden machen diese Kultur sehr unsicher. In einem neuen Versuch am Breitenhof in Wintersingen BL soll nun der Frage nachgegangen werden, ob sich Biozwetschgen mit Witterungsschutz wirtschaftlich produzieren lassen. 12 Sorten stehen im Test, mit und ohne Witterungsschutz. Mit den ersten Erkenntnissen ist Ende 2016 zu rechnen.

Beeren: Bei den Beeren haben sich vor allem der Erdbeer- und der Heidelbeeranbau in den letzten Jahren stark entwickelt: Die Erdbeerfläche hat sich verdreifacht, die Heidelbeerfläche verdoppelt. Die Himbeerfläche blieb hingegen konstant. Die anderen Beerenarten haben bestenfalls Nischenbedeutung.

Bodenfruchtbarkeit, Kompostdüngung, Leguminoseneinsaat

Franco Weibel, langjähriger FiBL-Mitarbeiter und Wegbereiter des Bioobstanbaus für den Grosshandel, hat das FiBL Ende Jahr verlassen und arbeitet nun beim Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain BL. An der Bioobstbautagung präsentierte er seine Beobachtungen und Erkenntnisse in Bezug auf Düngung von Obstkulturen aus 22 Jahren Bioberatung- und Forschung. «Die Pflanzenleistung im Bioobstbau reagiert stark auf den Bodenzustand. Es lohnt sich also, diesen gezielt zu verbessern», lautet sein Fazit. Es gebe aber kein Patentrezept. Wichtig sei eine Situationsanalyse mit Wuchsbeobachtung, Standard-Bodenanalyse und Bodenprofil. Als Einflussmöglichkeiten die es je nach Situation anzupassen gelte, nennt Weibel physikalische Bodenverbesserungen, Kompostgaben, die Stickstoffdünger und die Begrünung.

Christian Vogt, Bioobstbauer aus Remigen AG, berichtet von seinen Erfahrungen in der Praxis. «Wir haben früher viel mit biologischem Sackdünger gearbeitet. Davon sind wir abgekommen.» Es sei nämlich wichtig den Humusgehalt zu erhöhen, gerade bei schweren Böden. Seit auf dem Betrieb Vogt regelmässige Kompostgaben Standard sind, habe sich die Krümelstruktur massiv verbessert. «Das Hackgerät braucht weniger Traktorleistung und hinterlässt keine Schmierspuren mehr», so Vogt. «Wichtig ist die Qualität des Komposts: Er darf keine Verunreinigung aufweisen und muss gut ausgereift sein.» Neben den Kompostgaben sei eine frühe Wiederbegrünung und frühes Hacken wichtig.

Chistoph Surbeck aus Weinfelden TG erzählt von seinen Erfahrungen mit Leguminoseneinsaaten. Mit Dichtsaat von Ackerbohnen im Baumstreifen habe er eine gute Verbesserung der oberen Bodenschicht erzielen können. Dazu habe er früh gehackt mit dem Ladurner (siehe unten), günstig beschaffte Futterackerbohnen mit dem Pendelsüngerstreuer gesät und danach gleich noch einmal gehackt. Die gekeimten Pflanzen hat er dann vor der Blüte mit dem Ladurner eingearbeitet. Die Bäume hätten sichtlich von dem Nährstoffschub profitiert. Markus Spuhler

Weiterführende Informationen

Bioobst (Rubrik Markt)

Obstbau (Rubrik Pflanzenbau)

Ladurner Greenmaster (Film, YouTube)

Programm der Bioobstbautagung vom 22.01.2016 (Rubrik Agenda)

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

Werbung