Grasfütterung: Es besteht weiterer Diskussionsbedarf Content

Der Schweizer Biodachverband Bio Suisse wird 2016 über ein Obligatorium für graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion (GMF) entscheiden. Das Direktzahlungsprogramm des Bundes honoriert hohe Grasfütterungsanteile. Die Biolandwirte beteiligen sich bereits sehr rege, viele Ackerbauern zögern aber noch, weil in den GMF-Vorschriften nur ein kleiner Maisanteil in der Ration erlaubt ist.

Es war eine etwas verkehrte Welt, als sich Bauernverbandspräsident Markus Ritter im «Kassensturz» des Schweizer Fernsehens kürzlich dafür verteidigen musste, dass die Schweizer Bauern gemäss ersten Zahlen mehrheitlich am GMF-Programm teil- nehmen wollen. Die Konsumentsendung interpretierte dies nicht etwa als gutes Omen für eine nachhaltige Landwirtschaft, sondern als Beweis dafür, dass das Programm eine zahnlose Giesskannensubvention sei.

Drohendes Fiasko abgewendet

So ganz harmlos ist das Programm aber nicht, wie sich an der Frühlings-Delegier- tenversammlung von Bio Suisse in Olten zeigte. Die Abgeordneten betrachteten es im zweiten Jahr in Folge als zu früh, einen Entscheid für ein GMF-Obligatorium ab 2018 zu f ällen. Während der entsprechende Antrag des Vorstands im Frühling 2014 am Widerstand der Ackerbauern scheiterte, waren es diesmal eher strategische Gründe, die gegen eine Abstimmung über einen solchen Schritt sprachen. Der kurzfristig eingereichte Vorstoss der Bärner Biobure für eine sofortige Abstimmung über das Obligatorium erwischte einige Mitgliedorganisationen auf dem falschen Fuss und sie drohten mit Nein-Stimmen. Präsident Urs Brändli warnte darauf vor einem Fiasko. Ein Nein zu GMF aus der Biobranche wäre imagemässig wohl in der Tat kein Gewinn. Diese Verantwortung wollten die Berner dann doch nicht auf sich laden und zogen ihren Antrag deshalb zurück, womit der Verschiebung der Abstimmung auf Frühjahr 2016 nichts mehr im Weg stand.

Das nun zur Verfügung stehende Jahr soll für ausführliche Diskussionen genutzt werden. Dabei geht es nicht nur um die Frage «GMF ja oder nein?», sondern auch um die konkrete Ausgestaltung des Programms. In der derzeitigen Form (mindestens 75 Prozent Grasfütterungsanteil in der Talzone, 85 Prozent im Berggebiet) sind es vor allem die Mitglieder mit Mais in der Fruchtfolge und in der Futtermischung, die sich mit GMF schwertun. Abzüglich der maximal 10 Prozent Kraftfutter blieben dann für Ganzpflanzen- und Silomais in der Ration der Talbauern nurmehr 15 Prozent, deutlich weniger, als heute vielerorts eingesetzt wird.

Hansueli Dierauer, Ackerbauberater am FiBL, sieht sich deshalb von vielen Bio- ackerbauern unterstützt, wenn er sagt, dass man den Mais nicht verteufeln dürfe. Es handle sich dabei um eine der wenigen Ackerkulturen, die man im Griff habe: «Die Erträge sind gut, Krankheitsprobleme gibt es kaum, und die Erosion wird durch Unkraut zwischen den Reihen verhindert», sagt Dierauer.

Mehrere Alternativen in Diskussion

Um die Maisproblematik zu entschärfen und gleichzeitig den Anschluss an die Konkurrenz nicht zu verlieren, studiert man bei Bio Suisse und an der Basis an allerhand Alternativen herum (siehe separate Artikel auf Seite 8/9). Die Ideen reichen von höheren Beiträgen über eine generelle 75-Prozent-Limite für alle Höhenlagen und eine Ausnahmeregelung für Betriebe ohne Alternativen zum Mais bis zu einem dreistufigen GMF-System mit Grasanteilen zwischen 75 und 100 Prozent.
Die GMF-Diskussion befeuert auch die Debatte über das Kraftfutter. Die Frage ist, ob man statt dem Maisanteil nicht eher den an grossteils importiertem Getreide und Soja weiter senken sollte. Dies ist allerdings mit der gegenwärtigen Genetik nicht überall ganz einfach möglich. Deshalb ist der Fall GMF auch ein Fall Biokuh und was die Branche von ihr erwartet. Adrian Krebs

Weitere Artikel zu diesem Thema finden Sie in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift Bioaktuell.

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 05.05.2015

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