Niklaus Wynistorf ist gestorben

Der Biolandwirt, langjährige Präsident der Produzenten-Anerkennungs-Kommission (heute MKA) und Gründer der Bio Test Agro AG ist am 23. Juni im Alter von 63 Jahren gestorben. Ein Nachruf von Paul Walder.

(02.07.2019) 

 

Ein Visionär ist für immer von uns gegangen

Mit Bestürzung müssen wir den schmerzlichen Verlust unseres hoch geachteten Vordenkers, langjährigen Geschäftsführers und Verwaltungsratskameraden der Bio Test Agro AG zur Kenntnis nehmen.

Vor 22 Jahren, der Begriff bio war soeben staatlich geschützt und definiert worden, galt es die Funktion der Zertifizierung aus der Tätigkeit der Bio Suisse auszulagern. Ein Szenario, das dem Präsidenten der damaligen Produzenten-Anerkennungs-Kommission, dem weitsichtigen Niklaus Wynistorf suspekt war. Hart erarbeitete bäuerliche Eigenständigkeit stand auf dem Spiel. Niklaus sah sich nach Mitstreitern mit ähnlichem Pioniergeist um. Eine Gruppe von fünf Biobauern fand sich zusammen aus unterschiedlichsten Regionen. Seine Ausstrahlung und Überzeugungskraft schweisste uns zu einer verlässlichen Gruppe zusammen, den Gründern der bäuerlichen Kontrollfirma BTA.

Seine visionäre Art vermochte zu überzeugen. Immer wieder war er uns gedanklich ein Kapitel voraus und behielt recht. Das machte ihn verlässlich und vertrauenswürdig. So kam es, dass wir keinen Moment zögerten, trotz massivem Risiko für die Firmengründung unsere ersparten Vermögen zusammenzulegen.

Ein Visionär lässt sich von seinen Bildern und Vorstellungen leiten. So ist es nicht verwunderlich, dass Niklaus oft in Bildern sprach und bildhafte Vergleiche meist aus der Landwirtschaft gebrauchte auch für ganz abstrakte Abläufe.

Niklaus behauptete von sich, ein Zahlenmensch zu sein, was er als langjähriger, erfolgreicher Geschäftsführer und als Revisor immer wieder unter Beweis stellte. Noch in bester Erinnerung aus der Zeit als Niklaus die Markenkommission Anbau präsidierte, bleibt die Überführung eines fehlbaren Produzenten nur aufgrund dessen Buchhaltung, wo hingegen Kontrolleure in Feld und Lager keinerlei Mängel nachweisen konnten.

Und dennoch, Fairness, Gerechtigkeit aber auch Toleranz und Weitsicht waren stets seine Wegweiser, nicht zuletzt aus seinem tief verankerten Glauben. So war es für ihn selbstverständlich und ein hohes Ziel, dass alle Mitarbeiter unabhängig von ihren Funktionen und Verantwortungen zum gleichen Lohn arbeiten konnten. Wahrlich ein revolutionäres wie auch nachahmenswertes Modell.

Für viele unbeantwortet wird die Frage bleiben, woher eine solche Persönlichkeit wie Niklaus seine Visionen hatte, seine zuvorkommende ruhige Art neben seiner Beharrlichkeit und Zielstrebigkeit. Da musste eine verlässliche Quelle sein, die nicht jedermann im gleichen Mass zugänglich ist. Ganz bestimmt aber war das auch seine umsichtige, ihn unterstützende Ehefrau Marianne.

Auch wenn für ihn klar war, dass das Leben einer Durchreise gleicht und mit dem Ende des irdischen und zeitlichen nicht aufhört, für uns Zurückbleibenden wird Niklaus fehlen. Auch wenn wir dankbar sind für das, was wir gemeinsam erleben und aufbauen und ganz besonders von ihm lernen durften.

Paul Walder, Gründungsmitglied BTA

 

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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