Bio kennt keine Grenzen - Praxisaustausch über den Bodensee hinweg

(30.06.2014) 

An einer Exkursion des Bioackerbaurings Ostschweiz nahmen rund 40 Biobauern teil und erlebten drei sehr unterschiedliche Biohöfe ennet dem Bodensee.

Ein einziger Biobauer fehlte an diesem Montagmorgen. Er habe den Termin einen Monat später in die Agenda eingetragen, lässt er via Natel ausrichten. So konnten sich die gegen 40 Teilnehmer im Apfelcar des einheimischen Carunternehmens recht komfortabel einrichten, als die Entdeckerreise des Osterschweizer Bio-Ackerbaurings im thurgauischen Märstetten startete. Mit auf der Reise, die in Zusammenarbeit mit der Bioberatung des BBZ Arenenberg organisiert wurde, war Jonathan Kern, Ackerbauberater beim deutschen Bioland aus Baden-Württemberg. Er erklärte gleich zu Beginn, dass im süddeutschen Raum rund sechs bis sieben Prozent (ungefähr 4000 Betriebe allein in Süddeutschland) der landwirtschaftlichen Fläche nach Bio-Richtlinien produziert wird, in der Schweiz sind es ungefähr zehn Prozent. Über Konstanz, Stockach erreichte die Reisegruppe schon nach eineinhalb Stunden die sechs Familien umfassende Hofgemeinschaft Heggelbach, welche seit 25 Jahren einen Demeter-Betrieb führt. Was vor einem Vierteljahrhundert beschaulich auf einem Stück hängiger Wiese begann, habe sich erfreulich entwickelt, erklärte Jona Kreis, der zusammen mit einem Kollegen zuständig ist für den Gemüseanbau und den Vertrieb.

170 Hektaren Gemüse

«Das Besondere an der Betriebsgemeinschaft ist die Vielfalt», erklärte Jona Kreis und meinte damit nicht nur die Vielfalt der Betriebszweige, sondern auch die Vielfalt der Menschen, die sich hier gefunden haben. Faszinierend sei, dass hier Leute die Arbeit so einteilen, dass jeder nach seinem beruflichen Wissen, nach Erfahrungen oder momentanen Ressourcen die Verantwortung für ein Teilgebiet übernehmen könne. Heute werden gegen 200 Hektaren bewirtschaftet, davon entfallen auf Ackerbau und Gemüse rund 170 Hektaren, auf einer Höhe von 650 Meter über Meer kein leichtes Unterfangen. Angepflanzt wird vor allem Lagergemüse wie Rote Bete, Pastinaken, Zuckermais, Zwiebeln, Schalotten, Sellerie und Kartoffeln. Zum Hof gehören auch gegen 50 Milchkühe, ein Stier und deren Nachkommen. Das Braunvieh, mit Hörnern selbstverständlich, werde ausschliesslich mit Gras, Klee und Heu gefüttert, sagte Kreis weiter. Die Milch werde in der eigenen Käserei weiter verarbeitet. Vor Jahren habe man sich mit den weiteren sieben Demeter Betrieben in der Region zusammengeschlossen, um bei der Vermarktung ein grosser, starker Partner zu sein. «Wir teilen uns heute auf und jeder produziert das, was auf seinen Böden am besten wächst», so Kreis.

Gutes Geschäft im Grosshandel

Der Gemüseanbau sei in die Fruchtfolge eingebunden. So könnten sich das Kleegras, die Getreidekulturen, die Hackfrüchte sowie die Gemüsekulturen ideal ergänzen. Mit drei grossen Abnehmern im Naturkost-Grosshandel habe man es heute geschafft, das Gemüse sehr gut zu vermarkten. Die Zahlen nehmen ständig zu, eine neue Halle mit Wasch- und Rüststrasse sei in Planung. Weil der Markt es wünscht, werden heute gegen 150 000 Packungen Randen und Zuckermais auch gekocht und vakumiert verkauft. Neben dem Acker- und Gemüsebereich leben auf dem Hof um die 280 Mastschweine, welche mit eigenen Produkten gefüttert werden. Mit Photovoltaikanlagen und einer Holzvergaseranlage produziere man mehr Strom als der Betrieb insgesamt brauche. Dadurch, dass sie auf dem Hof viele Maschinen selber warteten und reparierten, sei es hin und wieder auch möglich, auf die eigenen Bedürfnisse angepasste Gerätschaften anzufertigen. Die Kollegen aus der Schweiz waren begeistert und die Diskussionen auf der Weiterfahrt zur Mittagsrast im «alten Schlawiner» in Osringen-Nenzingen waren lebhaft und intensiv.

Gerätepark vom Modernsten

Auf dem nächsten Hof wartete Volker Duttlinger auf die Reisegesellschaft aus der Schweiz. Der Hinterberghof in Mauenheim hat eine landwirtschaftliche Nutzfläche von gegen 200 Hektaren. Auf dem Betrieb wird Ackerbau betrieben, dazu verrichtet Duttlinger Lohnarbeiten für andere Landwirte. Wer sich für grosse, teure Maschinen interessierte, kam auf diesem Hof voll auf seine Rechnung. Mähen, Kreiseln, Schwaden, Pressen, Wickeln, Dreschen und Transportieren – für jede Arbeit gibt es bei Dittlinger die richtige, brandneue Maschine in bester Manier. Die meisten Geräte werden GPS-gesteuert eingesetzt. Für den Organisator Tobias Brühlisauer ist das «eine andere Liga». Auch die anderen Biobauern konnten mit dem Gerätepark in zweistelliger Millionenhöhe wenig anfangen. «Schön anzuschauen» sagte ein Biobauer und ein anderer meinte knapp, «eine Spinnerei». Der letzte Hof, den die Gruppe besuchte, war der Hof Gasswies im Klettgau. Freddy Rutschmann betreibt auf 120 Hektaren Ackerbau, zum Beispiel mit Saatgutvermehrung und Sojaanbau für einen Tofuhersteller. Auf dem Betrieb stehen 50 Milchkühe. Die muttergebundene Kälberaufzucht ist eines seiner Markenzeichen, auf die beim Rundgang aber nicht gross eingegangen wurde. Sein Stolz ist die Direktvermarktung der Fleischwaren über das Internet.

Ruth Bossert

Weiterführende Informationen

www.hofgemeinschaft-heggelbach.de

www.hinterberghof.de

www.hof-gasswies.de

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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